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Stilmittel der Lyrik
Emblem

Die Rhetorik
Die Rhetorik ist die Theorie und Technik der (öffentlichen) Redekunst. Im Gegensatz zur Dichtung verfolgt sie das Ziel der überzeugenden Darstellung eines Standpunktes und/oder der Überredung (persuasive Kommunikation, von lat. Persuasiv: der Überredung dienend). Die Rhetorik hatte vor allem in der griechischen und römischen Antike einen hohen Stellenwert.

waren die drei Formen der antiken Redekunst. Die Rhetorik verlagerte sich im Laufe der Zeit auf die Schriftlichkeit und wurde Bestandteil der Poetiken, sodass Begriffe und Techniken auch in die Beschreibung von Lyrik Einlass fanden. Für die Literatur sind die bereits in der Antike entwickelten rhetorischen Figuren und Tropen von besonderer Wichtigkeit. Es sind Stilfiguren zur Verdeutlichung, Veranschaulichung und Ausschmückung einer Aussage.

Rhetorische Figuren und Tropen
Rhetorische Figuren dienen der Aufwertung, Abwertung oder Beschwichtigung innerhalb eines mündlichen oder schriftlichen Textes. Man kann damit seine eigene Rolle oder die einer Gruppe im Gespräch aufwerten bzw. abwerten. Man kann zur Identifikation mit einer Meinung anderer aufrufen oder eigennützige Ziele als uneigennützig ausgeben, man kann die eigenen Fehler anderen zuschieben usw.
Man kann die rhetorischen Figuren auf unterschiedliche Weise klassifizieren:

Tropen (Singular: Trope oder Tropus) bezeichnen in Stilistik und Rhetorik die sprachlichen Ausdrucksmittel der bildlichen Rede. Dies sind Wörter und Wendungen, die nicht im eigentlichen, sondern in einem übertragenen Sinne verwendet werden. Zu ihnen gehören u. a.:

Allegorie
Die Allegorie dient der Verbildlichung von Abstraktem, der Darstellung des Allgemeinen im Besonderen; dies geschieht oft durch Personifikation, die Allegorie trägt meist eine Bedeutung, die entschlüsselt werden muss (Justitia, Kreuz, Schiff).

Beispiele


"...Ein Erlengebüsch,
das auf die
verlassene Straße zugeht,
vor einem Regen, macht drei Strophen vergessen,
redet nicht, bewegt sich
auf finstere Art."

(JOHANNES BOBROWSKI: Anthropomorphe Landschaft)

Anakoluth
Beim Anakoluth (griech.: an-akólouthon = nicht folgerichtig) wird eine begonnene Satzkonstruktion nicht richtig fortgesetzt, weil die Gedanken mitten im Satz eine andere Richtung nehmen. Man nennt dies auch Satzbruch. De facto stellt er einen grammatikalischen Fehler dar. Er soll den Hörer/Leser überraschen.

Beispiele


Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend, / Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust ...

"Dann Varenus, derjenige, der von den Leuten des Ancharius getötet worden ist - darauf, Richter, ich bitte: achtet sorgfältig!" (CICERO)

Anapher

Das bestimmende Merkmal der Anapher ist die Wiederholung eines Wortes oder mehrerer Wörter zu Beginn mindestens zweier Satz- oder Verseinheiten.

Beispiele


"Sollten Sie vor mir Geheimnisse haben? Sollten Sie nicht mehr wissen, daß es die erste Bedingnis unsrer Vertraulichkeit war, einander nichts zu verschweigen?"
(FRIEDRICH SCHILLER: Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache)

"Wer nie sein Brot mit Tränen aß, / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette weinend saß."
(JOHANN WOLFGANG GOETHE)

"Was ist die Welt / und ihr berühmtes gläntzen? / Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?"
(HOFMANN VON HOFMANNSWALDAU)

Antiklimax
Bei der Antiklimax sind einzelne Satzteile oder Wörter mit abnehmender Gewichtung aneinander gereiht. Es soll ein belustigender Effekt erzielt werden (fortschreitende Herabstufung).

