ERICH ARENDT ist ein bedeutender, zu Unrecht wenig gekannter Lyriker und Nachdichter. Hinsichtlich seines dichterischen Ranges und seiner Zeitgenossenschaft steht ERICH ARENDT in einer Reihe mit den deutschsprachigen Dichtern
ERICH ARENDT lebte von seiner Rückkehr aus dem Exil 1950 bis zu seinem Tod 1984 wie die drei Letztgenannten in der DDR. Die Entscheidung für den sozialistischen Teil Deutschlands traf er, der früh Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands geworden war, fast fünfzigjährig, aus einer tief verwurzelten antifaschistischen Gesinnung heraus. Sein linkes politisches Engagement korrespondierte mit seinem an der Moderne geschulten Künstlertum und seinem Weltbürgertum. Er verstand und verhielt sich als Teil der künstlerischen und politischen Avantgarde Europas. Diesem Selbstverständnis als politischer Mensch und als Dichter lag nichts ferner als Funktionärstum und Parteisoldatengehorsam. Das unterschied ihn ganz maßgeblich von JOHANNES R. BECHER, mit dem er immerhin die Wurzeln als expressionistischer Dichter gemeinsam hatte und die frühe Mitgliedschaft im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. ARENDT schuf keine politisch-instrumentelle Tageslyrik wie BECHER – wo er es versuchte, fällt das Ergebnis qualitativ weit hinter seine übrige Lyrik zurück –, sondern ein poetisches Werk, dessen Metaphern sich an den Universalien menschlicher Existenz orientierten.
Kindheit
und Jugend
ERICH
ARENDT wurde am 15. April 1903 in
Neuruppin geboren, in der Stadt, aus der auch THEODOR FONTANE und FRIEDRICH
SCHINKEL kamen. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, sein Vater
war Schulhausmeister, seine Mutter Waschfrau.
ARENDT ließ sich am Neuruppiner Lehrerseminar zum Lehrer ausbilden und ging 1926 nach Berlin. An einer Reformschule in Berlin-Neukölln, einer sogenannten "Lebensgemeinschaftsschule", die vor allem der Ausbildung schöpferischer Fähigkeiten und der Erziehung zu praktischer Arbeit viel Aufmerksamkeit widmete, unterrichtete er Zeichnen und Literatur. Kaum in Berlin angekommen, knüpfte er Kontakte zu HERWART WALDENs expressionistischer Zeitschrift "Der Sturm". Die Zeitschrift hatte freilich ihre Blütezeit als führendes Kampfblatt der jungen Kunstbewegung hinter sich und wirkte gleichsam nur noch als verhallendes Echo auf ihre großen Jahre. Die wichtigsten Mitstreiter und Autoren hatten im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren.
Erste
Gedichte
Im Jahr 1926 bereits publizierte ARENDT hier seine
ersten Gedichte. Für ARENDTs Selbstverständnis als Dichter ist diese
expressionistische Frühphase von prägender Bedeutung gewesen. In der
Kunstauffassung des "Sturm"-Kreises sollte ein Gedicht nichts mit der
Logik "der Erfahrung der Sinne und der Erfahrung der
Tatsachen" zu tun haben, sondern der Logik des Klangs der Worte und
der Bilder folgen, die allein den Rhythmus der Verse zu bestimmen habe. ERICH
ARENDTs Vorbild war die Dichtung von AUGUST STRAMM, einem Dichter des "Sturm"-Kreises,
der bereits 1915 im Ersten Weltkrieg in Russland gefallen war. AUGUST STRAMM hatte
den Expressionismus sprachlich radikalisiert, indem er Wörter teils umfunktionierte,
also entgegen ihrer grammatischen Funktion benutzte, oder einfach wegließ
(etwa alle Artikel) und nur die syntaktischen Grundpositionen besetzte. Somit
bestand die Mitteilung eines Gedichts gewissermaßen nur im Klang und der
assoziativen Reihung von Wörtern. ARENDT entwickelte STRAMMs poetische Technik
fort und ging über sie hinaus, indem er das Vokabular wesentlich kraftvoller
wählte und den Sprachfluss dynamischer gestaltete.
