











Lebensgeschichte und literarisches Schaffen
Ein Jahr später veröffentlichte FONTANE seine erste Novelle,
"Geschwisterliebe" erschien im "Berliner
Figaro". 1840 beendete er seine Lehrzeit und war fortan
Apothekergehilfe, zuerst in ROSEs,
später in DR. KANNEBERGs Apotheke in Magdeburg, in der Apotheke "Zum
weißen Adler" in Dresden, in der Apotheke seines Vaters.
Ende 1840 kehrte er, an Thyphus erkrankt,
zu seinen Eltern nach Letschin zurück, um sich dort zu erholen. Einige
Gedichte wurden von ihm im "Figaro" veröffentlicht, außerdem
war er Korrespondent der Leipziger "Eisenbahn"
und wurde von BERNHARD VON LEPEL in den Literarischen Sonntagsverein "Tunnel
über der Spree" eingeführt.
Als Einjährig-Freiwilliger trat FONTANE 1844 in das Gardegrenadierregiment
"Kaiser Franz" ein. Nach dem Militärdienst
arbeitete er wiederum kurzzeitig bei seinem Vater in der Apotheke, dann
trat er in die Polnische Apotheke von DR. JULIUS EDUARD SCHACHT ein. 1846
legte er sein Pharmazeutisches Staatsexamen
ab und erhielt die Approbation zum "Apotheker erster Klasse".
FONTANE trat am 1. Oktober in die Apotheke "Zum Schwarzen Adler"
ein, nahm dann aber 1848 eine Stelle im Krankenhaus Bethanien an, um zwei
Diakonissinnen auszubilden. Außerdem beteiligte er sich an den Barrikadenkämpfen
auf Seiten der Revolutionäre. Vier recht radikale Gedichte und Artikel
von ihm erschienen in der Zeitschrift "Berliner Zeitungshalle".
1849 verließ er das Krankenhaus und gab den Apothekerberuf ganz
auf. Nach einigen Veröffentlichungen politischer Korrespondenzen
in der "Dresdner Zeitung" erschienen im Dezember seine ersten
Buchveröffentlichungen, so z.B. der Gedichtband "Männer
und Helden. Acht Preußenlieder" und 1850 der Gedichtzyklus
"Von der schönen Rosamunde".
1950 heiratete FONTANE EMILIE RUANET-KUMMER.
In dieser Ehe wurden sieben Kinder geboren, von denen drei schon kurz
nach der Geburt starben: GEORG EMILE (1851), THEODOR (1856), MARTHA (1860)
und FRIEDRICH (1864).
Die Familie lebte in gespannter finanzieller Lage und so war FONTANE gezwungen,
verschiedene Stellungen anzunehmen. So war er bei der "Centralstelle
für Presseangelegenheiten", die aus dem "Literarischen
Kabarett" (FONTANE war 1850 kurzzeitig Mitarbeiter) hervorgegangen
war und arbeitete ab 1852 als Presseattaché
der preußischen Gesandtschaft in London. In dieser Zeit verfasste
er seine ersten Kunstkritiken (PDF 2). 1858
kündigte er seine Stelle bei der Gesandtschaft und die Familie siedelte
1859 von London nach Berlin. Von nun an unternahm er erste Wanderungen
in der Umgebung Berlins. 1860 erschienen zwei Reisebücher "Aus
England" und "Jenseits von Tweed" und im Jahre 1862 erschien
der erste Band der „Wanderungen
durch die Mark Brandenburg“, allerdings noch unter dem Titel
"Die Grafschaft Ruppin", der zweite Teil der "Wanderungen"
erschien 1863.
Nach einer Reise FONTANEs zum dänischen Kriegsschauplatz bis nach Kopenhagen verfasste er 1866 sein erstes Kriegsbuch mit dem Titel "Der Schleswig-Holsteinische Krieg". Nach Reisen zu Kriegsschauplätzen des preußisch-österreichischen Krieges nach Böhmen erschien 1870 "Der deutsche Krieg von 1866". In den frühen Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts, eine für FONTANE sehr unruhige Zeit, entstanden Werke wie
In „Kriegsgefangen. Erlebtes 1870“ schilderte FONTANE seine Erlebnisse während seiner mehrwöchigen Gefangenschaft auf der Isle D'Oléon, als er - wegen seiner Kriegsberichterstattung als Spion verdächtigt - am 5. Oktober 1870 am Denkmal der Jungfrau von Orléans in Domremy festgenommen und erst auf Veranlassung OTTO VON BISMARCKs wieder freigelassen wurde.
Über ein Jahrzehnt hatte FONTANE an den Kriegsbüchern gearbeitet,
ohne Anerkennung. Das Ende dieser Arbeit fiel in das Kriegsjahr 1876,
in dem FONTANE seiner Frau zuliebe versuchte, sich und seine Familie wirtschaftlich
abzusichern. Er wurde zum ersten Sekretär der Königlichen
Akademie der Künste berufen, bat aber Ende Mai bereits um
seine Entlassung.
Er schloss einen recht lockeren Vertrag mit der "Vossischen
Zeitung", für die er dann fast zwanzig Jahre Theaterrezensionen
schrieb. Der letzte Versuch einer festen Anstellung war eine Sekretariatsstelle
an der Königlichen Akademie der Künste, endete aber mit Demütigungen
und allseitiger Verstimmung. Für den Rest seines Lebens wählte
er "trotz Abgrund und Gefahren" die
freie Schriftstellerexistenz.: "Mir ist die Freiheit
Nachtigall, den andern Leuten das Gehalt".
Im Jahr 1876 nahm er die Arbeit an dem Roman "Vor dem Sturm" wieder auf und beendete sie 1878. Er betrieb Lokalstudien in Tangermünde für seine Novelle „Grete Minde“, das fertige Buch erschien 1880 (Grete Minde wurde wegen Brandstiftung, der fast ganz Tangermünde zum Opfer fiel, zum Tode verurteilt. Erst Jahre nach Vollstreckung des Todesurteils stellte sich ihre Unschuld heraus.). In den Achtzigerjahren beendete er außerdem die Arbeit am vierten Band der "Wanderungen" (1882) und an dem Roman "L'Adultera" (1882). Weiterhin erschienen die Novellen "Schach von Wuthenow" (1883) und "Unterm Birnbaum" (1885) sowie die Romane "Cecile" (1886, PDF 1) und "Irrungen, Wirrungen" (1888).
1889 gab FONTANE nach über 19 Jahren Theaterkritik seine Stelle
auf. 1891 erhielt er zusammen mit KLAUS GROTH den Schiller-Preis. Im selben Jahr erschien sein Roman "Unwiederbringlich".
1892 erkrankte FONTANE schwer an Gehirnanämie. Der Gefahr bleibender geistiger Umnachtung ausgesetzt, schrieb
er in dieser kritischen Zeit seine Kindheitserinnerungen auf und so entstand die Autobiografie „Meine
Kinderjahre“, die 1894 erschienen. In diesem Jahr wurde ihm auch
die Ehrendoktorwürde der Philosophischen
Fakultät der Berliner Universität verliehen.
1895 erschien der Roman „Effi
Briest“ (Bild 2), sein wohl auch heute noch bekanntestes und
mehrfach verfilmtes Werk. Noch im selben Jahr begann er mit der Arbeit
an dem Roman "Stechlin" und an seiner Autobiografie "Von Zwanzig bis Dreißig", die 1897 bzw. 1898 erschienen.
Am 20. September 1898 starb THEODOR FONTANE in seiner Berliner Wohnung.
"Das Endresultat ist immer eine Art dankbares Staunen ... Es ist alles leidlich geglückt, und man hat ein mehr als nach einer Seite hin bevorzugtes und, namentlich im kleinen, künstlerisch abgerundetes Leben geführt, aber zurückblickend, komme ich mir doch vor wie der Reiter über den Bodensee in dem gleichnamigen Schwabschen Gedicht, und ein leises Grauen packt einen noch nachträglich."
(THEODOR FONTANE in einem Schreiben an seine Frau vom 23. August 1891, in: ders.: Aus meinem bunten Leben: ein biographisches Lesebuch. München, Wien: Hanser, 1998, S. 259)
Eine lebhafte Auseinandersetzung mit seiner Zeit charakterisiert den jungen wie den alten FONTANE. Alles geht ein in sein Romanwerk, das wie HEINRICH MANN schrieb, "das gültige, bleibende Dokument einer Gesellschaft, eines Zeitalters" wurde. Neben diesen seinen Romanen, den Novellen, Reiseberichten und Kriegsberichten wurde FONTANE auch mit einigen Gedichtbänden bekannt. Eines seiner beliebtesten Gedichte ist das Gedicht vom Herrn Ribbeck:
Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: "Junge wiste'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn."So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende.'s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen "Jesus mein Zuversicht".
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau was damals er tat,
Als um eine Birn ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchof her,
So flüstert's im Baume: "Wist'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew di 'ne Birn."So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
(Fontane, Theodor:Gedichte. 10. Auflage. Stuttgart und Berlin: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, 1905, S. 318–319)
Werke
Zu den Werken von THEODOR FONTANE
gehören u. a.:
