





Der große
Reformator MARTIN LUTHER (Bild
1) hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung einer einheitlichen, dialektfreien
deutschen Hochsprache. Er nutzte das Mittelhochdeutsche für seine verschiedenen
Schriften und für seine berühmte Bibelübersetzung und ebnete
damit den Weg dafür, dass sich in Deutschland verstärkt eine Einheitssprache
durchsetzte, die schließlich zur Grundlage für unsere heutige
Schriftsprache wurde.
LUTHER verstand sich selbst weniger als Reformator der Kirche oder des Staates
als vielmehr als Lehrer der Heiligen Schrift. Seine berühmte Bibelauslegung
ist durchdrungen von seinem Ringen um die Wahrheit der Offenbarung Gottes
in Christus. Zu lutherischen Kirchen gehören heute weltweit etwa 70
Millionen Gläubige.
Lebensgeschichte
Seine Lebensgeschichte kennzeichnet MARTIN LUTHER als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten
deutscher Kirchengeschichte. Er wurde am 10.11.1483 in Eisleben als Sohn
des Bergmanns und späteren Ratsherrn HANS LUTHER geboren. Seine Schulbildung
erhielt er an der Mansfelder Lateinschule, in Magdeburg und in Eisenach.
1501 begann er ein Philosophiestudium in Erfurt, das er mit dem Magister abschloss, um anschließend ein Jurastudium aufzunehmen. Das Jurastudium
brach er 1505 ab, um (infolge eines abgelegten Gelübdes) in das Erfurter
Augustinerkloster einzutreten - ein Schritt, der sein weiteres Leben
entscheidend prägte und Anstoß für seine Entwicklung zum
Kirchenreformator war. LUTHER erhielt 1507 die Priesterweihe. In der Folgezeit verhielt er sich zunehmend kritisch gegenüber
den kirchlichen Missständen und begann eine grundsätzliche Auseinandersetzung
mit der mittelalterlichen Theologie.
1508 wurde LUTHER Professor für Moraltheologie in Wittenberg. Nach
einem zweijährigen Romaufenthalt (1510-1511) promovierte er
1512 in Wittenberg zum Doktor der Theologie.
Beginn der Reformation
1517 kam es zur bekannten öffentlichen Kritik LUTHERs am Ablassmissbrauch.
Dieser Akt markierte praktisch den Beginn der Reformation.
LUTHER wandte
sich mit dem sogenannten Thesenanschlag gegen die in marktschreierischer Weise erfolgte Verkündigung des
Ablasses (für vergangene Sünden) zugunsten des Neubaus der Peterskirche
in Rom. Seine Kritik formulierte er in 95 Thesen (PDF 1), die er am 31.10.1517
an der Schlosskirche zu Wittenberg anschlagen und dem Mainzer Erzbischof sowie dem Bischof von Brandenburg
zusammen mit einer Aufforderung zu einer schriftlichen Gegenäußerung
zusenden ließ. Die erhoffte Disputation (Streitgespräch) mit
den kirchlichen Gelehrten blieb aus. Stattdessen hatte der Anschlag der
ungeahnt schnell und weit verbreiteten lutherischen Thesen die Eröffnung
des Ketzerprozesses zur
Folge. Bereits 1518 erhoben der Erzbischof von Mainz und die Dominikaner
Klage in Rom. Der Kardinallegate TH. CAJETAN DE VIO führte das Verhör
mit LUTHER, der den Widerruf seiner Thesen ablehnte. Er wandte sich auch
gegen die Irrtumslosigkeit der allgemeinen Konzilien. Die Rechtfertigungsverkündigung
LUTHERs enthielt folgerichtig die Kritik am Papsttum. Am 15.06.1520 wurde
in der Kirchenbann-Androhungsbulle "Exsurge
Domine" (lat.: „Erhebe dich, Gott“) die Unterwerfung LUTHERs gefordert. Auf die päpstliche Bulle reagierte er mit ihrer feierlichen öffentlichen Verbrennung am 10.12.1520
und mit der Publikation seiner drei großen Programmschriften:
Diese Schriften lösten weitreichende Sympathiebekundungen im deutschen Volk aus, doch LUTHER wurde am 03.01.1521 von Papst LEO X. exkommuniziert und - nachdem er auf dem Reichstag zu Worms im April 1521 den Widerruf und die stumme Unterwerfung unter ein allgemeines Konzil abgelehnt hatte ("Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen", PDF 2 ) - von Kaiser KARL V. in die Reichsacht erklärt.
Da nunmehr sein Leben in Gefahr war, wurde von seinem Kurfürsten, FRIEDRICH DEM WEISEN VON SACHSEN, der ihn schützen wollte, ein Überfall vorgetäuscht und LUTHER heimlich auf die Wartburg gebracht. Hier lebte er für etwa ein Jahr als Junker Jörg. In dieser Zeit übersetzte er das Neue Testament in die deutsche Sprache und erlebte mit, wie sich vielerorts lutherische Gemeinden bildeten.
Am 13.06.1525 heiratete LUTHER die ehemalige Nonne KATHARINA VON BORA. Diese Hochzeit stellte einen für alle Welt sichtbaren Bruch mit seinem vorherigen Mönchsdasein dar, der in seiner Schrift gegen die Mönchsgelübde („Ve votis monasticis iudicium“, 1521) einen Höhepunkt gefunden hatte und später die Keimzelle des evangelischen Pfarrhauses bildete (viele Mönche und Nonnen verließen in der Folgezeit die Klöster).
LUTHER verfasste eine Vielzahl von Streitschriften und wurde zum Fürsprecher und Förderer der Bildung von evangelischen Landeskirchen. Dazu führte er Besuche in den ihm unterstellten Gemeinden durch und wirkte an der Neufassung der Kirchenordnungen mit. 1529 wurden sein "Kleiner Katechismus" (zur Belehrung für das Volk) und sein "Großer Katechismus" (für die Pfarrer), 1534 die erste Wittenberger Gesamtbibel in seiner deutschen Übersetzung herausgegeben.
LUTHER widmete sich in seinen letzten Lebensjahren dem Ausbau seiner Gemeinden. Er starb am 18.02.1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben und wurde auf Anordnung des Kurfürsten in der Schlosskirche zu Wittenberg bestattet.
Werke
Zu LUTHERs Hauptwerken gehören:
LUTHER verfasste außerdem eine Reihe von Kirchenliedern (PDF 3),
da er die Bedeutung des Liedes als Gemeindegesang, als Anteil des Volkes
am Gottesdienst erkannte (u. a. "Aus tiefer Not schrei ich zu dir",
1524). So legte er den Grundstein für die Entwicklung des neuen protestantischen
Kirchenliedes. Auch viele der Predigten LUTHERs sind überliefert.
LUTHERs deutsche Bibelübersetzung war nicht, wie oft angenommen, die erste ihrer Art. Erste Übertragungen
stammen bereits aus dem Mittelalter. Seine Übersetzung zeichnet sich
jedoch durch Lebendigkeit, Anschaulichkeit und Bilderreichtum aus -
Gründe genug, dass sie bei Gläubigen sehr großen Anklang
fand.
