

Begriff und Entstehung
Legenden (lat.: legenda = das
zu Lesende) sind ursprünglich Geschichten aus dem Leben
von Märtyrern (Christen, die für ihren Glauben Leid auf
sich nahmen) und Heiligen. Sie wurden
in den Klöstern in gemeinsamen Lesungen vorgetragen. Neben diesen
schriftlich niedergelegten Heiligenbiografien bezeichnete man seit dem
15. Jahrhundert auch außerhalb der Kirche überlieferte, historisch
nicht belegte Berichte von wunderbaren Begebenheiten als Legenden. Insofern,
als das in Legenden geschilderte Geschehen das
rational Fassbare übersteigt, weisen sie Ähnlichkeiten
mit Märchen, Sagen und Mythen auf und lassen sich von diesen volkstümlichen
Überlieferungen nicht immer klar abgrenzen. Legenden stellen herausragende
Personen oder denkwürdige Geschehnisse vor und verfolgen damit oft
eine moralisch-didaktische beispielgebende Absicht.
Christentum
Im Christentum waren Legenden
eine beliebte literarische Form und durch ihre einfache Struktur und Sprache
bestens geeignet, auf exemplarische Weise das gottgefällige Leben
der Heiligen massenwirksam darzubieten.
Die allgegenwärtige kultische Verehrung der Heiligen bewirkte die
große Verbreitung von Legenden in allen Volksschichten, zumal sie
im Mittelalter auch Hauptgegenstand bildlicher Darstellungen waren.
Eine frühe Legendensammlung sind
Die ersten deutschsprachigen Legendenbearbeitungen waren
Mittelalter
Legenden lösten sich im Laufe des Mittelalters
aus dem rein liturgischen Gebrauch und der Darbietung in mittellateinischer
Sprache und verbanden sich mit Stoffen der feudalhöfischen Epik und
der Volkssprache:
Eine besonders verbreitete Form waren die Marienlegenden:
Reformation
Die auf das Rationale ausgerichtete Reformation nutzte die Legenden wegen der berichteten Wundertaten nicht zur Propagierung
ihrer Ideen. MARTIN LUTHER nannte sie "Lügenden" und lehnte
sie als Volksverdummung ab. Die Gegenreformation belebte das Genre jedoch wieder und es diente zunehmend zur religiösen
Erbauung der unteren Volksschichten und die Stoffe der Heiligenlegenden fanden Eingang in das Jesuitendrama. Seit HROSWITHA VON GANDERSHEIM (um
935-1000) sind Legendenspiele bezeugt. Anfänglich waren Legenden in Versform abgefasst, später
setzte sich die Prosalegende durch. Mit dem aufkommenden Buchdruck fanden
umfangreiche Prosalegendare wie "Der Heiligen Leben" (um 1400)
weite Verbreitung und gehörten gewissermaßen zur unverzichtbaren
Gebrauchsliteratur in Klöstern und Pfarreien.
Legendenstoffe wurden auch in anderen Literaturgattungen immer wieder
bearbeitet:
Aufklärung
Die Aufklärer, allen
voran GOTTHOLD EPHRAIM LESSING und CHRISTOPH MARTIN WIELAND, lehnten die
Wundergeschichten der Legenden als Aberglauben ab. Doch schon die Romantiker mit ihrem Interesse am katholischen Mittelalter und volkstümlichen
Formen nutzten Legenden als Stoffquelle:
FRIEDRICH VON SCHILLER bediente sich eines legendären Stoffes in seinem Drama "Die Jungfrau von Orleans" (1802), JOHANN WOLFGANG VON GOETHE in Balladen wie "Der Gott und die Bajadere" (1797) und "Die Legende vom Hufeisen" (1798). JOHANN KARL AUGUST MUSÄUS nahm in seine Sammlung von Volksmärchen (1782-1786) "Die Legenden vom Rübezahl" auf.
Gegenwart
Die Legende ist bis in die Gegenwart ein häufig genutztes Genre mit relativ offenen Gestaltungsmöglichkeiten,
insofern, als ihr Ton und die Struktur nachgeahmt werden sowie auf das
Stoffreservoir zurückgegriffen wird.
