Königsherrschaft im Mittelalter
In Europa beruhte im Mittelalter die Königsherrschaft auf dem Treueverhältnis
zwischen Vasallen und ihrem König.
Starb der König, trat nicht automatisch der älteste Sohn die
Nachfolge an, wie das z. B. beim römischen Kaiser war, sondern die
Herzöge und Vasallen wählten den
König.
Vasallen hatten ab dem 8. Jahrhundert einen sozialen Aufstieg erfahren. Waren sie im Merowingerreich noch Unfreie, so wurden sie jetzt von ihren Herren mit
Meist erhielten sie Grundbesitz als Benefizium auf Lebenszeit oder hohe Ämter. Eine besondere Stellung nahmen die Königsvasallen ein. Im Hochmittelalter wurde der Vasall zum Lehnsmann. Es bildete sich durch Erblichkeit der Lehen und Ritterfähigkeit aus dem Stand der Berufskrieger eine Lebensform heraus, das Rittertum. Der Adel zerfiel in Herren und Ritter.
BONIZO VON SUTRI stellte
einen Kodex des
christlichen Ritters auf (um 1090).
In ihm war der Ritter
verpflichtet.
Kardinaltugenden des
Ritters waren
In der Dichtung fanden diese
Tugenden ihre Widerspiegelung. Grundlage der Dichtung war der Frauendienst.
In der Epik wird der Dienst des Mannes als ritterliche Tugend dargestellt,
in der Lyrik als Huldigung des Ritters an seiner Dame (Minne).
Die Blüte des Minnesangs wird in Deutschland durch
Die Hauptvertreter der höfischen Epik sind
Papst und Kaiser
In Deutschland huldigten die Herzöge und Bischöfe von Mainz
und Köln dem König, so ist es von OTTO
I. (912-973) überliefert, zeigten ihre Verbundenheit in
einer feierlichen Krönungsmesse. Um das Verhältnis zu den Bischöfen
wohlwollend zu gestalten, setzten die ottonischen Könige ihnen gewogene
Bischöfe ein.
OTTO I. verlieh z. B. seinem Bruder BRUNO die Bischofswürde. Diese
Verleihung nennt man Investitur.
Heute ist dies ausschließliches Recht des Papstes. Dieser Weg war
von harten Machtkämfen begleitet.
Die Salier
In der Zeit der Salier erreichte
der Investiturstreit
seinen Höhepunkt. Zur Zuspitzung der Auseinandersetzung zwischen
Kaiser und Papst kam es, weil der Papst die Investitur als innerkirchliche
Angelegenheit ansah. Der deutsche König HEINRICH IV. bestand
jedoch darauf, über die Einsetzung von Bischöfen selbst zu entscheiden.
HEINRICH IV. ließ 1076 durch eine Synode deutscher Bischöfe
den Papst GREGOR VII. für abgesetzt erklären. Dieser verhängte
daraufhin den Kirchenbann und entband damit auch dessen Untertanen (Vasallen)
vom Treueid. HEINRICH IV. konnte nur durch den Gang
nach Canossa (1077) im Büßergewand die Lösung des
Bannes erzwingen. Im Jahre 1078 erließ Papst GREGOR VII. ein umfassendes
Investiturverbot. Weltliche Fürsten
durften danach keine Bischöfe und Prälaten einsetzen.
HEINRICH IV. lässt 1080 auf einer Synode einen Gegenpapst wählen. 1084 erobert HEINRICH IV. Rom und setzt den Papst Gregor VII. ab. Vom Gegenpapst CLEMENS III. wird er zum Kaiser gekrönt.
Erst im Jahre 1122 konnte der Investiturstreit
vorerst im Wormser Konkordat
beigelegt werden.
Dieser Vertrag besagte, dass die deutschen Könige bei der Auswahl
der Bischöfe zwar mitwirken konnten, aber die formale Wahl war der
Kirche übertragen. Endgültig war der Streit und der Kampf zwischen
weltlicher und geistlicher Macht damit noch nicht entschieden.
Die Staufer
Unter FRIEDRICH I.(1152-1190)
erlebte das Kaiserreich einen neuen Höhepunkt der Macht. Der Papst
dagegen glaubte seine Macht gefährdet, wenn FRIEDRICH I. (Barbarossa)
in Oberitalien zu mächtig wird. Sechsmal zog FRIEDRICH gegen Oberitalien,
musste dann aber mit dem Papst Frieden schließen. Der Sohn Barbarossas
- HEINRICH VI. (1190-1197) - erhielt durch Heirat zu seinem
Reich - Deutschland, Oberitalien und Burgund - Sizilien. Mit
32 Jahren starb er bereits.
Sein Sohn, FRIEDRICH II. (1214-1250)
baute Sizilien zu einem bestens verwalteten Staat aus. Dieser Kaiser war
ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft. So wandelte
er seinen Hof von Palermo in eine Akademie um, er gründete die Universität
von Neapel und stattete die medizinische Hochschule in Palermo, die übrigens
bereits weibliche Studenten zuließ, reich aus.
Die Verwaltungsaufgaben übernahmen Beamte, meistens deutsche Ministerialien. Anstelle von Lehen oder Anteilen am Ertrag erhielten sie feste Gehälter. FRIEDRICH II. hatte ein stehendes Heer, das die mittelalterliche Lehnstruppe ersetzte. Seit der Kaiser über Sizilien so erfolgreich herrschte, fühlte sich der Papst in seinem Kirchenstaat bedrohlich umklammert. Als nach dem Tod HEINRICH VI. in Deutschland ein fast 20-jähriger Thronstreit ausbrach, bot sich für den Papst INNOZENZ III. die Gelegenheit, seine Macht zu stärken, indem er den Kirchenstaat fast verdoppelte. Nachdem dann FRIEDRICH II. die Kaiserkrone zugefallen war, setzte der Papst wieder die Waffe des Kirchenbanns ein. Am Ende erlag der Kaiser der geistlichen Übermacht der Kirche.
Nach dem Tod FRIEDRICH II. zerfiel das Stauferreich und man könnte glauben, der Papst habe endgültig gesiegt. Die Kirche ereichte auch einen enormen Machtzuwachs bis sie moralisch und politisch ihre Stellung so missbrauchte, dass Gegenbewegungen erstarkten, die in Deutschland zur Reformation des Kirchenwesens führten.
Im 14. Jahrhundert kam es zu weiteren einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen. Innerkirchliche Machtkämpfe führten zur Spaltung der Kirche, in Avignon wurde ein Gegenpapst eingesetzt. Das schwächte den Klerus. Es kam zu einem Zerfall des Rittertums und des Lehnswesens. Raubrittertum breitete sich aus, der mit den Idealen des Hochmittelalters nichts gemein hatte. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft und den vielen Städtegründungen konnte sich der bürgerliche Stand etablieren. Man gründete Schulen und Universitätenbildete eine eigene bürgerliche Elite aus, wurde zu Förderern der Kultur. Bessere Bildung führte zu einem Machtkampf zwischen den Patriziern und den Zünften und Gilden (spätes Mittelalter), in dessen Ergebnis Handwerksmeister in den Räten mit über die Geschicke der Städte entschieden, sich eine eigene Kultur schufen (Meistergesang).