Biografie
JOSEPH CONRAD - eigentlich
TEODOR JÓZEF KONRAD KORZENIOWSK - wurde als Kind polnischer
Eltern am 3.12.1857 in Berditschew (Ukraine) geboren. Nach dem frühen
Tod seiner Eltern wuchs er unter der Obhut seines Onkels in Polen auf.
Schon immer träumte CONRAD davon, zur See zu fahren. Mit 17 Jahren
ging er in Marseille auf die Marineschule und diente erst auf französischen,
dann auf britischen Handelsschiffen. 1884 wurde er britischer Staatsbürger.
Er erwarb 1886 das Kapitänspatent
und befuhr die Meere Südamerikas und des Fernen Ostens.
1894 ließ CONRAD sich in England nieder. Er gründete eine Familie
und begann zu schreiben. Seinen ersten Roman "Almayer's Folly"
veröffentlichte er 1895 im Alter von 38 Jahren. CONRAD schrieb in
englischer Sprache, die er erst mit 19 Jahren erlernt hatte, aber
meisterhaft beherrschte. Er verfasste in den folgenden Jahren Romane und
Kurzgeschichten. Doch erst der 1913 publizierte Roman "Chance"
verhalf ihm zu größerer öffentlicher Anerkennung. CONRAD
starb 1924 in England als renommierter Schriftsteller.
Literarisches Schaffen
Viele Romane und
Kurzgeschichten JOSEPH CONRADs handeln von Seefahrten und verarbeiten
autobiographische Erfahrungen. Als Grundthema
seiner abenteuerlich-exotischen, psychologischen Romane und Erzählungen
stellt CONRAD den Einzelnen in schicksalhaften Entscheidungssituationen
dar. Teils sind diese Situationen (wie in seinem ersten Roman "Almayer's
Folly", 1895, dt. 1935 u. d. T. "Almayers Wahn") in die farbig
geschilderte Umwelt fremder Kulturen eingebettet; teils entstehen sie
in Auseinandersetzung mit der Naturgewalt des Meeres - wie in CONRADs
Roman "Lord Jim" (1900), wo der Protagonist, ein Seeoffizier,
bei einer Bewährungsprobe versagt, weil er im Augenblick der Gefahr
heimlich sein Schiff verlässt. Als Ausgestoßener sucht er nach
einer neuen Gelegenheit, sich zu bewähren und seine Selbstachtung
wiederzufinden.
Das Geschehen und die Motive werden in CONRADs Werken mehr angedeutet als durchgängig erzählt. Beeinflusst ist diese Art des Erzählens von HENRY JAMES' impressionistischer und multiperspektivischer Erzähltechnik. Ähnlich wie JAMES bricht CONRAD die Handlungsführung durch Vor- und Rückblenden auf und wechselt häufig und abrupt die Erzählperspektive (point of view). Derart entstehen Texte, die dem Leser statt eines Panoramas eine kaleidoskopische Vielzahl von Sichtweisen präsentieren, sodass er sich mit keiner einzelnen Figur zu identifizieren vermag. WILLIAM FAULKNERs 1930 erschienener Roman "As I Lay Dying" treibt diese Technik auf die Spitze.
Der Technik des Perspektivwechsels dient auch die Erzählerfigur Marlow, die bei CONRAD u. a. in den Romanen "Lord Jim", "Chance" (1912) und in der Erzählung "Heart of Darkness" (1902, deutsch: "Das Herz der Finsternis") auftritt.
Auch in CONRADs vielschichtigem Roman "Nostromo" (1904) wechselt
die Erzählperspektive. Inhaltlich wendet er sich politischen Fragen
zu: Am Beispiel der Auseinandersetzungen um ein südamerikanisches
Silberbergwerk wird die Verführbarkeit des Menschen durch materielle
Interessen geschildert.
Der Roman "Chance" (1912), CONRADs erster großer Erfolg,
verbindet die romantische Liebe mit dem Motiv des Meeres.
Heute gilt CONRAD aufgrund seiner kunstvollen Erzählweise als wichtiger Wegbereiter der modernen englischen Literatur.
Weitere Werke CONRADs sind:
Romane
Erzählungen und Kurzgeschichten
Youth (1902, dt.: Jugend)
Typhoon (1903, dt.: Taifun)
Tales of Hearsay (hg. 1925)