Irisch ist zwar
die offizielle Nationalsprache in Irland, tatsächlich wird es aber
nur noch in einigen wenigen Orten Irlands gesprochen, den sogenannten
Gaeltacht-Gebieten.
Es handelt sich dabei um den Westen des Kreises Donegal in Ulster, weiterhin
um westliche Gebiete der Kreise Mayo und Galway in Connacht und einige Gebiete
in den Kreisen Waterford, Cork und Kerry in Munster. Außerhalb dieser
Gebiete wurde Irisch als Umgangs- und Geschäftssprache vollständig
vom Englischen abgelöst.
Charakteristika:
Gemeinsam mit den übrigen
inselkeltischen
Sprachen (Inselkeltisch) hat die
irische
Sprache alte Züge aus
indogermanischer
Zeit bewahrt: kein Infinitiv, konjugierte Präpositionen, Anordnung
der Satzglieder in der Reihenfolge: Verb-Subjekt-Objekt, Tendenz zur nominalen
Umschreibung von Zustandsverben, Fälle von Parataxe statt Subordination;
primär phonetisch bedingte Anlautsveränderungen in Wortgruppen,
u. a.
Es gibt zwe
i Konjugationsschemata der Verben.
Die einfachen Zeitformen werden nur für allgemeine Handlungen und Verläufe
verwendet, während konkrete Handlungen analog zum Englischen im Allgemeinen
durch die Verlaufsform ausgedrückt werden. Da kein Infinitiv existiert,
werden Verben in Wörterbüchern im
Inflektiv,
also als Verbwurzel ohne Flexionsendung, aufgeführt. Neben elf
unregelmäßigen Verben kennt das Irische auch defekte Verben,
die nicht vollständig konjugiert werden können, sondern nur in
wenigen Formen, oft nur in einer einzigen Form, vorkommen.
Der
Wortschatz des
Irischen stammt zum größten Teil aus dem Keltischen beziehungsweise
Gälischen. Jedoch sind trotz einer enormen Lautverschiebung immer noch
Verwandschaftsbeziehungen zum Lateinischen nachweisbar. Das Französische
und das Englische haben nur geringe Spuren im Wortschatz hinterlassen.
Die
Schreibung des
Irischen ist eher etymologisch als phonetisch. Trotzdem gibt es klare
Regeln zur lautlichen Umsetzung. Diese gestalten sich in der Praxis allerdings
komplex, da es für viele Buchstaben und Buchstabenkombinationen unterschiedliche
Aussprachemöglichkeiten gibt, die von der Stellung und von der Wortumgebung
abhängen. Insbesondere Konsonantenverbindungen sind oftmals stumm.
Geschichte
Irisch hat eine lange
Tradition
- es war die erste Variante der keltischen Sprachen und die früheste
Sprache nördlich der Alpen, von der es noch viele schriftliche Zeugnisse
gibt. Das Alphabet bestand ursprünglich aus besonders gestalteten Schriftzeichen.
Den irischen Schreibstil kann man noch im
Book of Kells
und im
Book of Armagh (
Trinity
College, Dublin) bewundern.
Mit der
Christianisierung kam im 5. Jahrhundert
die
lateinische Schrift nach Irland.
Durch die Eigenarten des alten Irisch, das wesentlich mehr Laute kannte
als das Lateinische, wurde die Benutzung von Buchstabenverbindungen und
Zusatzzeichen für die zusätzlichen Laute notwendig. Buchstabenverbindungen
wurden vor allem für Vokale, Diphthonge und Triphthonge verwendet,
während Länge und Akzent der Vokale durch Akzentzeichen darüber
angezeigt wurden. Gleichzeitig kam es zu einer verstärkten
politischen
Repression des Irischen durch die
englischen
Besatzer. Die irische Sprache sowie die irische Kultur insgesamt
wurden als Zeichen nationaler Eigenständigkeit unterdrückt.
Durch englische und schottische Einwanderung vor allem im Norden und Osten
wurde das Irische weiter zugunsten des Englischen zurückgedrängt.
Mit Einführung der
allgemeinen Schulpflicht
1831 wurde das Irische schließlich auch als allgemeine Umgangssprache
durch Englisch ersetzt. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte
das Irische als Symbol des Strebens nach Unabhängigkeit eine
Renaissance.
Irische Nationalisten und Literaten machten sich für eine Regälisierung
stark, die 1922 sogar zum Staatszeil erklärt wurde.
Nach der erkämpften
Unabhängigkeit
Irlands erkannten die nachfolgenden Regierungen die Notwendigkeit, das
kulturelle Erbe der Gaeltacht-Regionen zu
schützen und zu fördern. Sie riefen im Jahr 1956 die staatliche
Gaeltarra Eireann ins Leben, die 1979 in die
Entwicklungsbehörde
Udaras na Gaeltachta integriert
wurde. Nun erfuhren das nationale Kulturgut und die alte Sprache eine großangelegte
Förderung. Auch wenn die wenigen irischsprachigen Gebiete unter speziellem
Schutz der Regierung stehen und Irisch als Kultursprache etabliert wurde,
ist zu beobachten, dass das Irische immer mehr an Bedeutung verliert.