Biografie
THOMAS STEARNS ELIOT
wurde am 26. September 1888 in Saint Louis (Missouri) geboren. Nach einer
streng puritanischen Erziehung studierte ELIOT an der Harvard University
und in Europa - unter anderem an der Pariser Sorbonne, in München
und Oxford. Über FRANCIS HERBERT BRADLEY (1846-1924), einen englischen
Philosophen, promovierte ELIOT 1911. BRADLEY war ein Vertreter des absoluten
Idealismus.
Ab 1914 lebte ELIOT in London, wo er zunächst als Bankbeamter arbeitete.
Gleichzeitig schrieb er Rezensionen und Gedichte. 1927 wurde er britischer
Staatsbürger und trat 1928 zur anglikanischen Kirche über. 1922-1939 gab er die von ihm mitgegründete literarische Zeitschrift
"The Criterion" heraus. Ab 1926 war er bis zu seinem Lebensende
Direktor des Verlages Faber&Gwyer, dem späteren Faber&
Faber Verlag. Er übernahm verschiedene Gastprofessuren in Cambridge
und Harvard und erhielt für sein Werk zahlreiche Ehrungen, darunter
1948 den Literatur-Nobelpreis.
Literarisches Schaffen
T. S. ELIOT war einer der bedeutendsten Dichterpersönlichkeiten des
20. Jahrhunderts. Vor allem durch seine Lyrik,
aber auch durch seine Dramen und seine Essays verlieh er der Literatur
entscheidende sprachliche und formale Impulse.
Lyrik
Im Widerspruch zur vorherrschenden spätromantischen Tradition griff
ELIOT in seiner Lyrik auf die klassische Literatur und die englische Barockdichtung
mit ihrer strengen Form zurück. Er ließ sich außerdem
vom französischen Symbolismus
beeinflussen: Diese literarische Strömung des späten 19. Jahrhunderts
wandte sich gegen die naturalistische Wiedergabe der sichtbaren Welt und
sprach sich für eine reine Wortkunst
aus. Als Technik wurden alle sprachlichen, klanglichen und rhythmischen
Mittel eingesetzt. ELIOTs erste Gedichte in "Prufrock and Other Observations"
(1917) greifen symbolistische Stilmittel
auf: In freien Rhythmen und ironisch-distanziertem
Ton wird die menschliche Verzweiflung angesichts einer sinnentleerten
Welt geschildert.
Die Sprache ELIOTS orientiert sich am modernen Konversationsstil; seine Metaphern entstammen dem urbanen Lebensumfeld. Doch finden sich auch zahlreiche Anspielungen auf die mythisch und kulturelle Überlieferung. Den Höhepunkt seiner Lyrik stellt das Versepos "The Waste Land" (1922, dt.: Das wüste Land) dar, das unter Mitwirkung von EZRA POUND entstand und ELIOTs Ruhm begründete. Es schildert die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg aus den Fugen geratene Welt. Die Dichtung "Four Quartets" (1943, dt.: Vier Quartette) gilt als weiteres bedeutendes Werk, in dem ELIOT den christlichen Humanismus als Lösung der existenziellen Probleme des modernen Menschen propagiert.
Drama
In seinen Bühnenwerken
erneuerte ELIOT das poetische Drama. Im Auftrag der Kirche schrieb er
das Versdrama "Murder in the Cathedral" (1935, dt.: Mord im
Dom). Das christliche Mysterienspiel
handelt von der Ermordung des Erzbischofs von Canterbury THOMAS BECKET
im 12. Jahrhundert und thematisiert dabei die Bedeutung der Kirche für
das soziale Handeln. In seinen späteren erfolgreichen Gesellschaftsstücken
wie "The Family Reunion" (1939, dt.: Der Familientag) und "The
Cocktail Party" (1950, dt.: Die Cocktailparty) werden zeitlose menschliche
Konfliktsituationen im Gepräge der modernen Gesellschaft vorgeführt
und das Christentum als ausgleichendes und versöhnendes Element präsentiert.
Essays
In seinen literaturkritischen Essays
setzt sich ELIOT eingehend mit der literarischen Tradition auseinander,
um sie für die Moderne fruchtbar zu machen. Die Essays formulieren
zentrale Dichtungsprinzipien und zeigen - wie "The Idea of a
Christian Society" (1939) und Notes "Towards the Definition
of Culture" (1948, dt.: Beiträge zum Begriff der Kultur) -
ELIOTS Vorstellungen von einer christlichen Gesellschaft in der modernen
Kultur.
Werke
Zu den weiteren Werken
THOMAS STEARNS ELIOTs gehören:
Lyrik