Der österreichische Schriftsteller THOMAS BERNHARD wurde am 09.02. 1931 als NICOLAAS THOMAS BERNHARD in Heerlen (Niederlande) geboren. Er war der Sohn von HERTA FABJAN (1904-1950) und dem Tischler ALOIS ZUCKERSTÄTTER (1905-1940). THOMAS BERNHARD gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dramatikern des 20. Jahrhunderts.
Lebensgeschichte
BERNHARD wurde in Wien von seinem Großvater, dem Schriftsteller JOHANNES
FREUMBICHLER (1881-1949), aufgezogen. 1932 übersiedelte er mit
den Großeltern nach Seekirchen. Das Leben dort prägte seinen späteren
Lebensweg sehr. Es wurde nach
eigener Aussage die glücklichste Zeit seines Lebens. Ab 1937 lebte er
mit seiner Mutter in Traunstein (Oberbayern). Diese Zeit beschrieb er
später in seinem Buch "Ein
Kind" (1982). 1942 wurde er ins Erziehungsheim im thüringischen
Saalfeld "verschickt", danach verbrachte er weitere Schuljahre
in Salzburg am Gymnasium. Er war dort im NS-Schülerheim "Johanneum"
untergebracht. Nach dem Krieg 1945 wurde die Schule als Humanistisches
Gymnasium wieder eröffnet. BERNHARD verbrachte die zwei ersten Kriegsjahre
hier, um dann 1947 die Schulausbildung abzubrechen und eine kaufmännische
Lehre anzutreten. 1949-1951 war er in der Lungenheilstätte Grafenhof.
Seine Kindheits- und Jugenderlebnisse beschrieb er in den autobiografischen
Romanen "Die Ursache"
(1975), "Der Keller" (1976), "Der Atem" (1978) und
"Die Kälte" (1981).
Seit 1950 veröffentlichte BERNHARD unter Pseudonym erste
literarische Werke. Er studierte 1950-1957 am "Mozarteum"
Salzburg, der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, schrieb gleichzeitig
Literatur- und Theaterkritiken, Lyrik,
dann eigenwillige Erzählprosa.
Seit dieser Zeit arbeitete er auch als Journalist bei verschiedenen Zeitungen,
schrieb Gerichtsreportagen unter anderem
beim "Demokratischen Volksblatt".
Am 18.06.1957 schloss BERNHARD das "Mozarteum" mit der Bühnenreifeprüfung
ab. Der erste Gedichtband "Auf der Erde
und in der Hölle" wurde im selben Jahr im Salzburger Otto
Müller Verlag veröffentlicht. In den Jahren darauf erschienen die Lyriksammlungen
"Unter dem Eisen des Mondes"
(1958) sowie "die rosen der einöde"
(1959). BERNHARD lebte bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller in
Österreich.
Literarisches Schaffen
Literarisches Schaffen:
THOMAS BERNHARD stellte in seinen Werken den Menschen als unter dem Gesetz
von Krankheit und Tod stehend dar (Bild 1). Im Mittelpunkt stehen seit dem Roman
„Frost“ (1963) Figuren
von wahnhafter Monomanie, deren Leben häufig auf Selbstmord oder,
im Streben nach einem Absoluten (der Kunst, der Erkenntnis), auf ein totales
Scheitern zuläuft, so auch in den Romanen „Verstörung“ (1967), „Das
Kalkwerk“ (1970), „Korrektur“
(1975). Die Brüchigkeit des Gesellschaftszustandes wird in Symbolen
erfasst. BERNHARD entwickelte einen eigenen Stil, der besonders mit Wiederholungen
und mit indirekter Wiedergabe der meist monologischen Rede arbeitet. Von
1970 an schrieb er vorwiegend Dramen, teils mit tragikomischen Zügen,
in denen die Thematik der erzählerischen Werke variiert wird. Die
autobiographischen Schriften und die späteren, gattungsmäßig
schwer einzuordnenden größeren Prosatexte (manche zum Teil
ebenfalls mit autobiographischen Elementen) zeigen mitunter eine stärkere
Wendung zum Kommunikativen, die über die Selbstbezogenheit der Hauptfiguren
in früheren Werken hinausgeht. In den letzten Werken rechnete er
in zunehmender Schärfe mit dem österreichischen Kulturbetrieb,
mit der Geschichte und der Vergangenheitsbewältigung seines Heimatlandes
ab.
