

WOLFRAM VON ESCHENBACH war ein mittelhochdeutscher Epiker der staufischen Klassik, der zusammen mit HARTMANN VON AUE, GOTTFRIED VON STRASSBURG und WALTHER VON DER VOGELWEIDE zu den bedeutendsten Dichtern des Mittelalters gehörte und großen Einfluss auf die zeitgenössische Dichtung hatte.
Lebensgeschichte
WOLFRAM VON ESCHENBACH wurde um 1170-1180 geboren, wie man heute
annimmt, in Eschenbach bei Ansbach in Franken. Seine Lebensgeschichte ist aufgrund fehlender äußerer Quellen schwer zu rekonstruieren.
Biografische Daten lassen sich nur aus seinem Werk bzw. Werknotizen entnehmen
und müssen mit entsprechender Vorsicht behandelt werden. Offensichtlich
entstammte er einem bayrischen, verarmten niederen Adelsgeschlecht. Möglicherweise
war er ritterlichen Standes, dies behauptet er zumindest. Eine Ritterschaft
ist jedoch ungeklärt und könnte auch einfach nur die Folge eines
romantischen Mittelalterbildes und den damit verknüpften gesellschaftspolitischen
Wunschvorstellungen des 19. Jahrhunderts sein. Er soll viel auf Wanderschaft
gewesen sein. Nachgewiesen ist u. a., dass er sich wiederholt am Eisenacher
Hof des Landgrafen HERMANN I. VON THÜRINGEN (um 1155-1217) aufhielt,
wo er sich eine Zeit lang als Minnesänger hervortat, sein Epos "Willehalm" schrieb und möglicherweise
mit WALTHER VON DER VOGELWEIDE zusammentraf. Als Literaturmäzen förderte
HERMANN I. VON THÜRINGEN den größten Teil von WOLFRAMs "Parzival"; dem zollt WOLFRAM durch die Epenfigur des Landgrafen
Kingrimursel Respekt. Als nicht gesichert gilt die Annahme, dass WOLFRAM
Teilnehmer am Sängerwettstreit auf der
Wartburg war. Sicher scheint dagegen, dass er u. a. auf Burg Heitstein
der Markgräfin VON VOHBURG, der Schwester LUDWIGs DES BAYERN, Gastfreundschaft
genoss. Dauerhaften Wohnsitz soll er später mit Frau und Kind auf
Burg Wildenberg (wahrscheinlich Wehlenburg bei Ansbach) gehabt haben.
Er starb um 1220 und wurde in der Liebfrauenkirche von Eschenbach beigesetzt.
Sein Grabmal existierte hier noch bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts.
Literarisches Schaffen
Abgesehen von seinem Wirken als Minnesänger wurde WOLFRAM vor allem
durch sein literarisches
Schaffen bekannt. Seine bedeutendsten Werke waren:
Insbesondere der Versroman „ Parzival“ (PDF 1) hatte großen Einfluss auf die zeitgenössische Dichtung. Vollendet um 1210 und mit einem Umfang von nahezu 16 Büchern und 25000 Versen ist "Parzival" als Vorläufer des neuzeitlichen, bürgerlichen Entwicklungsromans anzusehen. Die Grundlage für den Roman bildet die Artussage (der Artusroman "Perceval le Gallois" von CHRÉTIEN DE TROYES war WOLFRAM sehr wahrscheinlich bekannt). Thematisch stehen das Leben des Ritters Parzival und seine Suche nach dem heiligen Gral im Mittelpunkt. Die Einführung des Gralsmotivs durch WOLFRAM bereichert den ritterlichen Rahmen der Handlung um eine religiöse Komponente. Der Gral dient als Symbol für die perfekte Symbiose von Irdischem und Göttlichem.
"Parzival" ist mit über 80 Handschriften überliefert und übertrifft damit alle Epen des Mittelalters, sodass es als das erfolgreichste Werk jener Zeit mit ritterlicher Thematik angesehen wird. KARL SIMROCK übersetzte Parzifal“ ins Neuhochdeutsche (PDF 2). Iins moderne Deutsche übersetzte der Schriftsteller DIETER KÜHN den Roman. Nach der Vorlage des "Parzival" von WOLFRAM schrieb RICHARD WAGNER sein Bühnenweihespiel "Parsifal" (1882). WOLFRAM selbst stellt eine der Hauptfiguren in Wagners Oper "Tannhäuser" (1845) dar.
Neben "Parzival" sind von WOLFRAM insbesondere das Paarreim-Epos „ Willehalm“ (um 1212-1217) und die Minneerzählung „ Titurel“ (nach 1217) bekannt; beide Werke wurden nicht
vollendet. Das Epos "Willehalm" gehört zur sogenannten Kreuzzugsdichtung, die
entstand, weil unter den Kreuzfahrern des von Papst URBAN II. (1088-1099)
initiierten 1. Kreuzzugs der christlichen Ritterschaft Europas zur Eroberung
des Heiligen Landes (Jerusalem) auch einige fahrende Sänger waren.
Die Erzählung "Titurel" wurde von ALBRECHT VON SCHARFENBERG
im so genannten "Jüngeren
Titurel" fortgeführt, einem Text, der als einer
der kompliziertesten des Mittelalters gilt.
Schließlich verfasste WOLFRAM eine Reihe von Liedern, zumeist Liebeslieder
("Wachter
Lieder").