Bund
proletarisch-revolutionärer Schriftsteller
Im Jahr 1926 wurde er
Mitglied in der KPD und 1928, auf Betreiben JOHANNES R. BECHERs, im "Bund
proletarisch-revolutionärer Schriftsteller ". BECHER stand dem BPRS
vor und versuchte ARENDT von seiner bürgerlichen Orientierung fort in Richtung
politischer Agitation zu drängen, indem er ARENDTs damalige Dichtung als
"Wortgeklingel" bezeichnete. Der Konflikt mit BECHER war unausweichlich
und ARENDT verstummte nahezu als Dichter. Gedichte
aus dieser Zeit der politischen Orientierungssuche sind nicht erhalten, dafür
aber Spuren seiner ausgedehnten Reisen, die er in jener Zeit während seiner
Ferien unternahm. So erwanderte er gemeinsam mit seiner damaligen Freundin und
späteren Frau KATJA HAYEK im Juni 1929 die französische Mittelmeerküste.
Die Tagebuchnotizen von seiner Reise in die Provence wurden 1983 veröffentlicht.
Exil
Im
März 1933 mit dem Machtantritt HITLERs verließen er und KATJA HAYEK,
die Halbjüdin war und inzwischen ERICH ARENDTs Frau, Deutschland. Die Emigration
führte ARENDT zunächst nach Ascona in der Schweiz, wo ihm der begüterte
BERNHARD MEYER Unterschlupf gewährte, dann nach Mallorca auf eine Hauslehrerstelle
bei einem sozialistisch gesinnten Baron. Mit Beginn des spanischen Bürgerkriegs
mussten er und andere Flüchtlinge die Insel Mallorca Richtung Italien verlassen.
Von dort meldete er sich zum Einsatz im Spanischen
Bürgerkrieg in der 27. katalanischen Division "Carlos Marx".
Er, der fließend Spanisch sprach, unterrichtete die Analphabeten seiner
Einheit und unterhielt eine "Fliegende Bücherei". Er schrieb Frontberichte
und agitatorische Texte für die deutschsprachige
Zeitschrift "La Libertat" und Aufsätze
für die kulturpolitische Wochenschrift "Mirador". 1938 erschienen
Berichte, Reportagen und Prosastücke in dem Sammelband "Herois"
(Helden), den er zusammen mit dem befreundeten spanischen Dichter JOAQUIN MORERA
I FALCO herausgab, in spanischer und katalanischer Sprache.
In
Spanien, da er sich unmittelbar dem antifaschistischen Kampf widmete und sich
nicht als Funktionär und Agitator fühlen musste, erwachte seine Produktivität
als Dichter wieder. Jene Gedichte, die unmittelbar unter dem Eindruck des spanischen
Bürgerkrieges entstanden, sind unverschlüsselt, gegenständlich,
klar in ihrer Aussage, kämpferisch und betroffen, und schildern in deutlichen
Szenerien unverstellt die Gräuel des Krieges. Wie um in einer aus den Fugen
geratenen Welt standzuhalten, sind die Gedichte höchst diszipliniert im Formbewusstsein
und der klassischen Strenge des Versmaßes. ARENDT wählte häufig
die Form des Sonetts, aber auch balladenhafte Strophen und Elegien.
In seinen Spaniengedichten
gewinnt ARENDT für seine Exillyrik eine wichtige Dimension hinzu. Ohne sich
in Heimwehgedanken zu verzehren, lässt er sich sofort auf das
Leben in der Fremde ein, er beobachtet die bäuerlichen
Menschen, wie sie der Natur die Nahrung abtrotzen und ihre Felder mit der
Waffe in der Hand verteidigen. Ein starkes Empfinden für die Würde dieser
Menschen und die sie umgebende Landschaft zeigt
sich in diesen Gedichten, die die Natur als Chiffre für ein befreites Leben
benutzen.
Zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution 1937 widmete ARENDT dem Führer
der Sowjetunion STALIN ein langes, hymnisches
vierteiliges Gedicht "Wir haben im Rücken einen Freund", das den
kommunistischen Diktator als "du Lenker, du Bewundernswerter des frohesten
Landes" feiert. ARENDT ahnte zu dieser Zeit noch nicht, dass STALIN seine
Ideale wie die aller Kommunisten auf brutalste Weise verraten hatte.
