HORAZ (eigentlich QUINTUS HORATIUS FLACCUS) war ein schon zu Lebzeiten sehr berühmter römischer Dichter. Er gehörte zu den Klassikern des Goldenen Zeitalters der römischen Literatur und war neben VERGIL der bedeutendste Dichter in der Zeit des ersten römischen Kaisers AUGUSTUS (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.). HORAZ wurde insbesondere von der griechischen Lyrik geprägt, so von ARCHILOCHOS, ANAKREON, ALKAIOS, PINDAR und SAPPHO. Seine eigenen Dichtungen, zu denen Oden, Epoden, Satiren und Episteln gehören, beeinflussten nachhaltig die Lyrik nachfolgender Dichter, von der Antike über das Mittelalter bis hin zu den englischen und deutschen Dichtern des 18. und 19. Jahrhunderts.
Lebensgeschichte
Die Lebensgeschichte
von HORAZ ist die eines sehr erfolgreichen und angesehenen Dichters. Er
wurde am 08.12.65 v. Chr. in Venusia (Apulien, heute Venosa) geboren.
Er war der Sohn eines ehemaligen, freigelassenen Sklaven.
HORAZ wurde in Rom und Athen ausgebildet. In Athen studierte er an der
Akademie griechische Philosophie und Dichtung.
Nachdem im Jahr 44 v. Chr. JULIUS CAESAR ermordet worden war, wurde HORAZ
von MARCUS IUNIUS BRUTUS in das Heer der Republik aufgenommen. Er kämpfte
als Militärtribun 42 v. Chr. bei Philippi. Dort wurde die republikanische
Armee durch die Truppen von MARCUS ANTONIUS und OCTAVIAN besiegt. Infolge
einer Generalamnestie konnte Horaz nach Rom zurückkehren. In der
Zwischenzeit aber war sein Vater gestorben und das väterliche Landgut
in Venusia konfisziert. So musste HORAZ für seinen Lebensunterhalt
sorgen und arbeitete als Schreiber (scriba) der Regierung. Zu dieser Zeit
schrieb er seine ersten Gedichte.
Um 38 v. Chr. wurde HORAZ durch VERGIL, den damaligen "Poeta
laureatus" (ein mit dem Lorbeerkranz gekrönter Dichter)
Roms, dem Staatsmann und Kunstmäzen GAIUS MAECENAS vorgestellt, der
HORAZ den Kontakt zu den literarischen und politischen Persönlichkeiten
Roms verschaffte. Damit wurde es HORAZ möglich, sich seine Existenz
allein durch seine literarische Tätigkeit zu sichern, was ihm dazu
verhalf, sehr bald berühmt zu werden.
Von GAIUS MAECENAS erhielt HORAZ um 33 v. Chr. ein Gut in den Sabinischen
Bergen, das für ihn ein Rückzugsort, ein Ort des Schreibens
und Nachdenkens wurde.
19 v. Chr. starb sein Freund VERGIL und so wurde der auf dem Höhepunkt
seines Ruhmes angelangte HORAZ zum "Poeta
laureatus" ernannt. Er starb am 27. November 8 v. Chr.
in Rom.
Literarisches Schaffen
HORAZ' literarisches
Schaffen ist vom Gesamtumfang überschaubar, doch sind seine Dichtungen
vollständig erhalten und beeinflussten die nachfolgenden Generationen
über viele Jahrhunderte. HORAZ schrieb:
1) Epode = griech.-lat.: Nachgesang, Schlussgesang
2) Epistel = griech.-lat.: kunstvoll formulierter,
längerer Kunstbrief an fiktive oder tatsächliche Adressaten
Frühwerk
HORAZ' Frühwerk umfasst
zunächst die zwei Bücher der „Satirae“,
die in Form von Dialogen (nach HORAZ „Sermones“ = Gespräche) ethische Fragen und menschliche Schwächen behandeln,
z.B die kritische Betrachtung von Maßlosigkeit hinsichtlich Ehrgeiz,
Lebensgenuss, Reichtum oder gesellschaftlichem Ruhm. HORAZ orientierte
sich in den "Satirae" an dem Satiriker LUCILIUS, schrieb aber
mit weniger moralischer Bissigkeit und mit mehr humorvoller Toleranz.
Die Satire als literarische Gattung hatte kein griechisches Vorbild und
wurde von HORAZ zur Vollendung gebracht.
Ebenfalls zu seinem Frühwerk gehören die von HORAZ als „Iambi“ (Schmähgedichte) bezeichneten
„Epoden liber“,
17 kurze Gedichte in Jambenpaaren im lyrischen Stil des griechischen Dichters
ARCHILOCHOS, die die gesellschaftlichen Missstände anprangern oder
missliebige Zeitgenossen auf's Korn nehmen.
Mittlere Schaffensphase
Die mittlere Schaffensphase
brachte vor allem die formal nach den Vorbildern der griechischen Dichter
ANAKREON, ALKAIOS (alkäische Strophe), PINDAR und SAPPHO (sapphische
Strophe) verfassten Oden
"Carmina" hervor, die er vor allem der Lobpreisung von Frieden,
Patriotismus, Liebe, Freundschaft und Wein sowie der Freuden eines einfachen,
ländlichen Lebens widmete. Auch Motive der griechischen und römischen
Mythologie wurden von HORAZ verarbeitet. Insgesamt stellen die Oden mehr
eine Verstandes- als eine Gefühlsdichtung dar. Mit den Oden "Carmina"
wurde HORAZ zum Urvater der römischen Lyrik. Der für das Ohr
angenehme Rhythmus und eine dezente Ironie verleiteten die Dichter des
18. und 19 Jahrhunderts zur Imitation, insbesondere die englischen Dichter
ALEXANDER POPE und JOHN MILTON und die deutschen Dichter FRIEDRICH GOTTLIEB
KLOPSTOCK und FRIEDRICH HÖLDERLIN.
Spätwerk
Zum Spätwerk von HORAZ
gehören:
Neben den Oden "Carmina" hatte besonders die "Ars poetica"
nachhaltige Wirkung
auf nachfolgende Dichter, von der Antike über das Mittelalter
bis in das 19. Jahrhundert. Es gibt inzwischen HORAZ-Nachdichtungen in
vielen Sprachen; deutsche Nachdichtungen schufen u.a CHRISTOPH MARTIN
WIELAND und JOHANN GOTTFRIED VON HERDER.
HORAZ verstand es, Sprache treffsicher einzusetzen sowie Formulierungen
vollendet abzurunden und dabei stilistische Möglichkeiten vom anmutigen
Plauderton bis hin zum feierlichen Gesang zu nutzen. EDUARD MÖRIKE,
der HORAZ übersetzte, pries "feierlichen Ernst, überraschende
Kühnheit des Ausdrucks und sinnschwere Kürze, sowie ... einen
höchst kunstreichen Organismus des Verses".
Werke
Die Werke von HORAZ wurden in zeitlicher
Folge wie folgt veröffentlicht:
Episteln ("Epistulae"), Buch II, u. a. mit der "Ars poetica" (um 13 v. Chr.)