Heldenplatz
Sein Schauspiel „Heldenplatz“
(Bild 2) spaltete die österreichische Nation. Der Platz spielte eine geschichtliche
Rolle im März 1938, als ADOLF HITLER dort unter dem Jubel der Wiener Bevölkerung
die Annektierung Österreichs ausrief. Fünfzig Jahre später begeht
der jüdische Professor Josef Schuster Selbstmord, nachdem er zunächst
mit seiner Frau überlegt hatte, das Land zu verlassen und nach Oxford
überzusiedeln. Er musste schon einmal fliehen, eben im Jahr 1938.
Über die Zustände im heutigen Österreich hat Schuster seine
Meinung: "Jetzt ist alles noch viel schlimmer / als
vor fünfzig Jahren hat er gesagt ..."
Der Fenstersturz des Professors ist eine dreifache Flucht. Er flieht vor den Bildern, die seine Frau im Kopf hat (" ... mit der Mutter hat er nichts mehr anfangen können"), sie hört immer noch die Schreie der Massen bei Hitlers Ankunft auf dem Heldenplatz 1938. Er flieht auch vor diesem Wien und vor dem fremd gewordenen Oxford. Und er flieht vor dem wieder aufkommenden Antisemitismus: "In diesem fürchterlichsten aller Staaten haben sie ja nur die Wahl / zwischen schwarzen und roten Schweinen / ...", äußert der Bruder Robert beim Leichenschmaus über den wiederaufkommenden und immer bestehenden Judenhass der Österreicher.
Heldenplatz - Affäre
"Heldenplatz" sollte zur Hundertjahrfeier des Wiener Burgtheaters
erstmals aufgeführt werden. Der Text war bis dahin streng geheim
gehalten worden. Noch vor der Uraufführung des Stückes ereilte
das Stück die sogenannte Heldenplatz-Affäre. Gezielt waren einige Sätze aus dem Werk in Umlauf gebracht
worden. Darin hieß es, die Österreicher seien "sechseinhalb
Millionen Debile und Tobsüchtige", man habe in Österreich "entweder
katholisch oder nationalsozialistisch" zu sein und es gebe "jetzt
mehr Nazis in Wien als achtunddreißig". Nun brach ein Sturm der Entrüstung
los. Beinahe alle namhaften Politiker des Landes meldeten sich zum Fall
"Heldenplatz" zu Wort. Bundeskanzler FRANZ VRANITZKY, Unterrichtsministerin
HILDE HAWLICEK und andere traten für eine Aufführung des Stückes
ein, Vizekanzler ALOIS MOCK forderte dagegen die Absetzung des Stücks
vom Spielplan mit dem Argument, daß eine derartige Aufführung nicht mit
öffentlichen Mitteln finanziert werden dürfe. Auch der ehemalige Bundeskanzler
BRUNO KREISKY gab seiner Empörung kund. Missbilligungen kamen aucvh vom inzwischen verstorbenen JÖRG HAIDER sowie von BRUNO KREISKY.
Auf der Seite der Befürworter gab die Interessengemeinschaft österreichischer Autoren eine Solidaritätserklärung für den Regisseur CLAUS PEYMANN und BERNHARD ab.
Soviel Aufmerksamkeit ließ die Nachfrage nach Karten rasch steigen.
Alle wollten den Theaterskandal live erleben.
Die Uraufführung des Stückes fand drei Wochen verspätet am 4. November
1988 statt und wurde zu einem Triumph für BERNHARD und Burgtheaterdirektor
CLAUS PEYMANN. Der Autor musste sich einem vierzigminütigen Applaus stellen
BERNHARD starb am 12.02.1989 in Gmunden (Österreich), drei Tage nach seinem 58. Geburtstag. In seinem Testament verfügte er in Reaktion auf die "Heldenplatz"-Affäre, dasss seine Stücke in Österreich nicht aufgeführt werden dürften.
Erst die von BERNHARDs Halbbruder und Alleinerben, dem Gmundner Arzt PETER FABJAN gegründete Thomas-Bernhard-Stiftung hob das Aufführungsverbot wieder auf.
THOMAS BERNHARD erhielt viele Literaturpreise: So 1964 den Julius Campe-Preis 1968 den Österreichischen Staatspreis und den Anton Wildgans-Preis, 1970 den Georg-Büchner-Preis 1972 den Franz Theodor Csokor-Preis und den Grillparzer Preis, 1974 den Hannoverschen Dramatikerpreis sowie den Prix Séguir und 1976 den Literaturpreis der Österreichischen Bundeswirtschaftskammer.
Werke
Weitere Werke BERNHARDs sind: