



Der griechische Dichter HOMER (griech.: Homeros) wurde in der Philologie (der Sprach- und Literaturwissenschaft) lange als fiktive Persönlichkeit angesehen, da seine geschichtliche Existenz nicht belegt ist und seine Identität daher nie zweifelsfrei geklärt werden konnte. So finden sich beispielsweise viele antike Zeugnisse, in denen er immer wieder als blinder Greis dargestellt wurde. Trotzdem überwog von der Antike bis in die Neuzeit weitgehend die Vorstellung, dass es sich bei HOMER um einen (oder evtl. zwei) Dichter handelte. Heute gilt er wieder als historische Persönlichkeit.
HOMER lebte nach heutigen Vorstellungen im 8. Jahrhundert v. Chr. im ionischen
Kleinasien. Er gilt als Begründer der ältesten literarischen
Gattung - des Heldenepos - und als Verfasser der beiden wichtigsten
altgriechischen Epen, der "Ilias"
und der "Odyssee". Damit
eröffnet HOMER die Reihe der antiken griechischen Literatur; er war
der erste namentlich bekannte Autor der abendländischen Welt.
HOMER war kein Verfasser im neuzeitlichen Sinne. Er "erfand"
keine Literatur, sondern schrieb das nieder, was von anderen mündlich
überliefert wurde. Schon vorhandene Mythen wurden lediglich ausgeschmückt,
sodass man die Figur des HOMER als einen Mittler zwischen Muse und Publikum
ansehen kann.
Die homerische Frage
Die Frage, ob die beiden Epen "Ilias" und "Odyssee"
wirklich von HOMER bzw. überhaupt in allen Teilen von ein und demselben
Verfasser oder doch eher von zwei verschiedenen Verfassern stammen, ist
bis heute nicht zweifelsfrei geklärt und wird nach wie vor als sogenannte "homerische
Frage“ diskutiert.
Für einen gemeinsamen Ursprung beider
Dichtungen sprechen die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher und
historischer Untersuchungen, nach denen beide Epen im 8. Jahrhundert v.
Chr. an der von Griechen besiedelten Westküste Kleinasiens entstanden.
Vorlagen für beide Epen waren mündlich überlieferte Formen
der Kleinepik. Diese Kleinepik reicht
bis in die Zeit der frühgriechischen Stämme im 2. Jahrtausend
v. Chr. zurück. Sie wurde vermutlich von fahrenden Rhapsoden (Sängern) an den Adelshöfen vorgetragen. Im Lauf der Jahrhunderte
wurden die Texte der homerischen Epen mehrfach von älteren Manuskripten
abgeschrieben und bis in die Gegenwart überliefert. (Nichtsdestotrotz
galten die "Ilias" und die "Odyssee" nach vorherrschender
Meinung allzeit als eigenständige und weitgehend fiktive Originalwerke.)
Beide Epen zeichnet ein gehobener epischer
Stil aus. Sie sind in Hexametern verfasst und enthalten ionische und äolische Sprachelemente. Die
Dichtungen sind in einer Kunstsprache formuliert, die auf mündlicher
Überlieferung basiert und zahlreiche formelhafte Elemente enthält
(u. a. schmückende Beiwörter sowie stereotype, immer wiederkehrende
Wendungen und Phrasen). Auffällig sind die Lebendigkeit und Natürlichkeit
der Darstellung sowie häufig eingebundene Gleichnisse aus Natur und
zeitgenössischer Umwelt.
Gegen einen gemeinsamen Ursprung beider Dichtungen spricht die Vielzahl widersprüchlicher Elemente wie das benachbarte Auftreten von Waffen- oder Kultbräuchen, die aus verschiedenen Kulturschichten stammen. Daneben finden sich Lieder und Kleinepen, die für sich selbstständige Einheiten darstellen und möglicherweise einfach nur zu einem größeren Werk zusammengestellt wurden.
Während so einzelne Untersuchungen darauf hindeuteten, dass die homerischen Epen "nur" eine Sammlung von Einzelgedichten bzw. -liedern sein könnten, sind andere Wissenschaftler der Meinung, dass die gefundenen Unstimmigkeiten von untergeordneter Bedeutung und die Epen als einheitliche Werke eines einzelnen Verfassers zu betrachten sind.
Einfluss der homerischen Epen auf
die nachfolgende Literatur
Die Auswirkungen
der homerischen Epen waren zweifelsohne gewaltig. In den Dichtungen
wurde maßgeblich das griechische Götter- und Menschenbild geformt.
Die Epen HOMERs wirkten sich auf die gesamte nachfolgende Literatur der
Griechen aus. Sie beeinflussten die Tragödie, die Geschichtsschreibung
und die Philosophie. HOMER war direkt oder indirekt Vorbild für nahezu
alle folgenden Epiker oder zumindest Gegenstand kritischer Auseinandersetzung.
Die Auseinandersetzung mit HOMER beschränkte sich nicht auf Griechenland;
sie findet sich bei vielen namhaften Literaten und reicht bis in die Gegenwart
(Beispiele: das Epos "Paradise Lost" von JOHN MILTON, der Roman
"Don Quijote" von MIGUEL DE CERVANTES, der Roman "Ulysses"
von JAMES JOYES).
In Deutschland wurden die Werke HOMERs insbesondere durch die Übersetzungen
von JOHANN HEINRICH VOSS (Odyssee: 1781, Ilias: 1793). breiten Bevölkerungsschichten
zugänglich gemacht. Besonderen Einfluss hatte HOMER auf GOETHE, LESSING
und HERDER.
Hauptwerke
Die Hauptwerke, die HOMER zugeschrieben
werden, sind:
