
Sprachliche Einflüsse
Der nachhaltige Einfluss des Skandinavischen wird deutlich an den über
1 400 Ortsnamen,
die sich im ehemaligen Gebiet des Danelaw finden,
vor allem im heutigen Yorkshire und Lincolnshire (englische Ostküste).
Norweger ließen sich vor allem im Nordwesten Englands nieder (heutiges
Cumbria).
Besonders häufig findet sich die Endung -by,
die farm oder town
bedeutet. Sie lässt auf dänische Besiedlung und deren weite
Verbreitung schließen: Whitby, Grimsby, Derby,
Rugby, Thoresby
Auch die Endung -thorp (Dorf) ist altnordischen
Ursprungs:
Althorp, Bishopsthorpe, Linthorpe
Das Suffix -thwaite, das ein isoliertes Stück
Land bezeichnet:
Applethwaite, Langthwaite
Ein Indiz für den skandinavischen Ursprung eines Wortes ist die
Konsonantenfolge sk in Wörtern wie sky,
skin, skull, skirt. Das in seiner Bedeutung und Aussprache sehr
ähnliche Wort shirt hingegen stammt aus dem Altenglischen, da sc in scyrte durch einen Wandel in der Aussprache zu sh wurde. Diese sprachliche Veränderung hat auch bei den Wörtern fish und ship stattgefunden.
Auffällig an der englischen Sprache ist, dass es oft zwei oder mehr
Begriffe für dasselbe Phänomen gibt.
Für Himmel gibt es das aus dem Altnordischen
hervorgegangene sky, aber auch das altenglische
Wort heaven. Ebenso gibt es für das Adjektiv krank die Bezeichnungen ill und sick.
Manche altnordischen Lehnwörter haben auch die englischen Entsprechungen im Sprachgebrauch verdrängt,
wie im Fall von egg gegenüber dem vorhandenen
altenglischen Begriff eiren.
Zu wichtigen altnordischen Entlehnungen für das moderne Englisch gehören außer den bereits genannten
folgende Wörter: birth, to get, to give, leg,
loose, low, race, reindeer, rotten, seat, sister, to take, to want, window.
Einige dieser Lehnwörter wie die Verben to get und to give gehören zu meistgebrauchten
im heutigen Englisch. Insgesamt sind etwa 900 Wörter skandinavischen
Ursprungs in den modernen englischen Wortschatz eingegangen.
Die Franzosen übernehmen die
Herrschaft
Zu den wichtigsten Daten in der englischen Geschichte gehört das
Jahr 1066, in der die Schlacht bei Hastings an der Südküste Englands stattfand. Normannische Siedler, die
sich in der heutigen Normandie niedergelassen und die Herrschaft des französischen
König anerkannt hatten, überquerten den Ärmelkanal. Sie
besiegten den englische König HAROLD II. unter der Führung von
WILHELM, der fortan den Beinamen der Eroberer -WILLIAM THE CONQUEROR - trug und Weihnachten 1066 in London zum König gekrönt wurde.
Nach der Normannischen Eroberung (Norman
Conquest) wurde der gesamte englische Adel abgesetzt, an seine
Stelle traten Franzosen.
Auswirkungen auf die englische Sprache
Die neuen Herrscher sprachen ihre Muttersprache Französisch und zeigten kein Interesse daran, sich die Landessprache Englisch anzueignen.
Innerhalb der gesellschaftlichen Oberschicht und am Hof sollte dieser Zustand etwa
200 Jahre andauern. Der Großteil der Bevölkerung hingegen sprach
nach der Normannischen Eroberung weiterhin Englisch.
Sprachgeschichte
Die Geschichte der englischen Sprache wird in drei Perioden eingeteilt:
450-1150 Altenglisch, 1150-1450 Mittelenglisch und 1450-1700 Frühneuenglisch. Die Abgrenzung des Mittelenglischen vom Altenglischen wird vor allem durch
den starken französischen Einfluss bestimmt. Im Vergleich zum Lateinischen
wirkte die französische Sprache nicht in mehreren Phasen der Sprachentwicklung,
sondern dominiert die gesamte mittelenglische Periode. Dieser über
Jahrhunderte andauernde direkte Sprachkontakt hat das moderne Englisch
grundlegend geprägt.