Südamerika
Nach
der Niederschlagung der Republikaner floh ARENDT nach Frankreich, hielt sich in
Paris auf, war dann in verschiedenen Lagern interniert, durchreiste erneut das
besetzte Spanien bis zum Hafen Cadíz, wo er und seine Frau im September
1941 an Bord eines südamerikanischen Schiffes in Richtung Kolumbien
aufbrachen. Doch zunächst erreichten sie das neue Exilland nicht, sondern
wurden von den Engländern in der Kolonie Curaçao und auf Trinidad
interniert. Erst im März 1942 gelang ihnen die mühselige Reise nach
Bogotá, der kolumbianischen Hauptstadt. Literarische Früchte dieser
beschwerlichen Fluchten und fortgesetzten Unsicherheiten waren unter anderem die
Figurengedichte zu GARCIA LORCA, Don Quichote, REMBRANDT, BREUGHEL und die Gedichte,
die die schmerzlichen Eindrücke von seiner letzten Flucht durch das zerstörte
Spanien und über den Atlantik beschreiben. Der Wind
und das Meer werden nun zu wichtigen Symbolen
für das Umhergetriebensein des Exilanten. ("Nicht
nur von ungefähr getrieben und verschlagen,/vollendet er die große
Fahrt.") Zu den bedeutendsten Gedichten, die die Odyssee zwischen
den Ländern zum Gegenstand haben, gehören "Der Albatros" (1941)
und "Ulysses' weite Fahrt" (1950). Das "Lächeln des Ulysses"
symbolisiert die Hoffnung auf den Sieg der Menschlichkeit,
der Sturmvogel Albatros, der Begleiter des Schiffes, wird ihm zum Sinnbild seiner
Reisen, auch zum Zeichen des Zornes und der Kraft.
In Bogotá lebten die ARENDTs
von Nachhilfeunterricht, bis sie eine eigene kleine Pralinenproduktion in Angriff
nahmen und damit recht gut ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.
Der Aufenthalt
in der herben südamerikanischen Landschaft, insbesondere die Begegnung mit
dem Negerdorf Tolú, kam für
ARENDT einer Offenbarung gleich.
Von der abweisenden Schönheit und Ursprünglichkeit der Landschaft
ließ er sich sofort gefangen nehmen, und seine wache soziale Sensibilität
erfasste die erschütternd schweren Lebensbedingungen der Einwohner.
In den ersten Sätzen seines Vorwortes zum Bildband "Tropenland Kolumbien" (Leipzig 1954) erfasst ARENDT geologische Formation, Natur, Tier und Mensch seiner Exilheimat in einem Satz, so wie er sie als eins und einander bedingend erkannte. Dies ist der Blick ARENDTs, der auch seine Lyrik auszeichnet, eine Gesamtschau von gleichsam kosmischer Dimension. Der Landschaft und den Menschen Kolumbiens hat er im Zyklus "Tolú" (1950 in "Trug doch die Nacht den Albatros"; 1954 als eigenständiges Inseltaschenbuch) ein Denkmal gesetzt.
