





FRIEDRICH
GOTTLIEB KLOPSTOCK war ein deutscher Epiker und Lyriker auf der Schwelle
zwischen Spätbarock und Klassik. Vor allem sein Hauptwerk, der "Messias"
machte ihn zu einem der bedeutendsten Vertreter der frühen Klassik;
er war es, der die klassische Periode einläutete.
KLOPSTOCK gilt als Begründer der Erlebnisdichtung und als Hauptvertreter
des lyrischen Dramas im 18. Jahrhundert.
Für KLOPSTOCK war der Dichter sowohl Seher als auch Erzieher. Sein
dichterisches Schaffen beeinflusste die Literaten seiner Zeit, u. a. JOHANN
WOLFGANG VON GOETHE und die des Göttinger Hainbundes, außerordentlich.
Lebensgeschichte
Die Lebensgeschichte von FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK fällt in die Periode zwischen Spätbarock
und früher Klassik. Er wurde am 02.07.1724 in Quedlinburg als Sohn
des Stiftsadvokaten und fürstlich-mansfeldischen Kommissionsrates
GOTTLIEB HEINRICH KLOPSTOCK und seiner Frau ANNA MARIA, geb. SCHMIDT,
geboren. Er genoss eine christlich-pietistische Erziehung und besuchte
zunächst das Gymnasium in Quedlinburg. 1739 wurde ihm ein Stipendium
für die Fürstenschule Pforta in Schulpforte gewährt. 1745-1746
nahm er ein Studium der Theologie in
Jena auf, das er 1746-1748 in Leipzig fortsetzte. Noch in Jena entstanden
die ersten Gesänge seines "Messias" in Form von Prosaentwürfen. Diese arbeitete er in Leipzig in Hexameter
um. Die ersten drei Gesänge sowie einige Oden wurden 1748 anonym
in der Zeitschrift "Neue
Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes" ("Bremer
Beiträge") veröffentlicht, deren Herausgeber,
literarisch tätige Studenten, KLOPSTOCK in Leipzig kennenlernte.
Nach dem Studium arbeitete KLOPSTOCK zunächst als Hauslehrer in der Familie von Verwandten in Langensalza. Hier verliebte er sich in
seine Kusine MARIA SOPHIA SCHMIDT, eine unerfüllte Liebe, die er
in den "Oden
an Fanny" besang.
1750 folgte KLOPSTOCK einer Einladung des Literaturtheoretikers JOHANN
JAKOB BODMER in die Schweiz nach Zürich. Der Gegensatz zwischen der
lebensfrohen, weltoffenen Art KLOPSTOCKs und den eher asketischen Vorstellungen
BODMERs führte bald zu Spannungen zwischen den beiden. So ließ
sich KLOPSTOCK im Frühjahr 1751 in Kopenhagen als Gast bei dem Reformator
und Minister JOHANN HARTWIG ERNST GRAF VON BERNSTORFF nieder, der für
ihn vom dänischen König FRIEDRICH V. eine jährliche Pension
für die Vollendung des "Messias" erwirkt hatte.
Bei seiner Reise nach Kopenhagen lernte KLOPSTOCK während eines Aufenthaltes
in Hamburg seine zukünftige Frau, die Kaufmannstochter META MOLLER,
kennen. Die Heirat fand 1754 statt. META wird die "Cidli" seiner Oden. Sie stirbt allerdings bereits wenige Jahre später,
1758.
Mit Ausnahme einiger Zwischenaufenthalte in Deutschland blieb KLOPSTOCK
bis 1770 in Dänemark. In Kopenhagen schloss er sich einem deutsch-dänischen
Kreis von Dichtern und Aufklärungsphilosophen an. KLOPSTOCK
wurde zur zentralen Person dieses Kreises, dem u. a. JOHANN ANDREAS CRAMER,
HELFRICH PETER STURZ, FRIEDRICH LEOPOLD REICHSGRAF ZU STOLBERG-STOLBERG,
JOHANN ELIAS SCHLEGEL, JOHANN BERNHARD BASEDOW und HEINRICH WILHELM VON
GERSTENBERG angehörten.