Beispiele


"Urahne, Großmutter, Mutter, Kind...",
GOTTFRIED AUGUST BÜRGER

Zu den Ritterspielen fanden sich Könige, Fürsten, Edelleute und viel gemeines Volk ein.

Antithese
Bei der Antithese werden gegensätzliche Begriffe und Gedanken, die häufig verschiedene Aspekte eines Oberbegriffs oder Themas darstellen, in einem Satz oder einer Satzfolge gegenübergestellt. Eine Sonderform ist das Oxymoron.

Beispiele


Himmel und Hölle, Wasser und Wein...

Während man in Villa Riba noch arbeitet, wird in Villa Bacho schon gefeiert. (Werbespot für Spülmittel)

Brachylogia
Brachylogia (Ausdruckskürze) ist eine Ellipse (s. u.), deren fehlendes Wort in unmittelbarer Nähe bereits vorkommt.

Beispiele


Gegen Hansa Rostock spielte der FC St. Pauli nicht nur harm-, sondern auch erfolglos. (Sportsendung in SAT 1)

Chiasmus
Als Chiasmus (Kreuzstellung) bezeichnet man die (meist) spiegelbildliche Anordnung einander entsprechender Worte bzw. Satzglieder. Der Chiasmus präsentiert sich meist in der sogenannten a + b: b + a - Form. Die Funktion des Chiasmus zielt häufig auf die Verdeutlichung einer Antithese oder auf den hemmenden Abschluss einer Reihe von Parallelismen.

Beispiele


"Die Waffe der Kritik kann ... die Kritik der Waffen nicht ersetzen."
(KARL MARX)

"Wo die Regierung kann, da will sie nicht, wo sie will, da kann sie nicht".
(P. SCHÖPPNER)

Chiffre
Die Chiffre bezeichnet einen nicht dechiffrierbaren Ausdruck. Es sind Worte oder Wortverbindungen, deren Bedeutung nicht dem selbstverständlichen Gehalt entsprechen, die nur im Textzusammenhang geklärt werden können. Chiffren werden in moderner Lyrik bei den gleichen Dichtern immer wieder innerhalb eines bestimmten Bedeutungszusammenhangs verwendet. Die Chiffre muss immer zuerst entziffert werden.

Beispiele


"Welle der Nacht - zwei Muscheln miterkoren,
die Fluten strömen sie, die Felsen her,
dann Diadem und Purpur mitverloren,
die weiße Perle rollt zurück ins Meer."

(GOTTFRIED BENN)

Ellipse
Die Wurzeln der Ellipse sind in der Umgangssprache zu suchen. Die Aussage wird auf die wichtigsten Teile reduziert. Es wird etwas ausgelassen, was jeder wie selbstverständlich dazu denkt, etwas leicht gedanklich zu Ergänzendes.

Beispiele


"Zwei Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der Menschheit ein Stück! Vorbei, verweht, nie wieder."
(KURT TUCHOLSKY, Augen in der Großstadt)

Emblem

Das Emblem (Bild 2) ist ein Sinnbild, dem ein bestimmter Sinn zugeordnet ist, z. B. kann eine Palme als Sinnbild der Treue eingesetzt werden. Das Emblem kommt vor allem in der Literatur des Barock vor und ist dreiteilig aufgebaut:

  • eine Inschrift bzw. ein Titel als Motto,
  • eine bildliche Darstellung,
  • eine Erläuterung des Sinnes von Bild und Motto.

 

Enjambement
Ein Enjambement (franz.: Überschreitung) ist ein Zeilensprung. Man spricht von einem Enjambement bzw. Zeilensprung, wenn das Satzende nicht mit dem Versende zusammenfällt, sondern ein Satz- oder Sinnzusammenhang über die Versgrenze hinweg fortgeführt wird.