Wie schon die Spaniengedichte zeichnen sich ARENDTs kolumbianische Gedichte vor der Lyrik anderer Exilanten dadurch aus, dass lähmende Bitterkeit über das Leben in der Fremde gänzlich fehlt. ARENDT ist so empfänglich für die Schönheiten und das Besondere des Gastlandes, dass er sich ganz darauf einlassen kann und auf dem Grat zwischen Fremdsein und Vertrautheit einen äußerst scharfen Blick entwickelt für das naturgeschichtlich Erhabene wie für die erbärmlichen menschlichen Existenzbedingungen und beides aufeinander beziehen kann. Er lässt sich vom Reiz des Exotischen berühren, jedoch nicht von Folklorismen blenden. Sein Blick auf das kärgliche Leben unter den Bedingungen einer unerbittlichen Natur und den rassistisch-ausbeuterischen Verhältnissen des Großgrundbesitzes ist unbestechlich. ARENDT hat seine poetischen Ausdrucksmöglichkeiten in dieser Zeit enorm erweitert, obwohl das Sonett bis auf eine Ausnahme zurücktritt, es kaum freie Rhythmen gibt. Es herrscht die Reimstrophe in Ode und Ballade vor, die allerdings Rhythmen der Landschaft und der negroiden Bevölkerung aufnimmt ("Nacht in Tolú", 1948; "Glückliche Fische schwammen", 1947). In den Bildern gewinnen als Chiffren für das universelle Leben
an Bedeutung (sie werden ARENDTs Lyrik bis zum Ende prägen), auch Chiffren für den Tod wie
finden sich und Bildkombinationen wir "meergraues Aschenland"
oder "Knochenwind". In diesen Gedichten, deren Themen und Rhythmen ihm
gewissermaßen von selbst zugewachsen sind, ist ARENDT ganz bei sich und auf einem Höhepunkt seines Schaffens,
ein positiver Nebeneffekt der Tatsache, dass er von
den Zentren der deutschen Emigration abgeschnitten war und ihm agitatorische
Elemente nicht von außen angetragen werden konnten.
Rückkehr
nach Deutschland
1950 reisten die ARENDTs über New York an Bord
eines polnischen Schiffes zurück
nach Deutschland, in die DDR. Die Jahre der existenziellen Bedrohung in finsterer
geschichtlicher Zeit lagen hinter ihnen.
ARENDT verband die Utopie eines
Lebens, frei von Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung, mit dem östlichen,
kommunistischen Teil Deutschlands. Dass ihn hier der reglementierende Apparat
eines kleingeistigen politischen Parteibürokratismus erwartete, konnte er
nicht ahnen.
Zunächst jedoch nahm er dankbar die Privilegien an, die
man ihm als Spanienkämpfer, Emigranten und altem Mitglied der kommunistischen
Partei angedeihen ließ. Man sprach ihm ein Haus mit großem Grundstück
auf Hiddensee zu, das über alles geliebte Meer in der Nähe. Er
erhielt Preise (1952 den Nationalpreis 3. Klasse, 1956 den Übersetzerpreis),
wurde Mitglied der Akademie der Künste,
durfte veröffentlichen, wenn auch seine Lyrik, insbesondere die aus seiner
expressionistischen Frühphase und die späte, einfachem Verständnis
sich verschließende Alterslyrik beargwöhnt wurden. Er publizierte die
dichterische Frucht der Exiljahre mit den Stationen Italien, Frankreich, Marokko,
Kolumbien in dem Band "Trug doch die Nacht den
Albatros" (1951) und die Spaniengedichte gesondert in dem Band "Bergwindballade - Gedichte des spanischen Freiheitskampfes" (1952). In den folgenden Jahren
war er gemeinsam mit seiner Frau insbesondere als Übersetzer
und Nachdichter tätig. Er war ein profunder Kenner der spanischsprachigen
Literatur und seine Arbeit als Kulturvermittler ist nicht hoch genug zu schätzen. Er übertrug das umfangreiche Werk
des chilenischen Dichters PABLO NERUDA, Gedichte von RAFAEL ALBERTI, NICOLÁS
GUILLÉN, VINCENTE ALEXANDRE, MIGUEL HERNANDEZ, MIGUEL ANGEL ASTURIAS, WALT
WHITMAN u. a. Viele dieser Übertragungen erschienen gleichermaßen in
der DDR wie in der Bundesrepublik. Eine in Kolumbien begonnene Anthologie mit
südamerikanischer Freiheitsdichtung "Die
Indios steigen von Mixco nieder" hatte er bereits 1951 herausgebracht.
Er bereiste mehrfach den Mittelmeerraum, besuchte Italien, Sizilien, Mallorca
und Korsika. 1960 erschien der Text-Bildband "Inseln
des Mittelmeers" beim Brockhaus Verlag in Leipzig, 1962 ebenda nach
einer Reise nach Griechenland, Kreta und Zypern der Band "Griechische
Inselwelt" und 1966 im Verlag der Kunst "Säule
Kubus Gesicht – Bauen und Gestalten auf Mittelmeerinseln". In Griechenland,
insbesondere in der minoischen Frühkultur Kretas, traf er auf archaische
Spuren menschlicher Kultur, meinte er die Einheit von Zeit und Raum, Natur und
Kultur, von Mensch und Gott auszumachen.
