Lebensgeschichte
FRIEDRICH DÜRRENMATT
(Bild 1) wurde am 5. Januar 1921 als Sohn des protestantischen Pfarrers
REINHOLD DÜRRENMATT und seiner Ehefrau HULDA, geb. ZIMMERMANN, in Konolfingen
(Kanton Bern) geboren.
Nach dem Besuch der Primarschule in Stalden (1928-1933) und der Sekundarschule
in Grosshöchstetten (1933-1935) zog die Familie nach Bern. Dort
besuchte er zuerst zwei Jahre das freie Gymnasium, später das Privatgymnasium
Humboldtianum. Er war kein besonders guter Schüler und bezeichnete
seine Schulzeit als die "übelste"
seines Lebens. 1941 legte er sein Abitur ab und begann in Bern und Zürich
Philosophie, Germanistik und Naturwissenschaften
zu studieren.
Eigentlich wollte er Maler werden, aber schon in seinem ersten Studienjahr
entstand sein Erstling, die Weltuntergangskomödie "Der
Knopf".
FRIEDRICH DÜRRENMATT gehörte ebenso wie HERMANN HESSE und EDUARD
MÖRIKE in die Reihe der protestantischen Pfarrerssöhne, die
es zur Schriftstellerei zog. Später allerdings lehnte er die Frömmigkeit
seiner Eltern ab.
Sein erstes Drama "Es
steht geschrieben" (1947) verursachte einen Theaterskandal.
1946 heiratete er die Schauspielerin LOTTI GEIßLER. Da seine Frau
ein Engagement am Basler Stadttheater hatte, zog DÜRRENMATT nach
Basel. In der Ehe wurden drei Kinder geboren: PETER (1947), BARBARA (1949)
und RUTH (1951). Um seine Familie ernähren zu können, übernahm
DÜRRENMATT Auftragsarbeiten und schrieb Hörspiele und Kriminalromane.
Erst mit seinem großen Erfolg, der Tragikomödie "Der
Besuch der alten Dame" (1956) hörten seine finanziellen
Probleme auf.
1968/69 war DÜRRENMATT Theaterdirektor am Basler Theater. In dieser
Zeit entstanden viele Neufassungen seiner älteren Werke. 1982 starb
seine Frau, 1985 heiratete er die Filmemacherin CHARLOTTE KERR.
Am 14. Dezember 1990 starb DÜRRENMATT an den Folgen eines Herzinfarktes
mit 69 Jahren.
Literarisches
Schaffen
Das literarische Schaffen DÜRRENMATTs umfasst neben Romanen auch Theaterstücke und Hörspiele.
Als ein gesellschaftskritischer Autor nahm DÜRRENMATT außerdem
in Essays, Vorträgen und Festreden Stellung zur internationalen Politik.
Hauptschaffensgebiet war allerdings die Dramatik.
In seinen ersten Dramen „Es
steht geschrieben“ (1947) und „Der
Blinde“ (1947) widmete er sich noch vollständig der Problematik
einer religiösen Haltung im Konflikt mit der sich schnell verändernden
Zeit. Seinen Welterfolg verdankte er aber nicht diesen Werken, sondern der
Tragikomödie „Der
Besuch der alten Dame“ (1956, Bild 2). In diesem Werk machte DÜRRENMATT
die Verhaltenskonventionen der Wohlstandsgesellschaft am Beispiel einer korrupten Kleinstadtbevölkerung deutlich, die durch
ein verlockendes Geldangebot der Titelheldin sämtliche moralischen
Skrupel verliert. Dieses Stück wurde 1964 von BERNHARD WICKI unter
dem Titel "The
Visit" (dt.: "Der Besuch") verfilmt und ist
auch heute noch im Spielplan vieler Bühnen weltweit.
DÜRRENMATT studierte besonders die Theatertheorien BERTOLT BRECHTs. Ähnlich wie BRECHT wollte er beim Zuschauer Distanz zum Geschehen auf der Bühne erzeugen. Aber es gibt deutliche Unterschiede zu BRECHT. Im Gegensatz zu ihm präsentierte DÜRRENMATT auf der Bühne keine Weltanschauungen und Ideologien. Außerdem sah BRECHT im Theater eine Möglichkeit, die Gesellschaft zu verändern. Er wollte das Denken des Zuschauers in eine bestimmte Richtung lenken. BRECHTs Lehrstücke haben meist einen didaktischen Charakter, oft sind sie von der marxistischen Weltanschauung geprägt. Das Individuum soll sich einer Gruppe unterordnen. DÜRRENMATT dagegen bediente sich zwar der epischen Mittel BRECHTs, verwehrt sich aber gegen eine belehrende Dramaturgie. Spätestens nach seiner Russlandreise im Jahre 1964 distanzierte er sich eindeutig vom Marxismus.
DÜRRENMATT verursachte mehrere Skandale.
So hielt er zum Beispiel 1980 in einem Interview CARL ZUCKMAYERs Werk für "Scheiße", GÜNTER GRASS "für
zu wenig intelligent, um so dicke Bücher zu schreiben",
MAX FRISCH (Bild 1) für einen "Autor der Fehlleistungen" und 1985
in einem Stern-Interview ADOLF MUSCHG "für besonders langweilig".
Aber die Skandale betrafen immer nur sein Werk, nie seine Person. Man
könnte vermuten, dass sie inszeniert worden sind, denn da der Erfolg
seiner Spätwerke ausblieb, brachte er sich gerade durch die Skandale
wieder in Erinnerung.
Seine Komödien "Romulus
der Große" (1949), "Die
Ehe des Herrn Mississippi" (1952), "Ein
Engel kommt nach Babylon" (1954), "Die
Physiker" (1961) und "Der
Meteor" (1966) wurden dagegen begeistert von der Öffentlichkeit
aufgenommen.
Die literarischen Stoffe DÜRENNMATTs sind vielfältig, trotzdem kristallisieren sich einige Grundthemen heraus. Zum einen Zweifel am Sinn des menschlichen Tuns oder daran, dass der Einzelne fähig ist, am Lauf der Dinge etwas zu ändern. Ein anderes Thema ist die Hilflosigkeit des Einzelnen in der Welt, die eher Chaos ist und vom Zufall regiert wird. Trotz dieses teilweisen Pessimismus lohnt es sich, seine Werke zu lesen, bereitet doch der Sprachwitz große Freude.
Für sein literarisches Werk wurden DÜRRENMATT Preise, wie
verliehen. In den Achtzigerjahren erhielt er neben
Werke
Zu den Werken von Friedrich Dürrenmatt
gehören u. a.: