Englisch im pazifischen Raum
Die Sprachsituation
im pazifischen Raum stellt sich als sehr komplex und vielschichtig
dar.
- Einerseits gibt es eine Vielzahl an so genannten indigenen
Sprachen oder indigenous
languages - Sprachen, die schon sehr lange in dieser Region gesprochen
werden. Auf Papua Neuguinea zum Beispiel
geht man von bis zu 750 (oder mehr) indigenen Sprachen aus, die bis
heute existieren.
- Andererseits wurde im Zuge der Kolonialisierung seit Ende des 18.
Jahrhunderts die englische Sprache im pazifischen Raum eingeführt.
Auf der Basis des Englischen entstanden auf den einzelnen Inseln verschiedene
pidgins. Aus diesen vereinfachten Hilfssprachen
entwickelten sich im Laufe der Zeit die komplexeren
Kreolsprachen
(
creoles), wie zum Beispiel das
Tok
Pisin (in Papua Neuguinea) oder
Bislama
(auf Vanuatu). Diese und andere kreolische Sprachen werden bis heute genutzt.
Außerdem entstand eine für die Region spezifische Variante des
Englischen, das pazifische Englisch oder
Pacific
English. Trotz gewisser Gemeinsamkeiten
unterscheidet sich dieses von anderen Varianten der englischen Sprache,
zum Beispiel vom
Standard British English. Im
folgenden wird das
Pacific English hinsichtlich
Verbreitung, Status und besonderer Merkmale kurz charakterisiert:
Verbreitung des Pacific English im pazifischen Raum
Der Gebrauch des
Pacific English erstreckt sich
unter anderem auf folgende Staaten:
| Papua Neuguinea |
Tuvalu |
| Samoa |
Vanuatu |
| Fidschi |
Kiribati |
Föderierte Staaten von
Mikronesien |
Marshallinseln |
Außerdem spielt die englische Sprache auch eine wichtige Rolle in
einigen Gebieten, die von anderen Staaten abhängig sind. Dazu gehören
unter anderem Amerikanisch-Samoa (externes Territorium der USA), die Cookinseln
(zu Neuseeland) und die Pitcairn-Inseln (Britische Kronkolonie).
Status des Pacific English im pazifischen
Raum
In der Mehrzahl der oben genannten unabhängigen Staaten gilt Englisch
als
Amtssprache (
administrative
language) bzw. als
offizielle
Landessprache (
official language). Dies bedeutet:
- der Status einer bestimmten Sprache als Amtssprache ist in der Regel
per Gesetz festgelegt und
- die jeweilige Amtssprache wird in offiziellen und öffentlichen
Situationen genutzt.
Das heißt, eine
Amtssprache wird
im
Bildungsbereich, im Schriftverkehr,
im öffentlichen Rundfunk, in
offiziellen Dokumenten und in vielen anderen Bereichen des öffentlichen
Lebens gesprochen und geschrieben.
Neben der
Amtssprache Englisch haben
einige der genannten Staaten oft noch
weitere
Sprachen mit diesem Status. Es existieren also teilweise zwei (oder
mehr) Amtssprachen nebeneinander. So sind zum Beispiel Englisch, Französisch
und Bislama (ein Kreol) die Amtssprachen von Vanuatu. In anderen Ländern
haben neben dem Englischen auch einige der
indigenous
languages diesen Status.
Der Status einer Sprache als Amtssprache sagt nichts über deren tatsächlichen
Gebrauch aus. Obwohl Englisch oft eine der Amtssprachen in den genannten
Staaten ist, dominieren häufig indigene Sprachen oder
creoles,
die ja teilweise auch diesen Status besitzen.