1770 enthob der dänische König CHRISTIAN VII. den Grafen BERNSTORFF,
seiner Ämter. BERNSTORFF ging nach Hamburg und KLOPSTOCK folgte seinem
Freund und Gönner. In Hamburg heiratete er 1971 zum zweiten Mal:
die verwitwete JOHANNE ELISABETH V. WINTHEM. Schnell wird er zum Mittelpunkt
eines großen Freundeskreises, zu dem u. a. MATTHIAS CLAUDIUS, HEINRICH
WILHELM VON GERSTENBERG und die Geschwister STOLBERG gehörten. Auch
zu vielen weiteren namhaften Persönlichkeiten hatte er Kontakt (u. a.:
GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG, JOHANN KASPAR LAVATER, JOHANN GOTTFRIED HERDER,
WILHELM VON HUMBOLDT, LORD NELSON und LADY EMMA HAMILTON).
Aufgrund seiner anfänglichen Nähe zur französischen Revolution
(die später in Ablehnung umschlug), wurde der Dichter 1792 zum Ehrenbürger
der Französischen Republik ernannt. Er verstarb am 14.03.1803
in Hamburg. Sein Grab befindet sich in Ottensen.
Literarisches Schaffen
KLOPSTOCKs literarisches
Schaffen hatte großen Anteil an der Weiterentwicklung einer
eigenständigen deutschen Literatur. An der Schwelle zwischen Spätbarock
und Klassik stehend, gehörte er zu den bedeutendsten Vertretern der
frühen Klassik und zu den schon zu Lebzeiten hoch geehrten Dichtern.
Er distanzierte sich mit seinen Werken deutlich von der moralisierenden
und pietistischen Dichtung des Spätbarock und ebnete den Weg für
den Durchbruch von
KLOPSTOCK setzte der Alltagssprache und den strengen Vorschriften zum
Verfassen von Lyrik aus der Barockzeit kraftvolle Sprachneuschöpfungen entgegen und erweiterte die bislang stark an antiken Vorbildern orientierte
Metrik bis hin zu (meist reimlosen) Dichtungen mit freien
Rhythmen. Er forderte, dass ein Gedicht niemals nur bloße
Beschreibung sein dürfe, dagegen Leidenschaft und Handlung in sich
vereinen müsse.
KLOPSTOCK wurde vor allem durch den „Messias“ (PDF 3) bekannt, sein dichterisches Hauptwerk, ein biblisches Epos (geistliche
Epik), das er in klassischen, gewaltigen Hexametern verfasste. Das Werk
war das erste große neuhochdeutsche Epos. Es besteht insgesamt aus
20 Gesängen und erstreckte sich in seiner Planung und Erstellung
über einen Zeitraum, der von der Schulzeit des Verfassers bis in
die Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts reichte. Der Vorsatz, ein großes
Nationalepos zu schaffen, das den Werken HOMERs u. MILTONs ebenbürtig
sein sollte, entwickelte sich bei KLOPSTOCK schon in seiner Zeit an der
Fürstenschule Pforta, u. a. unter dem Eindruck der Literaturtheoretiker
JOHANN JAKOB BODMER und JOHANN JAKOB BREITINGER. Die vier Einzelbände
erschienen zwischen 1748 und 1773. Sie wurden in den folgenden zwei Jahrzehnten
noch vielfach überarbeitet, bis zum heutigen Tage in viele Sprachen
übersetzt und nicht selten zur Anregung für die Arbeiten nachfolgende
Literaten.
Auch auf dem Gebiet der Lyrik hinterließ KLOPSTOCK viel beachtete
Werke. Dazu gehören besonders seine „Oden“,
eine drei bändige Sammlung von erhabenen, pathetischen Dichtungen,
die zwischen 1747 und 1771 erschienen und Themen wie Religion, Liebe,
Freundschaft, Vaterland und Naturerlebnisse behandeln. KLOPSTOCK war der
erste deutsche Literat, der die antiken Odenmaße meisterte. Besonders
bekannt wurde die Ode "Der
Hügel und der Hain" (1771), in der KLOPSTOCK die Ossianischen Freiheitsgesänge 1) verarbeitete.
