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Rezeptionsgeschichte des Faustmotivs
Lenau: Faust. Ein GedichtOHANN SPIES: "Historia und Geschicht Doctor Johannis Fausti des ZauberersTURGENJEWs FaustHEINEs TanzpoemKURD LASSWITZ' Prost - Der Faust-Tragödie (-n)ter TeilArtikel zu Faust aus Meyers KonversationslexikonBRUNO ERTLER:  Das Spiel von Doktor FaustPuppenspiel vom Doktor FaustGeorge Hesekiel: Faust und Don JuanFaustbuch des Christlich-Meynenden
Die Rezeptionsgeschichte des Faustmotivs beginnt schon vor der Veröffentlichung des Faustbuches:

  • 1507 warnte der Benediktiner JOHANNES TRITHEMIUS aus Würzburg in einem Brief auf Latein seinen Freund JOHANN VIRDUNG in Heidelberg vor FAUST.
  • 1556 wurden die „Erfurter“ Faust – Geschichten aufgezeichnet. FAUST soll in Staufen, im Breisgau, gestorben sein.
  • 1570 erschien die Niederschrift von Faust – Sagen von ROSSHIRT, einem Schulmeister in Nürnberg,
  • 1570 eine Sammlung von Faust – Sagen (zuerst in lateinischer, dann in deutscher Sprache).
  • 1572 veröffentlichte JOHANN SPIES die "Historia und Geschicht Doctor Johannis Fausti des Zauberers" (PDF 2
Nach der Veröffentlichung des Faustbuches gab es einen regelrechten Boom von Faust-Adaptionen:

Im 18. Jahrhundert wurde der „Faust“ geradezu inflationär bearbeitet:

Auch das 19. Jahrhundert hielt viele Faust-Bearbeitungen bereit:

Auch die Meisterin des unfreiwilligen Humors FRIEDERIKE KEMPNER (1836–1901) griff den Faust-Stoff auf:

O Faust, Du Bild des Menschen,
Bald groß und klar, bald düster wild,
Wer Dich gemalt, er war an Kunst ein Riese,
Gigantisch war der Stoff, und schön gelang das Bild.
Das 20. Jahrhundert setzte die Tradotion der Faust-Bearbeitung würdig fort:

THOMAS MANNs Doktor Faustus ist die wohl bedeutendste Bearbeitung des Faust-Motivs im 20. Jahrhundert.

In jüngerer Zeit gab es Adaptionen des Faust-Stoffes:

Musikadaptionen
Musikadaptionen stammen u. a. von

In der PDF 6 findet sich ein Artikel zu Johann Faust aus Meyers Konversationslexikon.

Stimmen zu Faust

Der österreichische Schriftsteller und Kulturphilosoph EGON FRIEDELL (1878–1938) schrieb 1927 über den Faust:

„Das Außerordentliche und (vielleicht sogar unbewußt) Geniale der Goetheschen Faustdichtung besteht darin, daß sie eine kompendiöse Darstellung der Kulturgeschichte der Neuzeit ist. Faust beginnt als Mystiker und endet als Realpolitiker. Faust ist die ganze Versuchung des modernen Menschen, die sich in tausend Masken und Verkleidungen anschleicht: als Alkoholismus, als Sexualität, als Weltschmerz, als Übermenschentum; und dabei ist er der vorbildlich Unbefriedigte, in allem Einzeldasein sich wiedererkennend, qualvoll nach der Einheit der Erscheinungen ringend, und immer vergeblich. Die Tragödie Fausts ist die Tragödie des Menschen der Neuzeit, die Tragödie des Rationalismus, des Skeptizismus, des Realismus. Ihm zur Seite steht der Teufel. Aber Mephisto ist gar nicht böse, sondern bloß frivol, zynisch, materialistisch und vor allem geistreich: die Erscheinung gewordene pure, kalte, sterile Intelligenz, ein höchst differenziertes Gehirnwesen und der konsequenteste Vertreter der genialen Ichsucht. Das Geistreiche und Nurgeistreiche ist der zerstörende Dämon im Menschen der Neuzeit. Mephisto hat den bösen Blick des Intellektualismus, des Sensualismus, des Nihilismus. Er zeigt dem ringenden Genius Fausts die ganze Welt und legt sie ihm zu Füßen; aber, betrogen, muß Faust erkennen, daß diese Welt ihm nur scheinbar gehört, nämlich nur seinem Verstand, der etwas schlechthin Unwirkliches ist.“
( In: Friedell, Egon: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der Europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg., München: C. H. Beckscher Verlag, o.J. [1927], S. 262.)
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