











LUDWIG UHLAND (1787–1862) war der bekannteste Vertreter der schwäbischen Dichterschule, zu der außerdem GUSTAV SCHWAB, JUSTINUS KERNER, KARL MAYER, GUSTAV PFIZER, EDUARD MÖRIKE, WILHELM HAUFF u. a. gehörten.
UHLANDs Gedichte und Balladen waren lange Zeit Bestandteil des Kanons der Schullektüre. Heute verbindet man nur wenige seiner Werke mit seinem Namen, so sein zum Volkslied gewordenes „Einkehr“ („Bei einem Wirte wundermild ...“, PDF 1). Auch andere Gedichte und Balladen wurden durch die Zeiten hindurch bewahrt, wie Frühlingsglaube („Die linden Lüfte sind erwacht...“). Viele davon sind vertont worden, so von
FRIEDRICH SILCHERs Melodie zu „Der gute Kamerad“ („Ich hatt' einen Kameraden...“; 1809, PDF 1) wurde und wird bei militärischen Trauerappellen gespielt. Das Gedicht entstand während der napoleonischen Fremdherrschaft. Der UHLANDsche Patriotismus
In der Nationalversammlung sprach er sich für „die Wahl des Reichsoberhauptes“„durch Wahl, nicht durch Erbgang“ aus, favorisierte eine „großdeutsche Lösung“ unter Einschluss Österreichs („Eine wahre Einigung muß alle deutschen Ländergebiete zusammenfassen“). 1849 trat er für die von der Erschießung bedrohten badischen Revolutionäre ein (u. a. in „Das Standrecht in Baden“, 1849). Er stellte die dringende Frage: „Ist es denn auch jemals erhört worden, daß eine Regierung den Stab des Blutgerichts über ihre eigenen Angehörigen freiwillig in die Hände einer fremden Militärgewalt übergeben hat?“ (Brief an KARL JOSEPH ANTON MITTERMAIER, 1849). Aus Protest gegen die preußische Politik gab er den preußischen Orden „Pour le mérite“ zurück, der ihm von ALEXANDER VON HUMBOLDT angetragen worden war. Ein Gleiches geschah mit dem bayrischen Maximiliansorden. |
Lyrik/Dichtungstheorie
Bereits als Student ließ er erste seiner volksliedhaften Gedichte veröffentlichen. Im „Poetischen Almanach für 1812“ erschien u.a. „Der gute Kamerad“ (PDF 1).
Wie groß seine Popularität war, zeigt dies: Seine 1815 veröffentlichten „Gedichte“ erreichten bis zu seinem Lebensende 60 Auflagen.
Als Reaktion auf die Befreiungskriege entstanden die „Vaterländischen Gedichte“ (1816), in denen er sein Ideal formulierte:
„Die Schlacht der Völker ward geschlagen,
Der Fremde wich von deutscher Flur,
Doch die befreiten Lande tragen
Noch manches vor'gen Dranges Spur;
Und wie man aus versunknen Städten
Erhabne Götterbilder gräbt,
So ist manch heilig Recht zu retten,
Das unter wüsten Trümmern lebt.
Zu retten gilt's und aufzubauen,
Doch das Gedeihen bleibet fern,
Wo Liebe fehlet und Vertrauen
Und Eintracht zwischen Volk und Herrn.
Der Deutsche ehrt' in allen Zeiten
Der Fürsten heiligen Beruf,
Doch liebt er frei einherzuschreiten
Und aufrecht, wie ihn Gott erschuf...“
(Auszug, vollständig vgl. PDF 2)
UHLAND über die Poesie
UHLANDs Beschäftigung mit der Dichtungstheorie geschah sowohl in Form von Essays als auch in Form von Lyrik:
Fragmente über Poesie
„So fest, so innig schlingt sich die Poesie um uns, wir fühlen ihr klopfendes Herz an unsrem Busen, heiß atmet sie uns an; und doch: was ist sie? Die meisten fühlen sie, ohne sie zu schauen, wie Psyche den nächtlichen Amor. O daß erschiene die Zeit, da zwischen den zwei sonnigen Bergen der alten und neuen teutschen Poesie, zwischen denen das Zeitalter der Unpoesie als eine tiefe Kluft hinabdämmert, eine befreundete Brücke geschlagen und darauf ein frohes Hin- und Herwandeln lebendig würde“.. (1807)
UHLANDs Essay „Über das Romantische“ (1807, PDF 3) umkreist den Begriff unter den Stichpunkten:
Sein Artikel „Das Wesen der Poesie“ (1807, PDF 4) stellt drei Schwerpunkte in den Mittelpunkt:
In „Über objektive und subjektive Dichtung“ (1806, PDF 5) weist UHLAND dem Dichter seinen Platz zu:
Ein Dichter, der in Harmonie lebt, wird wenig tiefsinnig dichten können. Dagegen lebt er die Poesie. Erst in der Trübnis, in der Trauer, in der Schwermut ist er in der Lage, aus „Erinnerung, Hoffnung, Sehnsucht“ heraus „subjektive Poesie“ zu erschaffen.
Über die Aufgabe einer Gesellschaft für deutsche Sprache
In „Über die Aufgabe einer Gesellschaft für deutsche Sprache“ (1817, PDF 6) denkt er über die Aufgaben der zu gründenden „Berlinische Gesellschaft für deutsche Sprache“ nach. Wissenschaft müsse ein dreifaches Ergebnis haben:
