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Kanzonenstrophe
Kanzonenstrophe

Aufbau der Kanzonenstrophe
Die Kanzonenstrophe (abgeleitet von Kanzone, dem provenzalischen Namen für das französische Minnelied) ist eine der wichtigsten Minneliedstrophen der klassischen mittelhochdeutschen Literatur. Rund 80% der Lieder sind in dieser Strophenform verfasst.
Die Strophe besteht vom Aufbau her aus zwei Teilen, den sogenannten Perioden:

Der Aufgesang ist wiederum zweiteilig; er besteht aus:

Daher wird diese Strophenform auch Stollenstrophe (= Versgruppe) genannt, wobei der erste Stollen immer symmetrisch gearbeitet ist.

Der Abgesang kann längeren Umfanges sein. Er reicht von einem einfachen Reimpaar bis zu mehreren Versgruppen.
Die Verse der Kanzonenstrophe sind traditionell gereimt.

Beispiel für eine Kanzonenstrophe
Ein Beispiel für die Kanzonenstrophe ist HARTMANNs VON AUE (Bild 1) Manger grüezet mich alsô. Das Lied weist im Aufgesang den Paarreim auf, wobei der Abgesang eine Reimhäufung darstellt:

Manger grüezet mich alsô
"Manger grüezet mich alsô
(der gruoz tuot mich ze mâze frô),
»Hartmann, gên wir schouwen
ritterlîche frouwen. «
mac er mich mit gemache lân
und île er zuo den frowen gân!
bî frouwen triuwe ich niht vervân,
wan daz ich müede vor in stân.

Ze frowen habe ich einen sin:
als sî mir sint als bin ich in;
wand ich mac baz vertrîben
die zît mit armen wîben.
swar ich kum dâ ist ir vil,
dâ vinde ich die diu mich dâ wil;
diu ist ouch mînes herzen spil:
waz touc mir ein ze hôhez zil?

In mîner tôrheit mir geschach
daz ich zuo zeiner frowen sprach
»frow, ich hân mîne sinne
gewant an iuwer minne.«
dô wart ich twerhes an gesehen.
des wil ich, des sî iu bejehen,
mir wîp in solher mâze spehen
diu mir des niht enlânt geschehen."

Der Aufbau der Strophe dieses Minneliedes sieht so aus:

Aufgesang
Stollen 1: 2 Verse (Vers 1 vierhebig, Vers 2 vierhebig)

"Mánger grüezet mích alsô
(der grúoz tuot mích ze mâze frô),"

Stollen 2: 2 Verse (Vers 3 dreihebig, Vers 4 dreihebig)

"»Hártmann, gên wir schóuwen
rítterlîche fróuwen.«"

Abgesang
4 Verse (V5 vierhebig, V6 vierhebig, V7 fünfhebig, V8 vierhebig)

"mac ér mich mít gemáche lân
und île er zúo den frówen gân!
bî fróuwen tríuwe ich níht vervân,
wan dáz ich müede vór in stân."

Verfasser von Kanzonenstrophen
Die Kanzonenstrophe wurde zum Vorbild für die Meistersangstrophe des ausgehenden Mittelalters und der Reformation.
Verfasser von Kanzonenstrophen waren neben

GIACOMO DA LENTINI soll wegbahnend gewesen sein bei der Entwicklung des Sonetts aus der Kanzonenstrophe (um 1220/1230). LENTINI gehörte der so genannten Sizilianischen Dichterschule (Scuola siciliana, um1220-1260) am Hofe des Kaisers FRIEDRICH II. (Bild 3) in Palermo an.
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