Literarisches Schaffen
Der Roman Uncle Tom's Cabin,
durch den HARRIET BEECHER-STOWE weltweit bekannt wurde, erzählt die
Geschichte des frommen alten Sklaven
Onkel Tom, der von seinem guten Herrn Mister Shelby verkauft werden muss.
Zunächst geht es Tom bei seinem neuen Master Augustine St Clair und
dessen Tochter Eva gut, als diese jedoch sterben, wird er wieder verkauft.
Dieses Mal gerät Tom an den brutalen Plantagenbesitzer Simon Legree,
der ihn zu Tode prügelt. Shelbys Sohn, der Toms Weg verfolgt hat,
kann ihn nur noch beerdigen. Parallel zu dieser Handlung wird die Geschichte
von Eliza erzählt, die ebenfalls Sklavin von Shelby war, und der
zusammen mit ihrer Tochter die gefährliche Flucht vor den Sklavenfängern
in die Freiheit nach Kanada gelingt, bei der sie auch ihren Mann wiederfindet.
BEECHER-STOWE schildert in dem Roman teils erbaulich humorvoll, teils
anklagend die Lebensbedingungen der schwarzen Sklaven. Dabei zeigt sie
auf, wie der Handel mit Sklaven eine
der Zentralinstitutionen der Gesellschaft zerstört, nämlich
Ehe und Familie. Andererseits stellt sie die Sklaven in Gestalt des Titelhelden
als die besseren Christen dar.
Sie schildert dabei eindrucksvoll die Ängste, die entstehen, wenn
Familien auseinandergerissen werden, und zeichnet ein scharfes Bild der
Kontraste zwischen den Nord- und den
Südstaaten. Dieses Bild beruht
auf BEECHER-STOWEs eigenen Beobachtungen, die sie auf einer Reise in Kentucky
gemacht hatte, und es vertritt abolitionistisches Gedankengut: BEECHER-STOWE
setzt sich in Uncle Tom's Cabin für die
Abschaffung der Sklaverei
ein.
Nach einem Gesetz, das 1850 verschärft wurde, waren die Bürger der Nordstaaten verpflichtet, entlaufene Sklaven an ihre früheren Besitzer wieder auszuliefern. Andernfalls machten sie sich strafbar. Die Frage der Sklaverei begann die Vereinigten Staaten immer mehr zu spalten, sodass es 1861-65 zu einem Bürgerkrieg kam, bei dem die Nordstaatler den Sieg errangen. Der Roman war also in seinem Erscheinungsjahr 1852 von äußerst politischer Brisanz und wurde zu einem der politisch wirksamsten Bücher der amerikanischen Literatur, da er viele Nordstaatler dazu bewog, sich aktiv mit der Frage der Sklaverei auseinanderzusetzen.
Das Werk wurde lange von der Literaturkritik als zu sentimental, zu religiös und außerdem von rassistischen Tendenzen nicht frei angesehen. Erst später erfuhr es zum Teil eine Neubewertung als sorgfältig strukturierte Darstellung der Sklaverei und des Rassismus.
Ihre Aussagen über die Lebensverhältnisse der Sklaven wurden von Kritikern angezweifelt, doch BEECHER-STOWE erhärtete sie durch eine weitere Veröffentlichung, in der sie umfangreiches Quellenmaterial gesammelt hatte: A Key to Uncle Tom's Cabin (1853, dt. Schlüssel zu Onkel Toms Hütte), und durch den Roman Dred. A Tale of the Great Dismal Swamp (1856, dt. Dred. Eine Erzählung aus den amerikanischen Sümpfen), der sich dem moralisch korrumpierenden Einfluss der Sklaverei auf die Sklavenhalter zuwendet.
BEECHER-STOWE verfasste auch religiös engagierte Romane über das puritanische Neuengland wie The Minister's Wooing (1859, dt. Des Predigers Brautwerbung) oder Oldtown Folks (1869). Kinderbücher, Gedichte, theologische Schriften, Abhandlungen über die Stellung der Frau sowie der autobiografische Roman Palmetto-Leaves (1873) gehören ebenfalls zu BEECHER-STOWEs literarischem Schaffen.