
Was ist Meistergesang?
Als Meistergesang (auch
Meistersang) sieht man die Fortsetzung des mittelalterlichen Minnesangs
und der Spruchdichtung durch Zunfthandwerker in den größeren
Städten des ausgehenden Mittelalters an. Die Meisterlieder
hatten biblisch-belehrende Inhalte und wurden in den Kirchen gesungen.
Die Meistersinger
Die Meistersinger führten
die literarische Tradition der Spruchdichter und Minnesänger fort.
Der Schuhmacher HANS SACHS (Bild
1) war ihr bekanntester Vertreter.
Ein Meisterlied bestand aus 20 Versen, wobei Vers 1-6 den 1. Stollen,
Vers 7-12 den 2. Stollen und Vers 13-20 den Abgesang
bildeten. 1. Und 2. Stollen bildeten den Aufgesang:
HANS SACHS: „Edelfalk“ (1543, Hörbeispiel in AUDIO 1)
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In centonovella ich lase, Wie zu Florenz vor zeiten sase Ein jung edelmann, weit erkannt Friedrich Alberigo genant Der in herzlicher libe brennet Gen einem edlen weib, genennet |
1. Stollen | |
| 7 8 9 10 11 12 |
Giovanna, an gut ser reicht, An eren stet und gar lobleiche. Der edelman stach und turnirt, Zu lieb der frauen lang hofiert, Sie aber veracht all seine liebe, An irem herren reulich bliebe. |
2. Stollen | Aufgesang |
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13 |
Gar reichlich Fridrich ausgab Bis er verschwendet große hab, entlich verpfent er all sein gute, Zug auf ein sitz und in armute. Nichts dan ein falken het, Mit dem er teglich baißen tet, Und nert sich aus eim kleinen garten, Des er auch tet mit arbeit warten. |
Abgesang |
Das Handwerk hatte
sich im 14. und 15. Jahrhundert stark entwickelt, und die Meister besaßen
hohes Ansehen in den Städten. Dieses sollte auch kulturell zur Geltung
kommen. Von fahrenden Sängern
übernahmen die Handwerker die Regeln zur Verfertigung von Gedichten.
Meistersingerschulen
wurden im gesamten süddeutschen Raum gegründet. Da man des Lateinischen
nicht mächtig war, wurde in deutscher Sprache gedichtet. Aus dem
Minnesang übernahm man den Aufgesang in zwei Stollen mit gleicher
und einen Abgesang mit anderer Melodie.
Das Abfassen der Meisterlieder wurde wie ein Handwerk aufgefasst, deshalb
organisierte man sich in Meistersinger-Zünften.
Solche Zünfte entstanden zuerst in Mainz, dann in Straßburg,
Frankfurt, Würzburg, Augsburg, Zwickau, Prag und Nürnberg. Die
Meistersingerschulen bestanden z.T. bis ins 19. Jahrhundert.
Regeln für
den Meistergesang
Feste Regeln wurden in der Tabulatur
aufgezeichnet. Die praktische Umsetzung orientierte sich einerseits an
strenger, von Merkern (im Meistergesang
der im Gemerk sitzende Kunstrichter) überwachter, Einhaltung der
Regeln, andererseits wiederum daran, im Rahmen des Erlaubten größte
Kunstfertigkeit zu demonstrieren. Dabei orientierte man sich an einer
festen Hierarchie: HANS FOLZ
(um 1450-1513), in der Tradition HANS ROSENPLÜTs (um 1400-1470)
stehend, reformierte um 1500 den Meistergesang. Demnach waren nun auch
weltliche Themen gestattet.
Vorgetragen wurden die Meisterlieder im Singstuhle.