
FRANÇOIS RENÉ VISCOMTE DE CHATEAUBRIAND (1768-1848) gilt als Begründer der Romantik in Frankreich und als Führer der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Er führte neue Schauplätze in die Literatur ein:
Viele seiner Werke spielen unter Indianern Nordamerikas.
Von den "Leiden des jungen Werther" inspiriert ist seine Erzählung
"René", einer
Geschichte um die Liebe zweier Indianerkinder.
Der junge, bei den Natchez-Indianern aufgewachsene Franzose René
erzählt seinen nächsten Vertrauten, wie er versucht habe, dem
Gefühl seines ständigen inneren Abgrunds durch Reisen, gesellschaftliche
Zersteuung, religiöse Meditation und Einsiedlerleben zu entfliehen.
Diese Versuche führen nur zu einem vorübergehenden und trügerischen
Erfolg. Seine Schwester Amélie bewahrt ihn vor dem Selbstmord,
entbrennt aber in Leidenschaft zu ihm. Durch Eintritt in ein Kloster entzieht
sie sich ihm und stürzt ihn dadurch in noch tiefere Verzweiflung.
Bald darauf kommt René bei einem Massaker der Franzosen gegen die
Natchez um.
CHATEAUBRIANDs Auseinandersetzung mit der christlichen Religion "Le
génie du christianisme" (1802; "Der Geist des Christentums")
wirkte auf Vertreter der Spätromantik, wie VICTOR HUGO (Bild 1) und ALFRED
DE MUSSET (1810-1857) nach.
MADAME DE STAËL
Als Wegbereiterin der romantischen Bewegung in Frankreich gilt MADAME
DE STAËL (mit vollem Namen ANNE LOUISE GERMAINE BARONIN VON STAËL-HOLSTEIN,
1766-1817). Sie bereiste 1803-1804 und 1807 Deutschland, wo
sie mit GOETHE, SCHILLER, WIELAND, FICHTE, RAHEL LEVIN und den SCHELEGELs
bekannt wurde und woraufhin sie ihr Hauptwerk, die Abhandlung "De
l'Allemagne" (1810, dt. 1814 "Über Deutschland"),
schrieb, das die Aufnahme der deutschen Romantik in Frankreich vorbereitete.
"Cénacle"
Um 1827-1828 entstand unter Leitung von VICTOR HUGO (1802-1885)
MIT ALFRED DE MUSSET, THÉOPHILE GAUTIER (1811-1872), PROSPER MÉRIMÉE
(1803-1870), GÉRARD DE NERVAL (1808-1855), ALFRED DE VIGNY (1797-1863),
EUGÈNE DELACROIX (179-1863) UND CHARLES AUGUSTIN SAINT-BEUVE (1804-1869)
die (zweite) Künstlergruppe "Cénacle".
Diese leitete die eigentliche Romantik in Frankreich ein und hatte eine
ähnliche Bedeutung wie die deutschen Gruppierungen, da nun die Regelpoetik
der Klassik deutlich abgelehnt wurde.
"Romantik ist nichts anderes als Liberalismus in der Literatur",
äußerte HUGO.
SHAKESPEARE wurde zum Vorbild erhoben. Mit der Aneignung E.T.A. HOFFMANNs und EDGAR ALLEN POEs wurden bestimmte Tendenzen des Symbolismus und des Surrealismus vorweggenommen. So reflektierte man stärker das Traumhaft-Unbewusste und das Düstere, wie in "La comédie et la mort" von THÉOPHILE GAUTIER (1838, Bild 2).