Englisch als Zweitsprache im pazifischen Raum
Ein Großteil der Bevölkerung in den genannten Gebieten spricht
Englisch als
Zweitsprache (
second
language). Eine Zweitsprache wird definitionsgemäß als
zweite Sprache - nach dem Erwerb der Mutter- oder Erstsprache - erworben
oder erlernt. Für den pazifischen Raum bedeutet dies, dass sehr viele
Menschen zuerst ihre
Muttersprache -
in Form einer der zahlreichen indigenen Sprachen oder eines Kreols - beherrschen,
bevor sie Englisch lernen. Teilweise stellt Englisch für einzelne Sprecher
auch eine
Drittsprache bzw.
third language dar. Nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung
der Staaten im pazifischen Raum kann als Englisch-Muttersprachler bezeichnet
werden.
Sprachliche Besonderheiten des Pacific English
Die besonderen Merkmale des
Pacific English ergeben
sich dadurch, dass Englisch hauptsächlich als Zweitsprache in dieser
Region gesprochen wird. Die jeweiligen Muttersprachen der verschiedenen
Sprecher beeinflussen also das Englische hinsichtlich Aussprache, Vokabular
und grammatischer Strukturen. Entsprechend ist das
Pacific
English keine einheitliche Sprache, sondern tritt in Varianten auf.
Dabei lassen sich generell zwei große
Varietäten
unterscheiden:
- Einerseits gibt es eine Form des pazifischen Englisch, die hauptsächlich
von den Bewohnern des pazifischen Raumes gesprochen und geschrieben
wird, die einen relativ hohen Bildungsstand
haben. Sie beherrschen die englische Sprache sehr gut und setzen sie
in fast allen Situationen ein. Diese Variante, die auch als Educated
Pacific English bezeichnet werden könnte, besitzt grammatische
Strukturen, die in fast allen genannten Gebieten übereinstimmen.
Das Educated Pacific English weist also eine
geringe grammatische Variabilität auf, während sich die Aussprache
und das verwendete Vokabular von Staat zu Staat unterscheiden. Ein weiteres
Merkmal dieser Variante sind die Ähnlichkeiten mit dem Englisch
in Australien, von dem es sich aber auch in vielen Punkten unterscheidet.
- Andererseits gibt es das pazifische Englisch,
das hauptsächlich von Sprechern mit
einem geringeren Bildungsstand verwendet
wird. Für diese ist außerdem typisch, dass sie die englische
Sprache weniger gut beherrschen und daher auch viel seltener nutzen.
Das Merkmal dieser Variante besteht darin, dass sich die grammatischen
Strukturen von Staat zu Staat sehr stark unterscheiden.
Das
Educated Pacific
English zeichnet sich unter anderem durch folgende grammatische Merkmale
aus:
| |
Educated Pacific
English |
Standard English |
| Wegfall der
past tense-Endungen |
They should have lock
the door.
This office is close from 12 to 1. |
They should have locked
the door.
This office is closed from 12 to
1. |
| one
of + Singular des Substantives: |
One of my
friend will bring it. |
One of my
friends... |
| spezifischer
Gebrauch von Präpositionen: |
I read about it on
the newspaper.
To my opinion... |
I read about it in
the newspaper.
In my opinion... |
| Gebrauch von
non-count nouns als count nouns: |
We need more furnitures
in this office. |
We need more furniture
in this office. |
Im Bereich des Vokabulars
sind in allen Varianten des Pacific English
natürlich die Wörter und Redewendungen auffällig, die aus
den indigenen Sprachen und den englisch-basierten creoles
übernommen bzw. entlehnt wurden.
Als Beispiele sollen hier genannt werden:
| |
lavalava |
= a sarong |
| |
wantok |
= a person
from the same area, friend |
| |
bilum |
= a string-bag |
| |
meri
blouse |
= a woman's
dress |
| |
talanoa
session |
= a story-telling
session |
| |
go
finish |
= to leave
the country permanently |
| |
something
nothing |
= something
of no importance |
Einige dieser Wörter und Redewendungen werden universell im Pacific
English gesprochen, andere hingegen sind nur auf bestimmte Regionen
begrenzt. Außerdem gibt es einige Wörter,
die den indigenen Sprachen des pazifischen Raums entstammen und
inzwischen in das Standard
English und in andere Sprachen übernommen wurden. Dies gilt zum
Beispiel für taboo, tatoo oder ukulele.