


Der folgende Artikel versucht, einen Überblick über die unterschiedlichen Bereiche zu geben, die maßgeblich von der englischen Sprache beeinflusst sind. Die "neudeutschen" Begriffe sind kursiv gesetzt.
Die Verbreitung des Englischen im
alltäglichen Sprachgebrauch
In Zusammenhang mit Technik werden
englische Begriffe international verwendet. Der Computer
ist unser Portal zum Internet: Im World
Wide Web (www) lassen sich beim Surfen
unzählige Homepages besuchen und Dateien
downloaden. Die Tatsache, dass englische Verben
wie to download oft wie deutsche Verben konjugiert
werden, kennzeichnet ihre gelungene Integration in den deutschen Wortschatz.
Im Internet finden sich viele Provider,
bei denen kostenlose e-mail-Accounts eingerichtet
werden können, so dass jedermann und jedefrau e-mails
oder kürzer mails versenden und erhalten
kann, die beim Empfänger in der Inbox
ankommen. Die Abkürzungen RAM und ROM
unterscheiden sich nur in einem Buchstaben, bezeichnen aber verschiedene
Dinge (random access memory und read
only memory).
Besonders Kinder und Jugendliche spielen mit ihrer Playstation,
für die kein zusätzlicher Joystick
mehr nötig ist. Der Trend in der Unterhaltungselektronik
bewegt sich seit einigen Jahren weg vom Videorekorder hin zum qualitativ
besseren DVD-Player (für Digital
Versatile Disc).
Auch die Berufswelt ist stark
durch das Englische beeinflusst: Manager sind
im Big Business involviert. Um die guten Public
Relations eines Unternehmens kümmern sich spezielle Mitarbeiter.
Bei der Arbeitsteilung innerhalb von Unternehmen wird immer häufiger
von der Strategie des Outsourcing gesprochen,
also der Übertragung von Teilaufgaben an andere Unternehmen -
auch beim Verb to outsource wird mittlerweile,
wenn auch noch zögerlich, die deutsche Konjugation angewendet.
Ein jeder tut gut daran, die Kunst des Smalltalk
zu beherrschen, beispielsweise bei einem Business
Lunch oder auf einer privaten Cocktail-Party,
wobei exquisites Catering von Vorteil ist.
Die Speisen dürfen gern light sein, denn
durch den Mangel an Bewegung - wer schafft schon das tägliche
Joggen - setzt so mancher schnell Fett
an, nicht nur vom Fastfood, sondern auch von
kleinen Snacks bei den häufigen Meetings.
In diesen Besprechungen finden Brainstormings
statt, oder es wird ein Feedback eingeholt.
Notizen aller Art werden heutzutage gern auf einem Flipchart
festgehalten. Für Präsentationen kommen immer häufiger
Laptops zum Einsatz, wobei die Informationen
mit einem Beamer an die Wand projiziert werden.
Ebenso ist das Wortfeld der Musik
stark durch englische Einflüsse geprägt: Menschen mit einem
Walkman gehören heute nicht mehr zum täglichen
Straßenbild, vielmehr ist die tragbare Kassette dem kompakten MP3-Player
gewichen, der mit Anti-Shock und einem Bass
Boost System ausgerüstet ist und über eine Random-Funktion
verfügt.
In Clubs legt ein DJ auf, wobei auch die verschiedenen modernen Musikrichtungen
fast ausschließlich englische Bezeichnungen tragen (rock
'n' roll, heavy metal, drum and base).
Neue Bands werden oft durch einen Sampler
bekannt, auf dem sich ihr Hit befindet. Gruppen,
die den Durchbruch schaffen, sind dann live in concert
zu hören, proudly presented von einer
Konzertagentur. Vor jedem Auftritt ist ein Soundcheck
erforderlich. Die einzelnen Bandmitglieder halten sich vor und nach dem
Auftritt im Backstage-Bereich auf, zu dem Fans
normalerweise keinen Zutritt haben, es sei denn, sie haben gute connections
und standen beim Einlass auf der Gäste- oder auch VIP-Liste.
VIP für very important person ist nur
eines von zahlreichen Beispielen dafür, dass auch englische Abkürzungen
unseren Alltag prägen. Das trifft besonders für internationale
Organisationen zu, die meist englische Namen tragen (UN -
United Nations, UNO - United
Nations Organization, UNESCO - United
Nations Educational, Scientific,
and Cultural Organization, UNICEF - United
Nations Children's Fund, AI - Amnesty
International).