Beispiele


"Jähe Bewegung: von fernher ein Wind
Wirbelt in den Erinnerungszweigen."

(E. STRITTMATTER)

"Ich bin allein, Gottlob! Es wird niemandes
Geschwätz mein Zimmer grausam profanieren."

(DETLEV VON LILIENCRON)

 

Epanalepse
Die Epanalepse ist durch die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang oder am Ende des Satzes gekennzeichnet.

Beispiele


"Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an"

(GOETHE: Erlkönig)

"Wind ist gut. Liebe ist gut.
Nacht ist gut. Wenn die Liebe gut ist."

(E. STRITTMATTER: Anfang der Liebe)

 

Epipher
Epiphora, Epipher, nennt man die Wiederholung von Wörtern oder Wortgruppen am Ende mehrerer aufeinanderfolgender Verse oder Strophen.

Beispiele


Doch alle Lust will Ewigkeit -, / - will tiefe, tiefe Ewigkeit!

"Sturm und Meeresgefährde trifft nie
Dich den Klugen, der geschifft nie;
Wer in Furcht sogar den Wein scheut,
trinkt das eingemischte Gift nie."

(PLATEN)

 

Euphemismus
Beim Euphemismus (griech. Euphemein = Worte guter Vorbedeutung gebrauchen) wird etwas Schreckliches oder Feindliches gegenteilig bezeichnet, beschönigt.

Beispiele


Kap der guten Hoffnung

verscheiden = sterben, vollschlank = dick

 

Hendiadiadyoin
Das Hendiadyoin ist eine rhetorische Figur. Es wurde v. a. in der Antike und im Barock benutzt. Dabei werden zwei Substantive gleicher Bedeutung zum Zwecke der Verstärkung des Ausdrucks aneinander gereiht.

Beispiele


Leib und Leben, Hab und Gut

 

Hyperbel
Die Hyperbel ist eine rhetorische Figur. Sie beabsichtigt eine Steigerung des Ausdrucks durch Unter- und Übertreibung bei Charakterisierungen oder Gleichnissen.

Beispiele


Balken im Auge; eine Ewigkeit warten; ein Meer von Tränen

"lch fühle eine Armee in meiner Faust"
(SCHILLER)

 

Hypotaxe
Die Hypotaxe ist im Gegensatz zur Parataxe die Unterordnung in der Satzgliederung, die Aufgliederung des Gedankens in Haupt- und abhängige Nebensätze (Schachtelsätze).

Beispiele


"Es braucht viele Jahre, bis mir aufgeht, dass das, was ein Aufschreiber mit dem, was er aufschreibt, erreichen will, nicht mit Händen zu greifen sein darf."

(ERWIN STRITTMATTER: Der Laden 2)

 

Inversion
Inversion nennt man die Umkehrung der üblichen Wortstellung, meist Subjekt und Prädikat, um einen Begriff hervorzuheben. Häufig geschieht dies aus metrischen Gründen.

Beispiele


Groß ist die Diana der Epheser;

Röslein rot

 

Ironie
Die Ironie ist ein wichtiges literarisches Stilprinzip in Rhetorik und Poetik, bei der die geäußerte Meinung nicht mit der gemeinten Bedeutung übereinstimmt, sondern durch Über- oder Untertreibung, Häufung, Reihung bzw. durch Unangemessenheit zustande kommt. In der Rhetorik erreicht man das, indem man das Gegenteil dessen sagt, was man meint; etwas anderes sagt, als man meint; durch falsches Lob tadelt oder durch scheinbaren Tadel lobt; durch Sich-Lustigmachen, Spotten.

Beispiele


Du bist mir vielleicht ein Held!

 

Katachrese
Die Katachrese verwendet einen nicht passenden Ausdruck, fehlerhaft oder absichtlich (Bildbruch).

