Seine literarische Laufbahn begann er mit scharf beobachteten und witzigen Skizzen aus dem Londoner Leben (Sketches, 1834-35) unter dem Schriftstellernamen Boz. Berühmt wurde er durch die Pickwick Papers (1836-37), denen er in rascher Folge eine große Zahl von Romanen folgen ließ, die ebenfalls in einzelnen Lieferungen in den damals sehr populären Familienzeitschriften veröffentlicht wurden. Dadurch erklärt sich der lockere Aufbau vieler seiner Werke. 1850 gründete er die Familienzeitschrift Household Words, die 1859 von All the Year Round abgelöst wurde. Voller Schaffensfreude schrieb DICKENS teilweise an mehreren Romanen gleichzeitig. Reisen führten ihn nach Italien und Amerika, wo er sich für die Abschaffung der Sklaverei und ein internationales Kopierrecht einsetzte.
1857 verließ DICKENS seine Frau, die die Tochter des Herausgebers
des Morning Chronicle war und die er mit 25
Jahren geheiratete hatte, um mit einer jungen Schauspielerin zusammen
zu leben. Die Trennung war skandalös, doch DICKENS zeigte sich weiter
als Person der Öffentlichkeit: Er begann, theatralisch effektvolle
Lesungen abzuhalten, die ihm zusammen
mit seinen Romanen ein hohes Einkommen sicherten. 1870 starb er unerwartet
im Alter von nur 58 Jahren an einem Schlaganfall.
Literarisches Schaffen
DICKENS' frühe Romane wie Oliver
Twist, Nicholas
Nickleby (1839), The Old Curiosity Shop (1841, dt. Der Raritätenladen) sowie die
jährlichen Weihnachtsgeschichten (A Christmal
Carol in Prose, 1841, dt. Ein Weihnachtsmärchen
in Prosa) machten DICKENS zu einem der meist gefeierten Schriftsteller
seiner Zeit.
Sie erzählen humorvoll melodramatische Handlungen aus der Londoner Lebenswelt der niederen und mittleren Stände. In diesen Werken erschloss er der Literatur die Welt der kleinen Leute, der Stiefkinder der Gesellschaft. DICKENS zeichnete teils in rührender Beschaulichkeit, teils in grotesker Übersteigerung originelle Charaktere: Seine Schilderungen sind dabei durchaus realistisch, er strebte jedoch keine Kopie der Wirklichkeit an. Vielmehr versuchte er seine Wahrnehmungen durch Übertreibungen ins komisch Karikierte, ins melodramatisch oder schauerlich Bösartige genau zu bestimmen. Wie kein anderer sprach DICKENS damit das sentimentale Empfinden seiner Leser an, was seine Werke außerordentlich populär machte.
Die Sozialromane
Während DICKENS' Hauptfiguren meist liebenswert-schrullenhaft dargestellt
sind, wodurch sie zum Klischee neigen,
sind die Nebenfiguren detaillierter gezeichnet. In seinen späteren
Romanen sind die Hauptcharaktere weniger liebenswerte Figuren, sondern
muten als fast krankhaft-auffällige Sonderlinge an. In symbolhafterer
Darstellung prangert DICKENS dabei soziale Missstände und Institutionen an, so in Bleak House (1852)
das Gerichtswesen oder in Hard Times (1854,
dt. Harte Zeiten) die Industriewelt. Auf diese Weise macht er das Gewissen
seiner Zeitgenossen für die sozialen Probleme des frühindustriellen
Englands aufmerksam. Vor allem in seinen Weihnachtsgeschichten erkennt
man DICKENS' Hoffnung auf die individuelle Bekehrung zu christlich-humanitären
Werten, die aufgrund der Auswüchse der Industrialisierung mit ihrem aggressiven Kapitalismus und ihrer Ausbeutung verloren gegangen
sind.
Eindrücke seiner Amerikareise (1841) schlugen sich in dem Roman Martin Chuzzlewit (1844) und in dem Essay American Notes (1842) nieder. Teile seines eigenen Lebens verarbeitete DICKENS in dem Roman David Copperfield (1850), das er selbst als sein Lieblingswerk bezeichnete. Der Roman wurde besonders populär, da er Kindheit und Jugend der Hauptperson David Copperfield beschreibt, der schon im Alter von 10 Jahren zur Arbeit geschickt wird und später ein gefeierter Schriftsteller wird.
Der historische Roman A Tale of Two Cities (1859, dt. Zwei Städte) beschreibt London und Paris zur Zeit der Französischen Revolution.
DICKENS begründete mit seinem Werk den sozialen Roman. Durch seine Kritik an den menschlichen Unzulänglichkeiten seiner Zeit gab er den Anstoß für viele soziale Reformen. Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt und erfuhren zahlreiche Bearbeitungen für Film und Bühne.
Werke (Auszug)
Barnaby Rudge (1841)
Dombey and Son (1848, dt. Dombey
und Sohn)
Little Dorrit (1857, dt. Klein
Dorrit)
Great Expectations (1861, Große
Erwartungen)
Our Mutual Friend (1865, Die
Vorherrschaft des Geldes)