Wortschatz
Zu den ersten Entlehnungen aus dem Französischen gehören Titel und Ämter, darunter baron,
dame, messenger, noble, servant und Rangbezeichnungen wie count, countess, duke, duchess, prince, princess,
marquis, squire sowie die respektvollen Anreden sir,
madam, mistress.
Begriffe, die mit Regierung und Verwaltung zusammenhängen, wie empire, to govern, government,
liberty, majesty, parliament, reign, royal, tax, wurden in derselben
Zeit aus dem Französischen übernommen.
Da die Kriegsführung im Mittelalter
eine unvermeidliche Aufgabe jedes Herrschers war, ist auch der militärische
Wortschatz französisch geprägt. Noch heute werden Begriffe verwendet,
die im Mittelalter entlehnt wurden, unter ihnen arms,
battle, enemy, guard, soldier, spy.
Das Gebiet des Rechts wurde durch den
französischen Einfluss grundlegend umgestaltet, so dass justice und equity statt der altenglischen Bezeichnung gerihte verwendet wurden, ebenso judgment statt doom, crime statt synn,
gylt oder undd. Im heutigen Englisch
häufig verwendete Wörter wie to arrest,
to blame, (to) judge, jury, to pardon, petition, prison sind ebenfalls
auf den französischen Einfluss zurückzuführen.
Auch das französische Wortfeld Kirche wurde umgehend ins Englische eingeführt: einerseits Amtsbezeichnungen
wie cardinal, friar, parson, vicar, andererseits
Gegenstände wie abbey, chancel, crucifix, priory und abstrakte Begriffe des religiösen Lebens (faith,
mercy, miracle, saint, temptation, trinity, virgin).
Dasselbe gilt für Mode (coat,
gown, robe, angefertigt durch den tailor), Schmuck (button,
crystal, diamond, ivory, jewel, pearl), Essen im weiteren Sinne (die Mahlzeiten dinner, supper, Nahrungsmittel wie bacon, biscuit, cream, salmon,
sausage, orange, raisin, tart, toast), Kunst (art, beauty, colour, image, music), Architektur (ceiling, cellar, chimney, palace, tower) und Medizin (malady,
pain, plague, poison, surgeon).
Nicht immer verdrängte das neue französische Wort den entsprechenden
englischen Begriff. Das wird besonders deutlich bei der Bezeichnung von
folgenden Tieren:
Deutsch |
Englisch |
Französisch |
| Rind | ox | beef |
| Schaf | sheep | mutton |
| Schwein | swine | pork |
| Kalb | calf | veal |
Während im Französischen mit dem Wort das Tier benannt wird,
bezeichnen die Entlehnungen im Englischen das jeweilige Fleisch im Gegensatz
zum lebendigen Tier.
Schließlich setzte sich Englisch als gesprochene Sprache durch.
Im 15. Jahrhundert wurde Französisch auch in der Schriftsprache verdrängt.
Die Vielfalt des englischen Wortschatzes, die zu Beginn der Renaissance durch den französischen und den lateinischen
Einfluss erreicht war, führte zu einem großen Reichtum
an Synonymen. Diese sind teilweise
auch im modernen Englisch noch erhalten. Das englische Wort wird oft für
einen bestimmten Sachverhalt im Alltag verwendet, das französische
meist in der Literatur, das entsprechende lateinische vor allem im wissenschaftlichen
Bereich. Die folgende Tabelle soll einen Eindruck des sprachlichen Reichtums
geben:
Deutsch |
Englisch |
Französisch |
Latein |
| Feuer | fire | flame | conflagration |
| fragen | to ask | to question | to interrogate |
| sicher | fast | firm | secure |
Wortbildung
Die Assimilation französischer
Wörter ist an verschiedenen Wortbildungen im Englischen zu beobachten. So ergaben sich bald nach der Übernahme
des Adjektivs gentile die Komposita gentlewoman und gentleman, das dazu gehörige Substantiv gentleness und das Adverb gently.
Häufig wird ein französisches Lehnwort mit einem englischen Präfix oder Suffix verbunden, so dass sich neue Wörter wie un-gracious oder poor-ness ergeben.