



Lebensgeschichte und literarisches
Schaffen
(JOHANN) LUDWIG TIECK wurde am 31. Mai 1773 als Sohn des Seilermeisters JOHANN LUDWIG TIECK
und dessen Frau ANNA SOPHIE, geb. BERUKIN, in Berlin geboren.
Schon 1776/77 begann er zu lesen und kam bereits in früher Jugend
mit der Welt des Theaters in Berührung. Sein erster Theaterbesuch lässt sich auf das Jahr 1779 datieren. CLEMENS BRENTANO bezeichnete
ihn
"als den größten Schauspieler, der je die Bühne nicht betrat".
1782 besuchte TIECK das humanistische "Friedrich-Gymnasium auf dem
Werder". 1788 las er WILLIAM SHAKESPEAREs "Hamlet" und
schuf die ersten Dramen sowie eine Bearbeitung der "Räuber" von FRIEDRICH VON SCHILLER. Vor einer Aufführung der Oper "Die
Entführung aus dem Serail" traf er mit dem Komponisten dieser
Oper, mit WOLFGANG AMADEUS MOZART, zusammen.
1790 arbeitete TIECK außer an seinen eigenen Werken auch an Trivialromanen seiner Lehrer BERNHARDI und FRIEDRICH EBERHARD RAMBACH mit. In diesem
Jahr geriet er durch den Tod eines Schulfreundes in eine schwere Krise.
Trotzdem entstanden weitere Werke, so das Schauspiel "Alla-Moddin",
die Erzählung "Almansur" und das Fragment des Dramas "Anna Boleyn".
1792 legte TIECK sein Abitur ab und begann in Halle ein Theologiestudium, das er aber nie beendete. Andere Studienorte waren Göttingen und Erlangen. In Göttingen besuchte er intensiv die Bibliotheken und beschäftigte sich weiter mit SHAKESPEARE und seinen Werken. Aus diesem Literaturstudium entstanden weitere Werke, so die Prosa-Übersetzung von SHAKESPEAREs "Sturm" und der Aufsatz "Über Shakespeares Behandlung des Wunderbaren" (1793). Außerdem machte er sich erste Notizen zu einem Buch über SHAKESPEARE und das elisabethanische Theater.
1794 brach TIECK sein Studium ab und reiste über Braunschweig und
Hamburg nach Berlin zurück. Hier fasste er den Entschluss, als freier
Schriftsteller zu arbeiten. 1796 verlobte er sich mit AMALIE ALBERTI.
1797 lernte er FRIEDRICH SCHLEGEL in
einem Salon der DOROTHEA VEIT kennen.
Zur damaligen Zeit waren die sogenannten Salons beliebter Treffpunkt
der literarischen Szene Berlins.
1798 führt TIECK einen Prozess gegen FRIEDRICH
NICOLAI, den spätaufklärerischen Literaturpapst, wegen
einer verfälschten Ausgabe von TIECKs "Sämtliche Schriften".
TIECK gewann den Prozess. Im selben Jahr heiratete er AMALIE
ALBERTI. Nur ein Jahr später wurde eine Tochter geboren.
Im Sommer 1799 besuchte TIECK das erste Mal Jena und traf dort mit JOHANN
WOLFGANG VON GOETHE, FRIEDRICH VON SCHILLER und FRIEDRICH VON HARDENBERG
zusammen. Nach der Übersiedlung mit seiner Familie nach Jena pflegte
er eine enge Verbindung mit JOHANN GOTTLIEB FICHTE und CAROLINE SCHLEGEL.
Er traf das erste Mal mit JEAN PAUL zusammen und machte die Bekanntschaft
von CLEMENS BRENTANO. Im Jenaer Schloss las er unter Anwesenheit GOETHEs
seine "Genoveva" (1799) vor.
Ungefähr zu jener Zeit gab es bei ihm erste Anzeichen der Gicht.
1801 starben binnen einer Woche seine beiden Eltern und die Familie zog nach Dresden um. Sein Plan, Dramaturg am Dresdner Staatstheater zu werden, missglückte und stürzte ihn eine tiefe Krise mit schweren Depressionen. In dieser Krisensituation nahm er das Angebot seines Freundes WILHELM VON BURGSDORFF an und siedelte im Herbst 1802 in die ländliche Idylle der Mark Brandenburg nach Ziebingen über. Dort lernte er die GRÄFIN HENRIETTE VON FINCKENSTEIN kennen und lieben. Sie lebte fortan neben seiner Frau in der Familie. Bis 1819 lebte er in Ziebingen, unterbrochen wurde sein Aufenthalt nur von seinen vielen Reisen, so nach München (1804, 1808-1810), Wien (1808), Prag (1813), London und Paris (1817). Seine Depressionen waren in dieser Zeit in den Jahren 1803 bis 1818 zeitweise allerdings so stark, dass sein Schaffensdrang fast vollständig gelähmt wurde.
Es begannen unruhige Jahre, in denen TIECK bedeutende Persönlichkeiten
aus Dichtung, Kunst und Literatur traf, so unter anderen ACHIM VON ARNIM,
HEINRICH VON KEIST und FRIEDRICH HEINRICH JACOBI. Ein weiterer Anfall
von Gicht 1809 fesselt ihn an das Bett.