Beispiele


Er pflückte Kartoffeln;
laute Tränen;
welkes Licht

 

Klimax
Die Klimax (griech. klimax: Leiter) ist eine rhetorische Figur. Sie bezeichnet eine sich steigernde Reihe von Worten, Satzteilen oder Sätzen.

Beispiele


"Ich kam, ich sah, ich siegte"
("veni, vidi, vici", JULIUS CAESAR)

 

Lautmalerei
Lautmalerei (Onomatopoesie) bezeichnet die Schallnachahmung, eine sprachliche Bildung, die einen bestimmten akustischen Eindruck wiedergibt.

Beispiele


Summ, summ (Biene);
miau (Katze)

 

Litotes
Die Litotes ist gekennzeichnet durch verstärkte Hervorhebung eines Begriffs durch Untertreibung, durch die Verneinung oder Abschwächung seines Gegenteils. Das heißt, dass etwas Positives durch die Verneinung des Gegenteils ausgedrückt wird.

Beispiele


Wir haben nicht wenig gelacht;
nicht übel;
nicht gerade einer der Tapfersten

 

Locus amoenus
Locus amoenus bezeichnet einen Topos der Natur- und Idyllendichtung. Eine ideale und fiktive Landschaft setzt sich zusammen aus den stets gleichen ‚Requisiten' (Quelle/Bach, Hain, Wiese, Vögel). Bekannt seit der Antike, ist der Locus amoenus vor allem in der Literatur des Mittelalters und des 17. Jahrhunderts (Schäferdichtung) der stereotype und idyllische Ort der Liebe und des Gesanges. In der geistlichen Dichtung des Barock wird dieser klassische Lustort zum christlichen Paradiesgarten umgedeutet.

 

Metapher

Die Metapher ist die wichtigste uneigentliche Sprachform. Sie bezeichnet ein Sprachbild, das für die Benennung eines Sachverhalts oder Gegenstands beigezogen wird, dessen Elemente aber nicht zum eigentlichen sprachlichen Umfeld des bezeichneten Gegenstands/Sachverhalts gehören; d.h. die Vergleichspartikel fehlen in der Metapher. Kennzeichen sind:

  • uneigentliches Sprechen und
  • bildhafte Sprache (das Kupfer ihres Haares, Türflügel, Mensch als "Spiel der Zeit").

Metaphern des täglichen Lebens wie z. B. Tischbein, werden als verblasste Metaphern bezeichnet.
Für ARISTOTELES ist eine Metapher "die Übertragung eines Wortes ... nach den Regeln der Analogie. ... das Alter verhält sich zum Leben, wie der Abend zum Tag; der Dichter nennt also den Abend ,Alter des Tages', oder, wie EMPEDOKLES, das Alter ,Abend des Lebens' oder ,Sonnenuntergang des Lebens'." ("Poetik", Kap. 21)
Die besondere Bildhaftigkeit ist wichtigstes Kennzeichen für ARISTOTELES: "Denn dieses allein kann man nicht bei andern lernen, sondern ist das Zeichen von Begabung." (Kap. 21)
"Die Metapher ist also ... die typische Vergleichung von zwei Verhältnissen, wobei es gewöhnlich ist, den geläufigsten Begriff unausgesprochen zu lassen." (FRITZ MAUTNER)
Die Metapher wird häufig als verkürzter Vergleich gesehen. Beispiel: Achill war im Kampf ein Löwe. In der Metapher ist ein bestimmter Begriff in einen ursprünglich fremden Bedeutungsbereich übertragen worden.

