
Vom
Empire zum Commonwealth of Nations
Seit Ende des 16. Jahrhunderts besaß England die Vorherrschaft auf
allen Weltmeeren. Wichtige Voraussetzungen dafür waren die erfolgreichen
Seekriege gegen Spanien (Vernichtung der Großen Armada im Jahr 1588)
und gegen die Niederlande. Im Zusammenhang mit der Erlangung der Seeherrschaft
wurde das britische Kolonialreich, das
British Empire,
geschaffen:
Mit umfangreichen königlichen Privilegien ausgestattet legten englische Handelskompanien zunächst überseeische Stützpunkte an, aus denen sich später koloniale Besitzungen entwickelten:
Damit erreichte das koloniale Weltreich Großbritanniens in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts seine größte Ausdehnung. Etwa ein Viertel der Landfläche der Erde und ebenfalls ein Viertel der Erdbevölkerung unterstanden de facto der britischen Krone.
Die Wandlung der Kolonien zu Dominions
Viele der britischen Kolonien waren aber zum Zeitpunkt der größten
Ausdehnung des Empire bereits weitgehend selbständige
Staaten. Seit dem Verlust der nordamerikanischen Kolonien im 18. Jahrhundert
gestand Großbritannien immer mehr kolonialen Territorien den Status
eines Dominion zu. Dieser Status
beschränkte die Abhängigkeit der Kolonie vom britischen Mutterland
nur noch auf Fragen der Außenpolitik und der Verfassung. Insofern
waren die Dominions sich
selbst regierende Staaten innerhalb des British
Empire.
Den Dominion-Status erhielten
| Kanada (1867), Australien (1901), Neuseeland (1907), Südafrika (1910) und Irland (1921). |
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges stiegen die Dominions vollends zu selbstständigen und dem Mutterland gleichgestellten Gliedern des Britischen Reiches auf. An der Friedenskonferenz nach Kriegsende nahmen sie mit eigenen Delegationen teil. Sie traten als autonome Staaten dem Völkerbund bei.
Britisch Commonwealth of Nations
Auf zwei so genannten Empire-Konferenzen
in London 1926 und 1927 wurde die Abhängigkeit
der Dominions fast gänzlich abgeschafft:
Das Westminster-Statut von 1931 schrieb die Ergebnisse der Konferenzen rechtsverbindlich fest. Damit wandelte sich das British Empire zum British Commonwealth of Nations. Der Begriff "Commonwealth" bedeutet soviel wie öffentliches Wohl bzw. Gemeinwesen. Im 17. Jahrhundert war er als Name für den englischen Staat gebräuchlich und wurde auch auf Schottland und Irland ausgedehnt. Seit dem Westminster-Statut firmiert er jedoch als offizielle Bezeichnung für die aus dem British Empire hervorgegangene Staatengemeinschaft. Neben Großbritannien gehörten ihr die bereits oben genannten Dominions an.
Die Entwicklung zum Commonwealth of
Nations
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangten infolge der schwindenden britischen
Vormachtstellung immer mehr Kolonien ihre Unabhängigkeit.
In Britisch-Indien, der "Krone" des ehemaligen Empire, führten
die Jahrzehnte langen Unabhängigkeitsbestrebungen 1947 zum Erfolg.
Nach Erringung der Unabhängigkeit blieb Indien - wie viele andere ehemalige Kolonien in Afrika, Asien, Ozeanien und Zentralamerika - Mitglied des Commonwealth. Im Zuge der Entkolonialisierung verstand sich die Staatengemeinschaft nicht mehr allein als "British", sondern als "multiracial" (multi-ethnisch) Commonwealth of Nations.
Der lose Staatenbund umfasst heute mehr als zwei Dutzend unabhängige, gleichberechtigte, in freier Vereinigung verbundene Staaten. In diesen Staaten ist der britische Monarch
Den Staaten steht der Austritt aus dem Verbund jederzeit frei. Sie können aber auch nach Mehrheitsbeschluss ausgeschlossen werden. So wurde Ende März 2002 die Mitgliedschaft Simbabwes im Commonwealth für ein Jahr suspendiert. 2004 erklärte das von ROBERT MUGABE regierte Land seinen Austritt aus dem Staatenbund.
Gemeinsame Organe, die die Mitglieder auf eine bestimmte Politik festlegen, besitzt das Commonwealth nicht. Allerdings finden alle zwei Jahre Commonwealth-Konferenzen statt. Auf ihnen werden gemeinsame außenpolitische Probleme und Wirtschaftsfragen beraten. Im Jahr 1965 gründeten die Mitgliedsstaaten in London überdies ein für die Organisation und Koordination aller Aktivitäten zuständiges Sekretariat.
Die traditionell engen Beziehungen zwischen dem britischen Mutterland und seinen ehemaligen Kolonien spiegeln
sich in den kulturellen und gesellschaftlichen Eigenheiten der Commonwealth-Staaten
wider:
In vielen Staaten sind die Rechtsprechung und das Bildungswesen nach wie
vor stark britisch geprägt.
Auch sportliche Beziehungen werden gepflegt. So finden alle vier Jahre
die Commonwealth-Spiele mit vollem
olympischen Programm statt.
Überreste des British Empire
Über die ganze Welt verteilt gibt es noch heute Reste des einstigen British Empire. In der Regel handelt es sich
um kleinere Inseln, die noch ganz oder teilweise unter britischer Herrschaft
stehen:
Weitere britische Überseegebiete mit kolonialem Status sind die Jungferninseln, die Insel Montserrat und die Turcs- und Caicos-Inseln in der Karibik sowie die durch den Film Meuterei auf der Bounty bekannte Insel Pitcairn im Südpazifik. Deren Einwohner sind (neben Tahitiern) die Nachkommen der 1790 gelandeten Bounty-Meuterer.