

















Symbolismus
Der Symbolismus war eine von Frankreich ausgehende literarische Strömung zum Ende
des 19. Jahrhunderts in Europa, die sich gegen den Geist des Materialismus
und Rationalismus richtete.
Symbolistische Tendenzen in der Kunst hat es schon vor dem Symbolismus gegeben. Der Symbolismus wandte sich gegen den Naturalismus, der nur die sichtbare Welt wiedergeben wollte.
Begriff
Der Symbolismus-Begriff selbst stammt von JEAN MORÉAS' "Symbolistischem Manifest",
das er 1886 im "Figaro" veröffentlichte und meint die Darstellung
einer künstlerisch autonomen Welt der Schönheit. Die Kunst wurde
als Gegennatur begriffen und war reine Wortkunst:
Kennzeichnend für den Symbolismus sind Motive der Visionen, mit religiöser Mystik bereichert.
Wurzeln des Symbolismus
Der Symbolismus hatte seine Wurzeln u. a. in der deutschen Romantik, die mit den Symbolisten verspätet
über Frankreich nach Deutschland zurückkehrte.
Die Entwurzelung, Sinnentleertheit und der Rückbezug auf das Ich
des Künstlers im ausgehenden 19. Jahrhundert wird gerade im frühen
Werk GEORGEs sichtbar. Der Wirklichkeit stellt er eine Gegenwelt
der Kunst entgegen, in ihr zählen lediglich Stilideal und
Dekorativität. GEORGEs Ästhetizismus ist sowohl Lebens- als
auch Kunsthaltung.Stilistisch sind seine frühen Gedichte durch Neologismen
charakterisiert.
In seinem Werk „Das Jahr der Seele“ (1897) ist Literatur für GEORGE noch Fluchtort vor der Wirlichkeit, jedoch das Ende seiner l'art pour l'art-Phase kündigt sich bereits an. Immer stärker entwickelte er einen Hang zum Kultischen: GEORGE gründete die "Blätter für die Kunst" (1892), aus dem der George-Kreis hervorging. Zu ihm gehörten zeitweilig
HUGO VON HOFMANNSTHAL und RAINER MARIA
RILKE
HUGO VON HOFMANNSTHAL und RAINER MARIA RILKE mit ihren Frühwerken
sowie RICHARD VON SCHAUKAL (1874-1942), waren die
deutschen Nachahmer der französischen Symbolisten.
Ziel und Ideal der Kunst
Die Schönheit wurde eigentliches Ziel
und Ideal der Kunst ("l'art pour l'art"). Das Symbol des
"Elfenbeinturms"
beschreibt dieses Ideal recht genau:
Die Welt der Kunst lebt für sich, ist autonom. Die Poesie sollte
von Bindung an Zweck, Belehrung, Moral und Realität frei sein. Diese
Kunstauffassung prägte vor allem die Lyrik. Rhythmus, Reim, und eine
kunstvoll gesetzte Sprache wurden zum entscheidenden Kriterium für
symbolistische Lyrik.
NIETZSCHE
Als ein großer Lyriker gilt jedoch auch FRIEDRICH
NIETZSCHE. Seine "Dionysos-Dithyramben" und die "Idyllen
aus Messina" gehören zu den bedeutendsten Werken des deutschen
Symbolismus.
FRIEDRICH NIETZSCHE
Klage der AriadneWer wärmt mich, wer liebt mich noch?
Gebt heisse Hände!
gebt Herzens-Kohlenbecken!
Hingestreckt, schaudernd,
Halbtodtem gleich, dem man die Füsse wärmt,
geschüttelt ach! von unbekannten Fiebern,
zitternd vor spitzen eisigen Frostpfeilen,
von dir gejagt, Gedanke!
Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher!
Du Jäger hinter Wolken!
Darnieder geblitzt von dir,
du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt!
So liege ich,
biege mich, winde mich, gequält
von allen ewigen Martern,
getroffen
von dir, grausamster Jäger,
du unbekannter - Gott ...Triff tiefer!
Triff einmal noch!
Zerstich, zerstich dies Herz!
Was soll dies Martern
mit zähnestumpfen Pfeilen?
Was blickst du wieder,
der Menschen-Qual nicht müde,
mit schadenfrohen Götter-Blitz-Augen?
Nicht töten willst du,
nur martern, martern?
Wozu – mich martern,
du schadenfroher unbekannter Gott?Haha!
du schleichst heran
bei solcher Mitternacht?...
Was willst du?
Sprich!
Du drängst mich, drückst mich,
Ha! schon viel zu nahe!
Du hörst mich atmen,
du behorchst mein Herz,
du Eifersüchtiger!
– worauf doch eifersüchtig?
Weg! Weg!
wozu die Leiter?
willst du hinein,
ins Herz, einsteigen,
in meine heimlichsten
Gedanken einsteigen?
Schamloser! Unbekannter! Dieb!
Was willst du dir erstehlen?
Was willst du dir erhorchen?
Was willst du dir erfoltern,
du Folterer
du – Henker-Gott!
Oder soll ich, dem Hunde gleich,
vor dir mich wälzen?
Hingebend, begeistert außer mir
dir Liebe – zuwedeln?Umsonst!
Stich weiter!
Grausamster Stachel!
Kein Hund – dein Wild nur bin ich,
grausamster Jäger!
deine stolzeste Gefangne,
du Räuber hinter Wolken...
Sprich endlich!
Du Blitz-Verhüllter! Unbekannter! sprich!
Was willst du, Wegelagerer, von – mir?...Wie?
Lösegeld?
Was willst du Lösegelds?
Verlange viel – das rät mein Stolz!
und rede kurz – das rät mein andrer Stolz!
Haha!
Mich – willst du? mich?
mich – ganz?...Haha!
Und marterst mich, Narr, der du bist,
zermarterst meinen Stolz?
Gib Liebe mir – wer wärmt mich noch?
wer liebt mich noch?
gib heiße Hände,
gib Herzens-Kohlenbecken,
gib mir, der Einsamsten,
die Eis, ach! siebenfaches Eis
nach Feinden selber,
nach Feinden schmachten lehrt,
gib, ja ergib,
grausamster Feind,
mir – dich!...
Davon!
Da floh er selber,
mein einziger Genoß,
mein großer Feind,
mein Unbekannter,
mein Henker-Gott!...Nein!
komm zurück!
Mit allen deinen Martern!
All meine Tränen laufen
zu dir den Lauf
und meine letzte Herzensflamme
dir glüht sie auf.
O komm zurück,
mein unbekannter Gott! mein Schmerz!
mein letztes Glück!...Ein Blitz.
Dionysos:
Dionysos wird in smaragdener Schönheit sichtbar.
Sei klug, Ariadne!...
Du hast kleine Ohren, du hast meine Ohren:
steck ein kluges Wort hinein! –
Muß man sich nicht erst hassen, wenn man sich lieben soll?...
Ich bin dein Labyrinth...
(Nietzsche, Friedrich: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, S. 1256-1260)
"Brief des Lord Chandos"
Als ein markantes Beispiel für symbolistische Prosa mag HUGO VON
HOFMANNSTHALs „Brief
des Lord Chandos“ (1900) gelten. Dieser fiktive Brief des Lord
Chandos an den Philosophen und Naturwissenschaftler Francis Bacon verbalisiert
die Krise des Denkens und der Welthaltung insgesamt, deren sichtbarer
Ausdruck die Krise der Sprache ist. Die Sprache als ästhetisches
und soziales Problem geht einher mit der Abkehr von der Realität.
Lord Chandos findet immer weniger Zugang zum Kommunikationsprozeß,
zum sprachlichen Austausch zwischen Menschen, vielmehr fühlt er zu
zu Außersprachlichem, zum Unterbewußtsein der Dinge hingezogen.
"Sehr tief gefasste Symbole sind Realitäten," meinte HOFMANNSTHAL.
HOFMANNSTHAL drückt im "Brief des Lord Chandos" zum ersten
Mal die für die moderne Literatur charakteristische Sprachskepsis aus - ein Thema, das auch seine späteren Werke bestimmt.
RAINER MARIA RILKE
Um 1910 war RAINER MARIA
RILKE Privatsekretär des französischen Bildhauers AUGUSTE
RODIN. Während dieses Aufenthaltes in Paris entsteht als Ausdruck
einer seelischen Krise "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
(1910), sein einziger Roman. Er hat keine durchgängige Handlung,
sondern besteht aus weitgehend unabhängigen Episoden und Gedankengängen.
„Die
Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ (PDF 3)
Es sind die fiktiven Tagebuchaufzeichnungen eines in Paris lebenden Dänen.
Brigge ist ein junger, sensibler, jedoch nur mäßig erfolgreicher
Dichter. Beschrieben werden in einer Art Dreiteilung das Leben des jungen
Malte auf dem Landsitz seines Großvaters, Szenen der Großstadt
als Ort des Schreckens sowie die Inhalte von Büchern, die Malte gelesen
hat. Während die Kindheitsbeschreibung Harmonie und Einklang mit
der Natur symbolisiert, wirkt zum anderen die Entfremdung in der Anonymität
der Großstadt selbstzerstörerisch. Der Tod steht über
allem als Übergang vom Leben in einen höheren Zustand. In diesem
Sinne ist er das verbindende Element der drei Romanebenen. Die biblische
Parabel vom verlorenen Sohn als "Legende dessen, der nicht geliebt
werden wollte" fügt sich als letztes Kapitel in das Romanwerk
ein. Es ist die stete Suche nach Gott und, wie der Roman selbst, nach
einer neuen, ungesagten Sprache.
Diese Ästhetik des "Neuen Sehens" ist auch im "Stundenbuch" RILKEs und in HOFMANNSTHALs "Brief an Lord Chandos" existent.
"Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" gelten als Durchbruch des modernen deutschsprachigen Romans.
RILKE verstand es daneben jedoch auch, das Genre der Biografie neu zu beleben. Sein „Auguste Rodin“ von 1902/1907 (PDF 4) ist auch einhundert Jahre nach seiner Entstehung ein kurzweilig zu lesendes Buch über einen großen Künstler und sein Verhältnis zu einem anderen großen Künstler.
Symbolistische Musik
Ebenso beeinflussten RICHARD WAGNER und RICHARD STRAUSS mit ihrer Musik
den Symbolismus. Symbolistische
Tendenzen gab es jedoch auch in anderen Gattungen. MAURICE MAETERLINCK
ist mit "La Princesse Maleine" (1889; Prinzessin Maleine) und
"Pelléas et Mélisande" (1892; Pelleas und Melisande)
der Hauptvertreter der symbolistischen Dramatik.
Charakteristiken des Symbolismus
Charakteristiken
des Symbolismus:
Irlands Hauptvertreter des Symbolismus ist WILLIAM BUTLER YEATS (1865-1939, vgl. PDF 5).
by WILLIAM BUTLER YEATS
Far off, most secret, and inviolate Rose,
Enfold me in my hour of hours; where those
Who sought thee in the Holy Sepulchre,
Or in the wine vat, dwell beyond the stir
And tumult of defeated dreams; and deep
Among pale eyelids, heavy with the sleep
Men have named beauty. Thy great leaves enfold
The ancient beards, the helms of ruby and gold
Of the crowned Magi; and the king whose eyes
Saw the Pierced Hands and Rood of elder rise
In druid vapour and make the torches dim;
Till vain frenzy awoke and he died; and him
Who met Fand walking among flaming dew
By a gray shore where the wind never blew,
And lost the world and Emer for a kiss;
And him who drove the gods out of their liss,
And till a hundred morns had flowered red,
Feasted and wept the barrows of his dead;
And the proud dreaming king who flung the crown
And sorrow away, and calling bard and clown
Dwelt among wine-stained wanderers in deep woods;
And him who sold tillage, and house, and goods,
And sought through lands and islands numberless years,
Until he found with laughter and with tears,
A woman, of so shining loveliness,
That men threshed corn at midnight by a tress,
A little stolen tress. I, too, await
The hour of thy great wind of love and hate.
When shall the stars be blown about the sky,
Like the sparks blown out of a smithy, and die?
Surely thine hour has come, thy great wind blows,
Far off, most secret, and inviolate Rose?
(Yeats, William Butler: The Wind Among the Reeds. New York: J. Lane, The Bodley Head, 1899.)
WALERY BRJUSSOW ist der Begründer des russischen Symbolismus, der um 1910 seinen Höhepunkt erreichte. Wichtige russische Symbolisten waren auch WJATSCHESLAW IWANOW und ANDREY BELYJ.
Impressionismus
Der Impressionismus ist eine in Frankreich entstandene Stilrichtung der Literatur und Kunst
von etwa 1890-1920. Er ist gekennzeichnet durch Abwendung vom Naturalismus
und Wiedergabe von Stimmungen.
Begriff
Impressionismus-Begriff:
Der um 1870 entstandene Impressionismus wurde benannt nach CLAUDE MONETs
Gemälde "Impression, soleil levant" (Eindruck bei Sonnenaufgang),
das 1874 bei einer Ausstellung von achtzehn jungen Malern in Paris gezeigt
wurde (MONET, RENOIR, DEGAS, u. a.).
Ihre Malerei war durch Optimismus und helle, zarte Farben gekennzeichnet.
Der Begriff war von den Kritikern zuerst als Schimpfwort gedacht, setzte
sich aber bald als Begriff für die Stilrichtung durch.
Darstellungsmittel des Impressionismus
Bevorzugte Darstellungsmittel
des Impressionismus sind:
Vorläufer des Impressionismus
Vorläufer sind u. a.
Der Rückzug auf Subjektivismus und Individualismus ist mit einer Abkehr von allem Politischen verbunden. Stattdessen gewinnt der einmalige Augenblick das Interesse der Autoren. Die eindringliche Schilderung der Natur wird zum Gegenstand impressionistischen Gestaltens:
Gattungen
und Genres des Impressionismus
Bevorzugte Gattungen
und Genres des Impressionismus sind
Vertreter des Impressionismus waren
MARCEL
PROUST
MARCEL PROUSTs Lebenswerk
"À la recherche du temps perdu" (1913-1927, dt.: „Auf
der Suche nach der verlorenen Zeit“) ist eine auf 7 Bände
angelegte Beschreibung der mondänen französischen Gesellschaft
in ihrer ganzen Vielfalt. PROUST leistete mit der Aufhebung des chronologischen
Ablaufs des Geschehens, der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart
einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des modernen Romans.
Ein Band mit Erzählungen PROUSTs („Tage der Freuden“) siehe PDF 8.