Beispiele


Das Meer des Lebens.
Der Strom des Lichts

Problematisch wird der Begriff Metapher in der modernen Lyrik, z. B. bei CELAN oder BENN. Bei diesen Metaphern behilft man sich mit Begriffen wie "absolute Metapher", die dann noch als "dunkel" und "vieldeutig" dargestellt werden. Eine absolute Metapher bezeichnet die "Darstellung des Undarstellbaren" (RALF KONERSMANN) bzw. ist eine Metapher, die sich nicht in Vergleiche oder in uneigentliche Ausdrucksweisen auflösen lässt. Sie wirkt "dunkel" und vieldeutig, weil das "Tertium comperationis" (lat. Vergleichspunkt, das Gemeinsame Dritte) und die konkrete Anschauung fehlen. Die absolute Metapher tritt vor allem in der Lyrik des Barock, des Surrealismus sowie in der hermetischen Lyrik auf.
"Absolute Metaphern beantworten jene vermeintlich naiven, prinzipiell unbeantwortbaren Fragen, deren Relevanz einfach darin liegt, dass sie nicht eliminierbar sind, weil wir sie nicht stellen, sondern als im Daseinsgrund gestellt vorfinden. Sie "geben einer Welt Struktur, repräsentieren das nie erfahrbare, nie übersehbare Ganze der Realität." (BLUMENBERG 1960).
Absolute Metaphern werden bisweilen auch Chiffre genannt. Eine Chiffre stellt einen autorspezifischen, nicht dechiffrierbaren Ausdruck dar (s. o.).

Beispiele


Der deutschsprachige Lyriker PAUL CELAN (1920-1970) verwendete absolute Metaphern, um den Holocaust begrifflich zu machen. Er selbst, im rumänischen Czernowitz als Sohn jüdischer Eltern geboren und nach dem Einmarsch deutscher Truppen zur Zwangsarbeit gezwungen, überlebte, seine Eltern kamen im Arbeitslager Michailowkan ums Leben (seine Mutter wurde durch Genickschuss hingerichtet, sein Vater starb an Typhus). CELAN strebte eine Erneuerung der Sprache an, die von den Mördern kompromittiert war.
In seiner Liebeslyrik tritt die absolute Metapher zutage: Seinen Lyrikband von 1959 nannte er "Sprachgitter":

"Augenrund zwischen den Stäben.

Flimmertier Lid
rudert nach oben,
gibt einen Blick frei.

Iris, Schwimmerin, traumlos und trüb:
der Himmel, herzgrau, muß nah sein."

heißt es in dem gleichnamigen Gedicht. In der ersten Zeile "Flimmertier Lid" vergleicht CELAN das Augenlied mit einem Flimmertier, wobei "Flimmertier" ein Neologismus (Wortneuschöpfung) ist.
Deutlich wird die absolute Metapher, wenn CELAN in seiner Lyrik von "Schmerzender Augapfeltiefe" schreibt oder: "kometenhaft schwirrte ein Aug auf Erloschenes zu" bzw. "es hat Augen,/ die helle Erden sind".

 

Metonymie
Bei der Metonymie wird das eigentlich gemeinte Wort durch ein anderes ersetzt, das in einer realen Beziehung zu diesem steht. Oft stehen die beiden Begriffe im Verhältnis von Ursache (Autor) und Wirkung (Werk). Die Metonymie als Mittel der uneigentlichen Rede unterscheidet sich von der Synekdoche dadurch, dass sie nicht innerhalb des selben Begriffsfelds zu bleiben braucht.

Beispiele


ein Glas trinken;
im Schiller lesen

von der Wiege bis zur Bahre / Formulare, Formulare

 

Neologismus
Als Neologismus bezeichnet man die Neubildung von Begriffen. In der modernen Lyrik wird der Neologismus besonders zum Ausdruck neuer Sinngehalte verwendet.

Beispiele


Steintag
(CELAN)

 

Oxymoron
Das Oxymoron bezeichnet eine paradoxe Formulierung, etwas, das es eigentlich gar nicht geben kann. Es wird bisweilen auch kühne Metapher genannt. Oxymoren werden in modernerer Lyrik häufig verwendet.

Beispiele


junger Greis; bittere Süße;
schwarze Milch der Frühe (CELAN);
traurigfroh;
ein sehr redendes Stillschweigen;
schlauste Dummheit

 

Palindrom
Das Palindrom ist ein Text, der vorwärts wie rückwärts gleich zu lesen ist.

