



Schreibsprachen des 10. und 11. Jahrhunderts
Die "Volkssprachen" des 10. und 11. Jahrhunderts (die auch als Schreibsprachen vorlagen)
waren:
Ihnen gegenüber stand das klassische Latein als überregionale Verständigungssprache des Klerus sowie des Staates. Denn seit der Eroberung Galliens durch die Franken war das Reich ein Mehrvölkerstaat. Erst recht, nachdem KARL DER GROSSE die Sachsen besiegt hatte und mit Beginn der Ostexpansion slawische Völker, Deutsche verschiedener Stammes- und Dialektzugehörigkeit, Gallo-Franken und romanisch sprechende Menschen unter einer Krone vereint waren. Nach der Trennung des Fränkischen Reiches in das Westfrankenreich, das Ostfrankrenreich und Lotharingen konnten sich Deutsch und Französisch, sowie Italienisch als Nationalsprachen langsam entwickeln. Trotzdem wurde gerade in dieser Zeit das klassische Latein zur gängigen Schreibsprache.
Latein als allbeherrschende Schreibsprache
des 10. und 11. Jahrhunderts
Latein wurde im 10. und 11. Jahrhundert allbeherrschend mit der wachsenden
Macht des Klerus, als das Lateinische auch in der Literatur Vormachtstellung
errang.
Literarische Formen
Beispiele
für literarische Formen sind die Werke von HROTSVITH VON GANDERSHEIM
oder die Evangelienspiele.
HROTSVITH VON GANDERSHEIM (um 935-973) steht für die o.g. Entwicklung. Die mittelalterliche Mystikerin verfasste Legenden und Dramen in lateinischer Sprache. Dazu gehören die Sammlungen
in Hexametern, Distichen bzw. rhythmisch gereimter Prosa als Reaktion auf den römischen Autor TERENZ. HROTSVITH sah dessen Texte als gefährliche Lektüre an, entwarf statt der unzüchtigen Frau des TERENZ das Gegenbild der "heiligen christlichen Jungfrau". Ihre Lesedramen beschäftigen sich mit der Bekehrung von Frauen ("Pafnutius" PDF 1, "Abraham" u. a.) und Männern ("Gallicanus", "Callimachus" u. a.).
Andere literarische Formen, die sich zu jener Zeit herausbildeten, waren
u. a. die Evangelienspiele,
deren Ausgangspunkt die christliche Liturgie (Gottesdienst) war. Es handelte
sich um lateinische Singstücke.
Diese frühen Evangelienspiele waren zunächst meist sehr kurz
und hatten die Aufgabe, das kirchliche Fest auszuschmücken. Die Darsteller
waren Geistliche. Sie sprachen die Dialoge (zwei, drei Sätze), dann
wurde der Gottesdienst fortgesetzt. Erst allmählich erhielt das Spiel
mehr Raum in der Kirche. Auch die Darsteller waren jetzt nicht mehr nur
Geistliche, sondern auch Laien. Im 14./15. Jahrhundert wurde das Latein
durch die Volkssprache ersetzt und das Spiel wurde dem Erfahrungsbereich
des Bürgers angepasst, denn nun wurden auch schwankhafte und possenartige
Einsprengsel in die religiösen Spiele möglich. Im späten
Mittelalter übernahmen die Vereine der Zünfte und Gilden die
Ausrichtung der Evangelienspiele.
Die Thematiken der Spiele richteten
sich nach dem religiösen Anlass:
Die wichtigsten literarischen Werke
des 10. Jahrhunderts
Die
wichtigsten literarischen Werke des 10. Jahrhunderts schuf der St.
Galler Mönch NOTKER LABEO (950-1022). Er war Lehrer der Klosterschule
von St. Gallen und verfasste deutsche Bearbeitungen wichtiger lateinischer
Schulschriften, um seine Schüler an diese heranführen
zu können. NOTKER war, indem er lateinische Begriffe ins Althochdeutsche
übersetzte, auch sprachschöpferisch tätig.
Die wichtigsten literarischen Werke
des 11. Jahrhunderts
Es sind nur wenige Texte
für das 11. Jahrhundert überliefert. Vor allem wurde in
Latein geschrieben. Um 1000 ist „De
Heinrico“ verbürgt. Dieses Preislied ist in vierhebigen, abwechselnd lateinischen und deutschen Strophen abgefasst
und schildert eine Begegnung HEINRICHs DES ZÄNKERs von Bayern (bzw.
HEINRICH, dem Bruder OTTOs I.) mit seinem Neffen, OTTO III.
Die erste episch-satirische Tierdichtung in Deutschland, „Ecbasis
Captivi“ (1043-1046, dt. "Die Flucht des Gefangenen"),
enthält u. a. Motive aus AESOPs Fabeln und schildert, wie ein Kalb entläuft, in die Gefangenschaft des Wolfes
gerät, von den anderen Tieren des Waldes gerettet wird und so zur
Mutter heimkehren kann. Allegorisch meint die Fabel die Bekehrung zur
Einsicht in die Gefahren der Welt. "Ecbasis Captivi" wurde in
leoninischen Hexametern gedichtet von einem Mönch des Reformklosters
in Toul.
Mitte des 11. Jh. entstand der erste, frei erfundene lehrhafte Abenteuer- und Ritterroman „Ruodlieb“ (Bild 1), Vorläufer des höfischen Romans. Verfasser ist vermutlich ein Tegernseeer Geistlicher. Das Werk ist nur fragmentarisch überliefert. Es wurde durch Motive und Strukturen des Märchens und des spätantiken Romans beeinflusst. Ritter Ruodlieb wird zum Wahrer von Frieden und Gerechtigkeit, ganz im Sinne des späteren Rittertums und Minnegesangs. So gibt das Fragment ein anschauliches Bild jener Zeit wieder. "Ruodlieb" gilt jedoch als ein poetisches Fragment, da es sich kaum in die literarischen Traditionen der Entstehungszeit einordnen lässt.
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