Er wurde durch BETTINA BRENTANO gepflegt, flirtete mit FRANZISKA VON WIEBEKING
und hegte erste Scheidungsgedanken.
Im Juni 1813 hielt er sich für mehrere Monate in Prag auf und traf
in den Zeiten des Waffenstillstandes auf LUDWIG VAN BEETHOVEN, WILHELM
VON HUMBOLDT und den REICHSFREIHERRN VOM UND ZUM STEIN. Nach seiner Abreise
arbeitete er den "William Lovell" (1795/96) um und der zweite Band des "Phantasus" erschien. 1815 übertrug er mehrere Dramen aus der Shakespeare-Zeit
und arbeitete am unvollendet gebliebenen Shakespeare-Buch.
1816 wurde TIECK zum Ehrendoktor der
Universität Breslau berufen und beendete den dritten Band des "Phantasus".
Nach einer längeren Englandreise bemühte er sich um eine Professorenstelle
in Berlin. Dies scheiterte jedoch und so ließ er sich zusammen mit
der Familie und HENRIETTE VON FINCKENSTEIN wieder in Dresden nieder.
1820 ging TIECK eine Verlagsbindung mit Brockhaus ein und begann mit der Niederschrift der Novelle "Der
Aufruhr in den Cevennen". Mit dem Aufenthalt in Teplitz ab
Sommer 1821 begann TIECKs Novellenzeit,
so entstanden in diesem Jahr "Die Gemälde" und der "Der Geheimnisvolle".
Außerdem arbeitete er bei der "Dresdner Abend-Zeitung",
für die er Theaterkritiken schrieb.
1825 wurde TIECK zum Hofrat und zum Dramaturgen am Hoftheater in Dresden
ernannt. 1826 musste er sich wiederholt zu einem Kuraufenthalt nach Teplitz
begeben. Dort angekommen, lehnte er das Angebot einer Professur an der
Münchener Universität ab. Vielmehr schrieb er die Novelle "Glück
gibt Verstand" und machte die Bekanntschaft mit WILHELM HAUFF.
1827 arbeitete er bei der "Dresdner Morgenzeitung". Zum 80.
Geburtstag GOETHEs wurde, von TIECK arrangiert, der "Faust. Erster
Teil" mit einer Huldigung TIECKs aufgeführt.
Während der Reise zur endgültigen Übersiedlung TIECKs
nach Berlin erlitt er einen schweren Schlaganfall,
von dem er sich nur langsam erholte. Vom KÖNIG VON PREUSSEN erhielt
er eine Pension von 1000 Talern, einen Sekretär und einen Diener.
In den Jahren bis 1848 inszenierte er viele Stücke für die Berliner
Bühnen. 1845 erlitt er einen weiteren Schlaganfall.1849 kam es zur
Versteigerung der 16000 Bände umfassenden Bibliothek TIECKs, von
der aber ein beträchtlicher Teil vom König für ihn zurückgekauft
wurde.
1851 starb sein Bruder FRIEDRICH. Nur zwei Jahre später, am 28. April
1853, starb LUDWIG TIECK und wurde drei Tage darauf auf dem Friedhof der
Dreifaltigkeits-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg beigesetzt.
Werke
Zu den Werken von LUDWIG TIECK gehören
u. a.:
Die Sommernacht (1789, Nachbildung eines Shakespeare-Stücks)
Alla-Moddin (1790, Schauspiel)
Almansur (1790, Erzählung)
Anna Boleyn (1790, Dramenfragment)
Über Shakespeares Behandlung des Wunderbaren (1793, Aufsatz)
Die Geschichte des Herrn William Lovell (1795/96, Briefroman)
Denkwürdige Geschichtschronik der Schildbürger (1796, Märchen)
Der gestiefelte Kater (1797, Märchen)
Die verkehrte Welt (1797, Komödie)
Ritter Blaubart (1797, Märchen)
Der blonde Eckbert (1797, Märchen)
Volksmärchen (1797)
Prinz Zerbino (1798, Komödie)
Das Ungeheuer, und Der verzauberte Wald (1798, Kindermusical)
Franz Sternbalds Wanderungen (1798, Roman)
Leben und Tod der heiligen Genoveva (1799, Drama)
Leben und Tod des kleinen Rotkäppchens (1800, Drama)
Der neue Herkules am Scheidewege (1800, Parodie)
Der Runenberg (1804, Märchen)
Kaiser Octavianus (1804, Drama)
Reisegedichte eines Kranken (1805)
Phantasus (1. Band 1812, 2. Band 1814, 3. Band 1816, Novellensammlung)
Der Aufruhr der Cevennen (1820, Novelle)
Die Gemälde (1821, Novelle)
Der Geheimnisvolle (1821, Novelle)
Gedichte (1821)
Herzog Theodor von Gothland (1822, Tragödie)
Musikalische Leiden und Freuden (1822, Novelle)
Die Gesellschaft auf dem Lande (1824, Novelle)
Dichterleben I. (1824, Novelle)
Pietro von Albano (1824, Novelle)
Über Shakespeares Sonette (1825, Aufsatz)
Glück gibt Verstand (1826, Novelle)