Beispiele


"Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie." (FÜHMANN);
Anna;
Otto;
Ein Esel lese nie.

 

Paradoxon
Das Paradoxon ist gekennzeichnet durch eine scheinbar widersinnige Aussage. Im Barock und in religiöser Literatur wurde es besonders häufig verwendet zur Auflösung rational nicht erklärbarer theologischer Aussagen.

Beispiele


Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben.

 

Paralipse
Durch die Paralipse wird ein Thema oder Gegenstand mit der nachdrücklichen Bemerkung hervorgehoben, dass darauf nicht näher eingegangen werden könne.

 

Parallelismus
Der Parallelismus ist eine rhetorische Figur und bezeichnet die Wiederholung derselben Wortreihenfolge in aufeinander folgenden Sätzen oder Satzteilen. Die Wirkung der Wiederholung liegt in der Verstärkung. Der zweite Aussagenteil lenkt die Aufmerksamkeit wieder zurück auf den ersten Aussagenteil. Der Parallelismus hat seine Wurzeln vornehmlich in der griechischen Literatur und in der Sakralsprache.

Beispiele


Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee.
Schnell lief er hin, langsam kam er zurück.
Lang war der Weg, kurz war der Kampf.

 

Parataxe

Als Parataxe bezeichnet man die Beiordnung, Reihung, Nebenordnung von gleichberechtigten Sätzen. Gegenteil: Hypotaxe.

Beispiele


"Onkel Jodok kocht große Bohnen. Onkel Jodok lobt den Nordpol. Onkel Jodok tobt froh."
(P. BICHSEL)

"Der König sprach', der Page lief:
Der Knabe kam, der König rief:"

(J.W.GOETHE)

 

Parenthese

Unter Parenthese versteht man die Unterbrechung einer geschlossenen Satzkonstruktion durch einen grammatikalisch eigenständigen Einschub, der durch Gedankenstriche oder Kommata abgetrennt wird.

Beispiele


"Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der dritte!"
(SCHILLER)

"So bitt ich - ein Versehen war's, weiter nichts -/Für diese rasche Tat dich um Verzeihung."
(KLEIST)

 

Paronomasie

Die Paronomasie bezeichnet ein Wortspiel, das auf einer zufälligen Klangähnlichkeit beruht:

Beispiele


Eile mit Weile;
betrogener Betrüger;

"Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
die Klöster sind ausgenommene Nester,
die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer..."

(SCHILLER)

 

Pars pro toto

Als Pars pro toto bezeichnet man den Sonderfall der Synekdoche, bei dem ein Teil eines Gegenstandes für das Ganze steht.

Beispiele


Die Versammlung zählte 20 Köpfe.

 

Periphrase

Die Periphrase umschreibt ein Bezeichnetes durch die Beschreibung eines Begriffs, einer Person, eines Gegenstandes oder einer Handlung. Sie wird häufig benutzt, um Wiederholungen zu vermeiden, oder als Euphemismus, um anstößige und tabuisierte Wörter nicht aussprechen zu müssen, als Möglichkeit größerer Ausführlichkeit oder einer poetisch-rhetorischen Gestaltung der Rede bzw. eines literarischen Textes.

Beispiele


"Ratgeber der Anmut" = Spiegel;
"jenes höhere Wesen, das wir verehren" (BÖLL) bzw. "der Allmächtige" anstelle von "Gott";
"gepreßte Milch" = Käse, bei VERGIL;
"der Vater des Wirtschaftswunders" = LUDWIG ERHARD;
"Scipios Klugheit vernichtete Karthagos Macht" statt "Scipio vernichtete Karthago" (Metonymie), (CICERO)

 

Personifikation

Bei der Personifikation erhalten abstrakte Begriffe, konkrete Gegenstände und Tiere die Gestalt von handelnden und sprechenden Personen. Bei PLATON und CICERO sowie in der mittelalterlichen und barocken Literatur werden das Gesetz (‚Justitia') bzw. das Vaterland personifiziert. Aus der heutigen Zeit kennen wir solche Personifikationen eher als karikierende nationale Stereotypen. In der Dichtung gibt es den sprechenden Mond oder Wald, und in der Fabel wird der ‚schlaue Fuchs' zum Ausdruck für einen intelligenten Menschen.

Beispiele


Uncle Sam;
der deutsche Michel;
"Frau Welt", "Gevatter Tod" (M. CLAUDIUS)

 

Symbol

Das Symbol (Sinnbild) ist ein Wort, das an und für sich etwas sinnlich Wahrnehmbares bezeichnet. Es erhält durch den besonderen Zusammenhang, in dem es steht, unwillkürlich einen tieferen Sinn, eine seelische oder geistige Bedeutung.

"Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, daß die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, unaussprechlich bliebe." (GOETHE)
"Das ist die wahre Symbolik, wo das Besondere das Allgemeine repräsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen." (GOETHE)

Beispiele


die blaue Blume als Symbol für die Romantik

 

Synästhesie

Bei der Synästhesie vermischen sich zwei oder mehr Sinneseindrücke.

Beispiele


"Golden wehn die Töne nieder"
(BRENTANO)

"Die gläsernen Paläste klingen spröde an deinem Blick..."
(RILKE)

"Durch die Nacht, die mich umfangen,
blickt zu mir der Töne Licht"

(BRENTANO)

 

Synekdoche

Bei der Synekdoche wird der engere Begriff verwendet, um einen weiteren darzustellen oder umgekehrt; genannt wird also statt der Art die Gattung und umgekehrt, statt des Teils das Ganze und umgekehrt (pars pro toto), statt der Einzahl die Mehrzahl und umgekehrt. Die Grenzen zur Metonymie sind fließend.

Beispiele


Der Spanier ist stolz;
"Unser täglich Brot gib uns heute."
tödliches Blei;
"Segel" für Schiff

 

Tautologie
Als Tautologie (von griechisch tautologia, das [zweimalige] Sagen desselben [Gedankens]), bezeichnet man eine rhetorische Figur, in der zweimal dassellbe ausgesagt wird. Die Tautologie kann demnach als besondere Form des Pleonasmus bezeichnet werden.
Beispiele alter Greis,
weißer Schimmel

 

Vergleich

Beim Vergleich wird die Anschaulichkeit bzw. Besonderheit eines Dings, einer Vorstellung usw. dadurch erhöht bzw. betont, dass diesem bzw. dieser ein analoges 'Gegenbild' gegenübergestellt wird, wobei es zwischen beiden ein ausgesprochenes oder unausgesprochenes Gemeinsames (tertium comparationis) gibt. Das heißt, dass eine Sache mit einer anderen verglichen wird.

Beispiele


Fest wie ein Baum stand er.
Er war stark wie ein Löwe.
Er benimmt sich wie ein Esel.

 

Waise

Bei der Waise handelt es sich um einen Begriff der Verslehre. Sie ist ein reimloser Vers im Reimgedicht.

 

Zäsur

Die Zäsur ist ein Begriff aus der Verslehre. Sie ist ein durch ein Wortende markierter Einschnitt meist in Syntax aber auch Metrum innerhalb der Verszeile, die den Vers in mehrere Teile (Kola) gliedert. Im folgenden Beispiel befindet sich die Zäsur zwischen mæren / wvnders und gantz / ja:

Beispiele


Uns ist in alten mæren / wvnders vil geseit
WIr sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!

 

Zeugma

Das Zeugma ist die rhetorische Figur der Worteinsparung. Ein Verb beherrscht mehrere gleichgeordnete, aber nicht gleichartige Objekte bzw. Sätze.

Beispiele


Als Viktor zu Joachime kam, hatte sie Kopfschmerzen und Putzjungfrauen bei sich.

 

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