
ARTHUR MILLER wurde als Sohn eines jüdischen Fabrikanten am 17. Oktober 1915 in New York geboren. Die zunächst florierende Firma seines Vaters musste in der Depression der 1930er-Jahre Konkurs anmelden. So erlebte MILLER sowohl den wirtschaftlichen Aufstieg wie auch den sozialen Zusammenbruch hautnah in der eigenen Familie mit.
MILLER studierte Theaterwissenschaften an der University of Michigan in Ann Arbor. Um sein Studium zu finanzieren, war er unter anderem als Tellerwäscher, Lastwagenfahrer und Fabrikarbeiter tätig. Nach seinem Studium arbeitete er für das Federal Theatre Project. Er lebte nach dem Zweiten Weltkrieg als Hörspielautor und freier Schriftsteller in Hollywood und New York. Von 1956 bis 1961 war er mit MARILYN MONROE verheiratet. 1962 heiratete er die österreichische Fotografin INGE MORATH, mit er bis zu ihrem Tod 2002 zusammenlebte. Von 1965 bis 1969 stand er dem Internationalen PEN-Club (Schriftstellerverband) als Präsident vor. MILLER erhielt neben weiteren wichtigen Auszeichnungen den Pulitzerpreis und den John-F.-Kennedy-Award für sein Lebenswerk.
Literarisches Schaffen
ARTHUR MILLER galt als einer der führenden Vertreter des modernen
amerikanischen Theaters, der in Anlehnung an seine Vorbilder, besonders HENRIK
IBSEN und EUGENE
O´NEILL, gesellschaftskritische
Themen mit neuen technischen Mitteln weitgehend realistisch auf der Bühne
darstellt. Das Theater ist für ihn - genauso wie für IBSEN -
ein Mittel der Aufklärung. Wie
für diesen spielt auch für MILLER die Vergangenheit der Figuren
eine wichtige Rolle - von hier aus wird deren Entwicklung analytisch beleuchtet.
Deshalb zählt MILLER zu den Vertretern des traditionellen, realistischen
Illusionstheaters.
Der Eindruck des finanziellen Debakels, den MILLER in seiner eigenen Familie miterlebte, prägte seine kritische Einstellung zum Kapitalismus. Diesen sieht MILLER als System, in dem menschliche Ideale dem Profitstreben geopfert werden, wobei sich die Hoffnungen des kleinen Mannes als illusionär und trügerisch erweisen - so etwa in All my Sons (1947), MILLERS erstem großen Theatererfolg. In MILLERS bekanntestem Stück Death of a Salesman (1949) sieht der Handlungsreisende Loman für sich keinen anderen Ausweg als den Selbstmord, da all seine Lebensziele entwertet wurden.
Mit dem Mittel der Rückblende beschreibt MILLER geschickt Lomans Vergangenheit, in der er und seine Familie noch Illusionen und Träume hatten. Ein Auszug aus Lomans Requiem (Audio 1) soll dies verdeutlichen.
Die politischen Verfolgungen der McCarthy-Ära
in den 1950er-Jahren bilden den Hintergrund des Theaterstücks The
Crucible (1953), in dem MILLER die puritanischen Hexenprozesse
von Salem im Jahr 1692 mit der Gegenwart verbindet. Anhand des Stückes
wird exemplarisch dargestellt, wie leicht Aberglaube, Intoleranz und Fanatismus
eine scheinbar demokratische Gemeinschaft zerstören können.
Die späteren Stücke MILLERS vertreten eine existentialistische
Position und betonen die individuelle Verantwortung des Menschen,
so beispielsweise After the Fall (1964) und
The Creation of the World and Other Business
(1973).
Aktualität
Die Dramen MILLERS erweisen sich als zeitlos und weiterhin aktuell: Sowohl
Death of a Salesman als auch The
Crucible wurden immer wieder neu verfilmt. Das Drehbuch für
die Verfilmung von The
Crucible im Jahr 1957 schrieb JEAN-PAUL SARTRE (Les
Sorcières de Salem/Die Hexen von Salem, Regie: RAYMOND ROULEAU).
Als Schauspieler wirkten YVES MONTAND und SIMONE SIGNORET mit. Der Film
zu Death of a Salesman wurde unter anderem
1985 mit DUSTIN HOFFMAN in der Hauptrolle gedreht. MILLER selbst schrieb
hier das Drehbuch, und VOLKER SCHLÖNDORFF führte Regie. 1999
wurde das Stück am Broadway wieder aufgenommen und gewann den Tony
Award for the Best Revival.
Am 10 Februar 2005 starb ARTHUR MILLER im Alter von 89 Jahren – vernmutlich an Herzversagen.
Werke
Weitere Werke ARTHUR MILLERS:
Dramen
A View from the Bridge (1955)
Incident at Vichy (1965)
The Archbishop's Ceiling (1984)
I Can't Remember Anything (1986)
The Ride down Mount Morgan (1991)
Broken Glass (1994)
Mr. Peter's Connections (1998)
Erzählung
I Don't Need You Anymore (1988)
Roman
Focus (1945)
Essay
The Theatre Essays (1978)
Drehbücher
The Misfits (1961)
Playing for Time (1980)