
Begriff, Kennzeichen, Historie
Beim Schwank (mhd.: swanc
= schwingende Bewegung, Streich, Hieb) handelt es sich um einen kürzeren
erzählenden Text, der meist eine Begebenheit
aus dem Leben unterer Volksschichten, der Bauern, Fahrenden und
Plebejer, zum Inhalt hat. Die Handlung und Darbietungsweise trug dem Unterhaltungsbedürfnis
dieser Bevölkerungsgruppen Rechnung. Sie hat oft komische Züge,
wobei diese Komik recht derb und drastisch sein kann. Nicht selten geht
es dabei um sexuelle Tabubrüche, Verstöße gegen die guten
Sitten und soziale Normverletzungen.
Schwankdichtungen entstanden insbesondere zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert
und wurden sowohl schriftlich als auch mündlich überliefert.
Meist ist ein Verfassername bekannt, nicht selten bleibt der Verfasser
auch anonym.
Der Schwank ist in Versen oder Prosa abgefasst und straff auf eine Pointe
oder überraschende Wendung hin erzählt. Häufig ist der
Schwank so angelegt, dass gegensätzliche
Figuren aufeinander treffen (Armer und Reicher, Herr und Knecht,
Einfältiger und Schlauer, Pfaffe und Laie) und der scheinbar Unterlegene
triumphiert, indem er Wortwitz und Situationskomik, aber auch List und
Gewalt für sich nutzt. Es gibt jedoch auch den Schwanktyp, in dem
der Überlegene nach der Provokation seine Position festigen kann.
Bestimmte Rollenmuster wiederholen
sich: der geizige Bauer, die untreue Ehefrau, der scheinheilige Pfaffe.
Es werden meist menschliche Schwächen, aber auch soziale Missstände
aufs Korn genommen, indem die missliebige Wahrheit hinter der wohlanständigen
Fassade der Frömmigkeit oder Tugend hervorgeholt wird.
Die Quelle des
deutschen Schwankes sind
Schwanksammlungen
Schwänke wurden meist in Schwanksammlungen
zusammengestellt.
Einen Höhepunkt in der Schwankliteratur bildet die berühmteste mittelalterliche Schwanksammlung um die Gestalt des Schelms Till Eulenspiegel (siehe PDF 1), für die es aller Wahrscheinlichkeit nach ein historisches Vorbild gab. Um 1478 wurde diese Schwanksammlung erstmals in niederdeutscher Sprache gedruckt. 1515 erfolgte der Druck in Hochdeutsch unter dem Titel "Ein kurzweilig Lesen von Dyl Ulenspiegel".
Till wählt entgegen dem Rat seiner Mutter ein Leben als fahrender Gesell und schlägt sich mit kleinen Gaunereien durch. Er wandert umher und vollbringt seine Schelmenstreiche auf Kosten der Reichen, Geizigen und Überheblichen. Mit Schalkhaftigkeit erleichtert er einen Bauern um sein Brot, einen Pfaffen um sein Pferd, eine Bäuerin um ihr Mus und übertölpelt sogar König und Papst. Seine Gewitztheit und Welterfahrenheit machen ihn seinen mächtigeren Widersachern überlegen. Die witzigen Situationen führt der Schalk Till Eulenspiegel oft dadurch herbei, dass er wörtlich nimmt, was die anderen im übertragenen Sinne meinen.
"Till Eulenspiegel" wurde in viele Sprachen übersetzt und im Laufe der Jahrhunderte vielfach nacherzählt und in anderen Kunstgattungen nachgestaltet.
Der Schwank nach dem 16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert verlor der Schwank allmählich seine Bedeutung
als eigenständiges Genre. Er half aber, die größeren Erzählformen
wie Erzählung und Roman vorzubereiten und schwankhaftes Erzählen
floss bald auch in andere literarische und gebrauchssprachliche Texte
ein. Schwankhafte Züge tragen bis in heutige
Zeit vor allem Theaterpossen, die
ihre unterhaltende Wirkung aus vordergründiger Situationskomik und
Wortwitz beziehen und seit dem 18. Jahrhundert in recht großer Zahl
entstanden. Die beliebten Comedyshows im Fernsehen bedienen sich dieses Prinzips wie auch die Sitcoms. Wesentliche Funktionen des Schwankes hat heute die epische Kleinform
des Witzes übernommen.