So wie ihn die kolumbianische Landschaft und Lebenswelt
gefangen genommen hatte, so ließ er sich von der griechischen Inselwelt
faszinieren. Deren karge, raue landschaftliche Schönheit und die Allgegenwart
der mythischen Wurzeln der europäischen Kultur regten ARENDT zu einem bedeutenden
neuen und letzten Themen- und Bildkomplex in seiner Dichtung an. In Griechenland forschte er nicht zuletzt den Urimpulsen menschlichen Gestaltungswillens nach,
schließlich war er Zeichenlehrer und Form und Gestalt interessierten ihn
von jeher. In seinen Gedichten versuchte er vielfach das
bildnerische Werk anderer Künstler zu erfassen. Bilder von BREUGHEL,
REMBRANDT oder GERHARD ALTENBOURG haben ihn ebenso zu Gedichten veranlasst wie
die Plastiken von ARCHIPENKO und WIELAND FÖRSTER.
Was ARENDT auf seinen
Reisen entdeckte und in den daraus entstandenen Text-Bildbänden in die Prosa
von Reisebeschreibungen fasste - die existenziellen Grundmuster des Daseins in
ihren kosmischen und mythischen Dimensionen sowie die konkreten sozialen Bedingungen
des menschlichen Lebens - beschäftigte ihn auch weiter in seiner Lyrik. 1959
waren die „Flugoden“ im Inselverlag erschienen, die den Menschen "inmitten von Zeit und Raum"
zeigen und sich formal an klassischen Vorbildern der Oden- und Elegiendichtung
(HÖLDERLIN und KLOPSTOCK) orientieren.
Die
letzte Schaffensphase
ARENDT bezog 1971 das Haus von PETER HUCHEL, der
in jenem Jahr aus der DDR in die Bundesrepublik übersiedelte. Es befindet
sich in Wilhelmshorst, Hubertusweg 41. Das Peter-Huchel-Haus wurde im Oktober
1997 als Gedenkstätte und Literaturhaus eröffnet.
Die "Flugoden"
leiten die letzte Schaffensphase,
die Alterslyrik ARENDTs, ein, in der die Bezüge zu seinen Vorbildern aus
der klassischen Moderne, etwa RIMBAUD und POUND, kenntlich sind. Der Band „Ägäis“ (1967) ist ein unmittelbares Ergebnis seiner Griechenlandaufenthalte.
1968 erschien der erste Sammelband imHinstorff Verlag "Aus fünf Jahrzehnten",
herausgegeben von HEINZ CZECHOWSKI. ARENDT hat für diese Publikation ein
Resümee gezogen und eine kritische Durchsicht seines bisherigen Schaffens
vorgenommen. Die späten Gedichte, erschienen in
zeigten
sich als immer unzugänglicher, in ihrer Bildwelt und der Welt des Dichters
verschlossen. Es überwiegen Metaphern von Stein, Staub, Asche, Wüste.
In gewisser Weise kehrte ARENDT zu seinen Anfängen zurück, mit expressiven
Wortfindungen, Auflösung syntaktischer Strukturen und Fragmentierung der
Mitteilungen. ARENDT reagierte auf den realsozialistischen Alltag in der DDR und
die über Jahre verinnerlichten Auswirkungen der stalinistischen Verfolgungen
mit Geschichtspessimismus, Resignation, Rückzug, Flucht in die hermetische
Abschottung und Verschlüsselung seiner Lyrik. Das Alter drängte an ("Endstaub
auf den Gesichtern"), die Lebensgeschichte mit all ihren Wechselfällen,
Entbehrungen, Abschieden, verlorenen Gefährten und Befürchtungen lastete
auf ihm ("Schwermut lagert seit Anbeginn/auf den Schattenhügeln
unseres Erinnerns").
ARENDT erlitt Anfang 1982 einen Schlaganfall
und lebte seither in seiner eigenen, unzugänglichen Welt. Er starb am 25.09.1984 in Wilhelmshorst bei Berlin.