1) OSSIAN war ein keltischer Sänger des 3. Jahrhunderts n. Chr. Die nach Natürlichkeit strebende aufklärerische Dichtung beschäftigte sich sehr mit Volksliedern und der Sprache des Volkes. Hier galt zunächst HOMER als Urgrund der Dichtung, der jedoch später zunehmend durch OSSIAN abgelöst wurde.
Der Ruhm KLOPSTOCKs gründet sich vor allem auf sein Jugendwerk.
Seine dichterische Kraft lässt in seinen Spätwerken, die praktisch
im Schatten des "Messias" und der "Oden" stehen, deutlich
nach. Zunehmende Abstraktionen und unglaubwürdig handelnde Personen
ließen den Leserkreis nach und nach schrumpfen. Trotzdem sind auch
weitere Werke erwähnenswert, so seine religiösen Versdramen
zu alttestamentarischen Inhalten und historische Arbeiten, wie die romantisch-nationale
Dramentrilogie über das Leben des Feldherrn ARMINIUS oder HERMANN
DER CHERUSKER ("Hermanns Schlacht", 1769; "Hermann und
die Fürsten", 1784; "Hermanns Tod", 1787). Die Hermann-Dichtungen
machten KLOPSTOCK zum "Vater" der sogenannten Bardendichtung,
einer in Deutschland um 1770 verbreiteten episch-lyrischen Dichtung, die
mit dem europaweit aufkommenden Interesse an der Vorzeit entstand. Die
Bardendichtung war volkstümlich, national-aggressiv und Ausdruck
der Opposition gegen die gelehrte Tradition und Hofkultur.
KLOPSTOCK schrieb außerdem theoretische
Abhandlungen zu sehr unterschiedlichen Themen (Metrik, Poetik,
Orthographie, Etymologie). Auch das unvollendete, in Prosa abgefasste
Werk "Die deutsche Gelehrtenrepublik. Ihre Einrichtung, ihre Gesetze,
" (1774) gehört dazu.
Hier forderte KLOPSTOCK u. a. die Freiheit des Dichters vor jedem Regelzwang
ein.
Einfluss Klopstocks auf andere
Literaten
Der große Einfluss
KLOPSTOCKs auf andere Literaten ist vor allem auf sein Wirken als
Spracherneuerer zurückzuführen. Er versuchte, Poesie und Prosa
zu trennen und überraschte den Leser mit einer voller Erregung geführten
Sprache.
Der Göttinger Hainbund,
ein literarischer Freundeskreis um JOHANN HEINRICH VOSS, LUDWIG CHRISTOPH
HEINRICH HÖLTY, JOHANN MARTIN MILLER und die Brüder STOLBERG,
benannte sich nach der von KLOPSTOCK 1771 geschriebenen Ode "Der
Hügel und der Hain". Auch die Sturm-und-Drang-Gedichte GOETHEs
und die lyrischen Werke vieler anderer Schriftsteller fanden Anregungen
bei KLOPSTOCK (CHRISTOPH MARTIN WIELAND, FRIEDRICH VON SCHILLER, FRIEDRICH
HÖLDERLIN, RAINER MARIA RILKE, STEFAN GEORGE), besonders in seinen
freien Rhythmen und der Hymnenform.
KLOPSTOCK war der erste freie Schriftsteller, der sich nicht als Hofpoet
geistig abhängig machte und aus seinen Werken auch finanziellen Gewinn
schlug (obgleich auch er überwiegend von verschiedenen fürstlichen
Pensionen lebte). Das wirkte sich nachhaltig stärkend auf den Status
und auf das Selbstverständnis der neuen deutschen Dichtergeneration
aus - gemeinsam mit GOTTHOLD EPHRAIM LESSING eröffnete KLOPSTOCK
die Ära des Berufsdichtertums.
Werke
Zu den Hauptwerken von KLOPSTOCK
gehören u. a.:
