
Literarisches Schaffen
Durch sein Studium in Cambridge, die umfassende Lektüre und eine
klassische Bildungsreise bereitete sich MILTON auf seine Zukunft als Dichter
vor. Schon in seinen frühen Gedichten kündigt sich sein reiches
dichterisches Potential an. Neben Versen in lateinischer und italienischer
Sprache entstanden die beiden englischsprachigen Gedichte
L'allegro und Il penseroso
(beide um 1632, veröffentlicht 1645), die den Gegensatz von Heiterkeit
und Melancholie ausloten, sowie das philosophische Maskenspiel
Comus (Uraufführung 1634, Erstausgabe
1637) und die pastorale Elegie Lycidas
(entstanden 1637, veröffentlicht 1645) als Klage über den Tod
eines Freundes.
Als ihn in Italien die Nachrichten von den beginnenden britischen Unruhen erreichten, entschloss sich MILTON zur vorzeitigen Rückkehr nach London. Damit begann die Zeit seines politischen Engagements. Zwischen 1640 und 1660 kämpfte er in Streitschriften für religiöse und bürgerliche Freiheit und setzte sich unter anderem auch für das Recht auf Ehescheidung ein. Außerdem forderte er in Schriften zur Bildungsreform einen praxisbezogenen Unterricht unter Berücksichtigung der Naturwissenschaften. In der Schrift Areopagitica (1644) plädierte er für das grundsätzliche Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit. Er rechtfertigte die republikanische Revolution und die Hinrichtung des Königs. Außerdem argumentierte er gegen den Absolutismus und für die Demokratie.
Paradise Lost
Das Epos Paradise Lost (1667),
das MILTON noch vor 1660 begonnen hatte, gilt als sein Hauptwerk. Die
erste Version des Versgedichtes umfasste zunächst zehn Bücher,
die endgültige Fassung von 1674 wurde dann auf zwölf Bände
erweitert. MILTON greift auf das klassische
Epos in der Tradition von HOMER und VERGIL zurück. Doch behandelt
er in sprachmächtigen Blankversen
und mit den Mitteln mythologischer Vertiefung das biblische Motiv des
Sündenfalls, den er als Auflehnung
gegen den göttlichen Schöpfungsplan deutet. Dank seiner Vernunft
und des, die moralische Verantwortlichkeit ermöglichenden freien
Willens ist der Mensch bei ihm jedoch in der Lagekönne der Mensch
die harmonische Verbindung mit Gott wiederherzustellen.
MILTONS Heilsoptimismus setzt sich damit über das puritanische
Dogma der Prädestination, der göttlichen Vorherbestimmung
des menschlichen Seelenheils, hinweg. Auf die Möglichkeit der Wiedergewinnung
des Paradieses zielt auch MILTONS späteres und kürzeres Epos
Paradise Regained (1671), das die Versuchung
Christi in der Wüste behandelt. Das dem Vorbild der griechischen
Tragödie folgende Versdrama Samson
Agonistes (1671) widmet sich am Beispiel Samsons dem Übergang
vom Fall und der Versuchung zur Einfügung in den göttlichen
Schöpfungsplan.
In Deutschland wirkte MILTON besonders auf FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK
(Der Messias, 1748-73). Den englischen
Romantikern galt er als Freiheitsheld, abzulesen an WILLIAM
BLAKES Gedicht Milton (1808).
Werke
Weitere Werke MILTONS sind:
On the Morning of Christi's Nativity (1627)
Arcades (1633)
Of Reformation Touching Church-Discipline in England
(1641)
The Doctrine and Discipline of Divorce (1643)
On Education (1644)
The Tenure of Kings and Magistrates (1649)
Pro populo anglicano defensio (1651 und 1654)
De doctrina christiana (1655)
The History of Britain (1670)