












Naturwissenschaft und Natur
Naturwissenschaftler hatten die Natur beobachtet und sie als "vernünftig"
angesehen. Dieses Vernunftsprinzip
sollte nun auch auf die gesellschaftliche Ebene des absolutistischen Staates
angewendet werden: Kategorien wie
wurden hinsichtlich ihrer "Vernunft" betrachtet. Auch die Literatur partizipierte davon. Man besann sich der antiken Traditionen.
LICHTENBERG
Viele von ihnen vers
ammelte
der Autor in seinem sogenannten "Sudelbuch" (PDF 2) :
Anakreontik
Das literarische Rokoko kultivierte die antike Anakreontik.
FRIEDRICH VON HAGEDORN, JOHANN GEORG JACOBI (1740-1814), der Zweite
Hallesche Dichterkreis um
besangen in ihren Gedichten
Der heitere Mensch war gesellig und umgänglich. Dies sahen die Anakreontiker als Voraussetzung dafür, dass die Menschen ihre Arbeitspflichten mit Freude wahrnahmen.
UZ
UZ war neben GLEIM der angesehenste
und künstlerisch bedeutendste Vertreter der deutschen Anakreontik.
1746 übersetzte er zusammen mit GÖTZ "Die Oden Anakreons".
Nachdem er jedoch in die Literaturdiskussion um BODMER und GOTTSCHED geriet,
von WIELAND kritisiert worden war, wandte er sich den ernsthafteren geistlichen
und weltlichen Themen zu.
CLAUDIUS
Auch MATTHIAS CLAUDIUS, anfangs
der Anakreontik verpflichtet, war später mehr mit religiösen
und ethischen Themen befasst. CLAUDIUS Lyrik blieb stets volksliedhaft
einfach, ist vielfach volkstümlich geworden ("Der Mond ist aufgegangen").
Die Anakreontik als literarisches Phänomen ist einerseits als Weiterwirken
barocker Vorstellungen, andererseits aber als literarische Empfindsamkeit
innerhalb der Aufklärung zu verstehen.
BROCKES
HALLERgesteht der Dichter in seiner Vorrede dieser Idylle.„Dieses Gedicht ist dasjenige, das mir am schwersten geworden ist“
(vgl. PDF 4)
GESSNER
SALOMON GESSNERs "Idyllen" (1756) sind aus naturverbundener
Perspektive verfasst. GESSNER (Bild 1) bedichtet ein goldnes Weltalter als gewesenem
Ideal. In seiner Vorrede erläuterte er seine Poetik als Zweiteilung
von Gegenwart und Ideal:
"sie erhalten dardurch einen höhern Grad der Wahrscheinlichkeit, weil sie für unsre Zeiten nicht passen, wo der Landmann mit saurer Arbeit unterthänig seinem Fürsten und den Städten den Überfluß liefern muß, und Unterdrükung und Armuth ihn ungesittet und schlau und niederträchtig gemacht haben." (Vorrede An den Leser, siehe auch PDF 5 )
Der Bürger selbst geriet plötzlich zum Objekt der Betrachtung
im bürgerlichen Trauerspiel und im Bildungsroman. CHRISTOPH MARTIN
WIELANDs "Geschichte des Agathon" (1766) schildert die Entwicklung
eines jungen Menschen und gilt als Begründung des deutschen Bildungsromans.
WIELAND übersetzte auch XENOPHONs "Sokratische Gespräche aus
Xenofons denkwürdigen Nachrichten von Sokrates".
Die schöne Literatur (Belletristik) galt seit dem Meistersang als
erlernbar. Aufklärerische Literatur sollte darüber hinaus belehren
und unterhalten. Zugleich entwickelten Autoren der Aufklärung eigene
Poetiken, die das Besondere der Poesie herausarbeiten und ihre Einzigartigkeit
unterstreichen sollten. Aus der Idee, dass Poesie prinzipiell nicht erlernbar
sei, entwickelte sich der Geniegedanke des Sturm und Drang.
JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED
Der Leipziger Professor für Poesie JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED (1700-1766)
hatte sich mit den Ideen LEIBNIZ und seines Schülers CHRISTIAN
WOLFF vertraut gemacht. 1730 gab er seinen auf philosophisch-rationalistischen
Vorstellungen der Vorbilder LEIBNIZ und WOLFF fußenden "Versuch
einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen" in den Druck.
Die letzten bedeutenden Poetiken stammten aus dem Barock (OPITZ, HARSDÖRFFER)
und waren eher rhetorisch fundiert. In seiner Poetik legte GOTTSCHED Regeln
für die Produktion von lyrischen und epischen Werken und für
das Drama fest. Er fasste Dichtung traditionsgemäß als erlernbar
auf. Und in diesem Sinne, als Lehrbuch der Dichtkunst ist der "Versuch..."
abgefasst. Die Hauptaufgabe
von Literatur war für GOTTSCHED die sittlich-moralische
Erziehung des Bürgertums. Im Sinne seines Vorbildes ARISTOTELES
sah er die Aufgabe des Künstlers in der Nachahmung der Natur (Mimesis):
„Uberall aber gezeigt wird Daß das innere Wesen der Poesie in einer Nachahmung der Natur bestehe.“
(vgl. dort)
Einen großen Teil des Werkes nimmt die Gattungstheorie ein. Als äußerst bedeutsam erkennt Gottsched die Reform
des Theaters. Er wollte das deutsche Theater zur Formenreinheit der
Antike zurückführen. Dazu stützte er sich allerdings auf das französische Theater von RACINE (PDF 6) und CORNEILLE.
Das Theater des 18. Jahrhunderts fand vorwiegend als Volksbelustigung auf Jahrmärkten statt. Man kannte keine Textgrundlage, sondern spielte steigreifspielartig mit spontanen Texten. Die Schauspieler stellten Typen dar:
Seit dem frühen 16. Jahrhundert diente der Hanswurst (Harlekin) der Belustigung des Publikums. Ursprünglich stammte
er aus der Commedia dell'arte. 1737 hat GOTTSCHED ihn gemeinsam mit der
Theaterprinzipalin CAROLINE NEUBER in Leipzig von den deutschen Bühnen
verbannt. Stattdessen schuf er die in fünf Akte gegliederte sächsische
Typenkomödie. Sie ahmte eine lasterhaften Handlung nach, die
vom Publikum verlacht wurde (Verlachkomödie).
Die Ständeklausel wurde beibehalten: Eine zweigeteilte Handlung kontrastierte
den Herrn mit dem Diener.
Die Handlung des Dramas sollte nach dem Vorbild der Wirklichkeit, der Natur dargestellt werden.
GOTTSCHED bewertete die Tragödie als die höchste Gattung der Poesie und hielt die Bühne für das geeignete Medium zur moralischen Belehrung des Publikums. In seinem Drama "Der Sterbende Cato" (Uraufführung 1731, PDF 7) hat er seine theoretische Position in die Praxis umgesetzt. GOTTSCHED nutzte für seinen "Cato" Vorlagen von
Von 1648 Versen schrieb er lediglich 174 selbst. Das recht trockene Ideendrama
handelt von Cato, dem konservativen Gegner Caesars, den aufrechten und
unbestechlichen Senator, der die Selbsttötung nach Caesars Sieg bei
Utica 46 v.Chr. der Verhaftung und etwaigen Begnadigung vorzieht.
In seiner "Deutschen Schaubühne nach den Regeln und Exempeln
der Alten" veröffentlichte GOTTSCHED Übersetzungen aus
dem Französischen, eigene Stücke und die seiner Frau, der GOTTSCHEDIN,
sowie Werke von Freunden, ganz nach dem Prinzip "prodesse et delectare"
("nützen und erfreuen") aus der "Ars poetica"
des HORAZ. Einen wirklichen Erfolg auf dem Theater war aber erst LESSING
mit dem ersten bürgerlichen Trauerspiel "Miß Sara Sampson"
beschieden.