Aber auch andere Phänomene tragen englische Bezeichnungen: Man ermittelt
den IQ einer Person (intelligence
quotient) und benennt Krankheiten oft mit dem englischen Akronym
(d. h. einem aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes
Wort wie AIDS für Acquired Immune Deficiency
Syndrome oder auch SARS für Severe Acute
Respiratory Syndrome).
Ebenso hat sich der Begriff sms (für short message service) etabliert, man hört sogar ein Verb "s[i]msen", wobei das Handy für deutsche Muttersprachler die Gefahr eines false friend birgt: Im Englischen wird es als mobile phone bezeichnet. Ist der Gesprächspartner nicht erreichbar, spricht man eine Message auf dessen Mailbox.
In Drogerien kann man problemlos nach Preshave, Aftershave oder einer Bodylotion fragen, ohne mit diesen englischen Wörtern auf Unverständnis zu stoßen. Auch für die Kosmetik gilt, dass viele Produktbezeichnungen teilweise oder ganz in Englisch (Lipgloss, Shampoo, Shower Gel) gehalten sind. Die Werbung bedient sich gezielt der englischen Sprache, um Kunden mit Adjektiven wie new, fresh, clean, soft, shining zum Kauf eines Produkts von vermeintlich bester Qualität zu motivieren.
Beim Fernsehen wird selbstverständlich vom Pay-TV gesprochen, und nicht nur dort kann man für Stars voten. Englische und amerikanische Fernsehsendungen werden in Deutschland oft mit dem Originaltitel ausgestrahlt, natürlich nur, solange es keinen Blackout gibt und wir ohne Stromversorgung im Dunkeln sitzen. Auch der Aktienmarkt (stock market) wird von vielen Menschen eifrig verfolgt, die auf den shareholder-value achten.
Viele Sportarten
haben englische Bezeichnungen: Man spricht beispielsweise von Basketball,
Volleyball, Aerobic, Callanetics. Beim Tennis
spielt man ein Match. Die Anleitung erfolgt
von einem Coach oder Trainer.
Wer nicht zum Training seines Teams
geht und sich dort an der Leitlinie des gemeinsamen Fair
Play orientiert, hat oft ein Abonnement im Fitness-Center.
Gründe für die Verbreitung
des Englischen
Verständnisprobleme treten bei der englischen Durchsetzung des deutschen
Wortschatzes nur anfänglich, wenn überhaupt auf. Das liegt nicht
zuletzt daran, dass Englisch in vielen Ländern die erste
Fremdsprache ist und wir es gewöhnt sind, täglich Englisch
zu hören und zu lesen. In anderen europäischen Ländern,
die die hohen Kosten für die Synchronisation von Kinofilmen vermeiden,
ist der Sprachkontakt noch ausgeprägter.
Dieser Vormarsch der englischen Sprache hängt mit ihrem Status als moderne Lingua franca ("fränkische Sprache") zusammen. Mit diesem Ausdruck wurde ursprünglich eine romanische Mischsprache bezeichnet, die in der Mittelmeerregion zur Verständigung beim Handel gesprochen wurde. Dieses Phänomen einer vereinfachten Mischsprache wird in der Sprachwissenschaft als Pidgin (nach der chinesischen Aussprache von business) bezeichnet. Historisch betrachtet steht die Ausbreitung der englischen Sprache und die Entstehung von Pidgins in vielen Teilen der Welt in unmittelbarem Zusammenhang mit dem British Empire: Häufig sind im Zuge des englischen Imperialismus und Kolonialismus der vergangenen Jahrhunderte Englisch und die lokale Sprache verschmolzen. Englisch ist auch heute noch in den Staaten des heutigen Commonwealth von großer Bedeutung.
Im weiteren Sinne wird mit Lingua franca auch
heute noch ein Sprachbehelf bezeichnet, der der Kommunikation von Menschen
mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen dient. Englisch erfüllt diesen
Zweck schon lange nicht mehr nur auf der Geschäfts- und Handelsebene,
sondern hat - wie dargestellt - in zahlreiche weitere Gebiete
Einzug erhalten.
Insbesondere die Werbung macht sich
Englisch zunutze, einerseits weil die Sprache viele kurze und daher eingängige
Wörter besitzt und im Bereich neuer Wortbildungen (Neologismen)
sehr flexibel ist. Andererseits werden englische Ausdrücke oder Phrasen
- bewusst oder nicht - von vielen Nichtmuttersprachlern als
modern und fortschrittlich eingestuft. So erklärt sich die stetige
Anreicherung des Deutschen, die auch in der Kinder- und Jugendsprache
deutlich zu beobachten ist. So haben sich die Adjektive hip
und vor allem cool etabliert, um Sachverhalte
und Personen, die als modern, vorbildhaft und nachahmenswert gelten, zu
charakterisieren.