
"The
capacity of a car's trunk does not change as the owner acquires experience
in packing luggage into it. Nonetheless, the amount of material that can
be packed into the trunk does change."
(R. S. Siegler, Children's Thinking, 1986)
Dieses Zitat lässt sich sehr gut auf die Leistungen des Gedächtnisses anwenden. Ähnlich wie beim Kofferraum eines Autos, hängt auch das mentale Fassungsvermögen zum großen Teil von den angewandten Lerntechniken ab. Das Wissen um solche Methoden wird meta-memoriales Strategiewissen genannt.
Das mentale Lexikon
Als mentales Lexikon bezeichnet man den Teil des Gedächtnisses, in
dem Wissensstrukturen repräsentiert
sind. Es gilt als Schnittstelle zwischen sprachlichen und konzeptuellen
Strukturen, die bei der Worterkennung
und Wortsuche jeweils ineinander umgewandelt
werden. Das mentale Lexikon wird als ein Wurzellexikon
aufgefasst. In ihm sind einfache Wortformen gespeichert, aus denen mit
Hilfe der ebenfalls internalisierten Wortbildungsregeln
komplexe Wortformen gebildet werden. Eine wichtige Strategie der Wortschatzarbeit
besteht deshalb im Lernen der Wortbildungsregeln, um so viele Wörter
wie möglich selbst ableiten zu können.
Außerdem sind Wörter im mentalen Lexikon mit spezifischen Merkmalskomponenten
gespeichert. Hier unterscheidet man formale Komponenten (wie hört
sich das Wort an, wie wird es geschrieben) und lexikalische Komponenten
(was bedeutet das Wort, wie wird es in den Satz eingefügt). Je mehr
dieser Komponenten eines Wortes sich der Lernende bewusst macht, desto
besser kann er sich das Wort einprägen.
Ordnungsprinzipien des mentalen Lexikons
Da jedes Wort nicht isoliert, sondern in komplexen Zusammenhängen
gespeichert wird, ist es in eine Vielzahl untereinander vernetzter Ordnungssysteme
eingebunden. Dazu zählen:
Je besser ein Wort in die verschiedenen Ordnungssysteme eingebunden ist,
desto leichter kann es passiv (bei der Worterkennung) oder aktiv (bei
der Wortsuche) abgerufen werden.
Die Lernertypen
Welche Methoden der Wortschatzarbeit besonders wirkungsvoll sind, hängt
auch vom jeweiligen Lernertyp
ab. Nicht alle Menschen lernen auf dieselbe Weise. Nur 5 bis 10% erwerben
neues Wissen überwiegend abstrakt-begrifflich; andere sind hingegen
eher visuell-anschaulich, akustisch, haptisch oder praktisch orientiert.
Deshalb ist es wichtig, aus der Vielzahl der Lernstrategien diejenigen
auszuwählen, die der eigenen Veranlagung entspricht.
Phasen der Wortschatzaneignung
Wie gut sich ein neu erlerntes Wort einprägt, ist zudem abhängig
von seiner Einbettung in vertraute Kontexte,
seiner Relevanz und Verarbeitungstiefe. Je öfter es wiederholt wird,
desto besser wird es erinnert, wobei das Wort je nach Lernertyp 5 bis
7 Mal memoriert werden sollte, um es vor dem Vergessen zu schützen.
Zur Aneignung und Festigung neuen Wortschatzes empfiehlt es sich, in mehreren
Schritten vorzugehen.
Semantisierung
Die Phase der Bedeutungserschließung wird als Semantisierung
bezeichnet. Aufgrund der unterschiedlichen Lernertypen sollten hierbei
so viele Eingangskanäle wie möglich
genutzt werden. Ein Wort und seine Bedeutung prägen sich nachhaltiger
ein, wenn sie nicht nur gelesen, sondern zudem auch gesprochen, geschrieben
und bildlich dargestellt werden.
Verfahren zur selbstständigen Aneignung von Vokabular (Eigensemantisierung)
sind:
Vernetzung
Das Bildgedächtnis des Menschen ist sehr stark ausgeprägt. Deshalb
bietet es sich an, Wörter mit Abbildungen
zu verknüpfen, wie dies beim Wortdomino
oder Wortmemory geschieht. Für
einzelne, schwer zu merkende Wörter empfiehlt sich die kreative
Wortbildgestaltung, bei die Bedeutung eines Wortes im Schriftbild
visualisiert wird. (Bsp.: So könnte man zur Veranschaulichung des
Wortes pollution anstatt der beiden l
zwei rauchende Schornsteine zeichnen). Besonders für das Erlernen
von Redewendungen (Bsp.: having
someone round for dinner) eignet sich eine bildliche Darstellung
auf der Grundlage wortwörtlicher Übersetzung.
Auch mit Hilfe von Reimen oder Liedern
lassen sich neue Wörter leichter vernetzen. Solche Methoden der Verknüpfung
gehören zu den so genannten Mnemotechniken.
Des weiteren können Sonnengraphen oder Assoziogramme,
in denen verschiedene Wörter eines Sachfeldes durch Linien miteinander
verbunden werden (beach, (to) swim, water, sand, etc.),
das Lernen erleichtern.
Umwälzung
Um die Ordnungsprinzipien des mentalen Lexikons zu nutzen, sollte von
Zeit zu Zeit eine Art Umwälzung des Vokabulars stattfinden, damit
die Verwendung von Wörtern in neuen Kontexten und Verbindungen eingeübt
werden kann. Hierfür eigenen sich:
Allgemeine
Verfahren zur Festigung des Wortschatzes
Effektiv ist das Erlernen neuer Vokabeln insbesondere dann, wenn nicht nur
das einzelne Wort, sondern auch die mit ihm verbundene Wortgruppe eingeübt
wird. Sprachliche Wendungen (it serves no purpose statt purpose), lexikalische (good
sight) oder syntaktische Kollokationen ((to)
give something to someone) helfen,
sich die Verwendungsweisen neu erlernter Wörter zu erschließen.