


Das politische System
Neuseelands politisches
System besteht aus einer konstitutionellen Monarchie auf der Grundlage
einer parlamentarischen Demokratie. Formell gesehen ist die britische
Königin ELIZABETH II. nach wie
vor das Staatsoberhaupt Neuseelands.
Sie wird vor Ort von einem Generalgouverneur
vertreten. Momentan übt STACY CARTWRIGHT dieses Amt aus. Einfluss
auf die politische Praxis hat der Generalgouverneur nicht; er kann jedoch
unter bestimmten Umständen das Parlament auflösen und den Ministerpräsidenten
seines Amtes entheben. Der Ministerpräsident (prime
minister) ist der Regierungschef des Landes. Seit 1999 wird Neuseeland
von HELEN CLARK regiert.
Die 120 Mitglieder des Repräsentantenhauses werden alle drei Jahre
gewählt, wobei vier bis fünf Sitze den Maori vorbehalten sind.
Bis 1996 wurde nach britischem Mehrheitswahlrecht gewählt. In dieser
Zeit beherrschten die beiden großen Parteien - Labour
Party und National Party -
das politische Geschehen. Unter der Labour-Regierung
unternahm Neuseeland 1986 den weltweit beachteten Schritt, sich zur atomwaffenfreien
Zone zu erklären. 1996 wurde das Wahlsystem dann nach Vorbild
des deutschen Verhältniswahlrechts reformiert. Seitdem etablieren
sich auch kleinere Parteien wie die New Zealand National
First Party, die sich gegen die anwachsende (asiatische) Einwanderung
ausspricht.
Neuseeland besitzt keine schriftlich fixierte Verfassung. Die Grundsätze
des Staates setzen sich aus einer Sammlung verschiedener Gesetzte, Konventionen
und Abkommen zusammen. Neuseelands Rechtssystem ist wie das britische
stufenförmig aufgebaut: Kleinere Konflikte werden von einem örtlichen
Friedensrichter entschieden. Ist eine Klärung auf dieser Ebene nicht
möglich, werden die Streitigkeit an höhere Instanzen -
bis hinauf zum Obersten Gerichtshof - weitergeleitet. Außenpolitisch
orientiert sich Neuseeland vornehmlich Richtung Südostasien, pflegt
aber auch die Verbindungen zu den USA und der EU. Die neuseeländische
Regierung ist zudem bemüht, die Mitarbeit in supranationalen Gremien
wie der UNO zu intensivieren.
Die wichtigsten Wirtschaftszweige
Nur sechs Prozent der neuseeländischen Bevölkerung sind gegenwärtig
ohne Arbeit. Der überwiegende Teil der Neuseeländer ist im Dienstleistungssektor
tätig. Trotzdem stellen Agrarprodukte
- vor allem Wolle (in Neuseeland leben zehnmal so viele Schafe wie
Menschen), Fleisch oder Früchte - nach wie vor den größten
Anteil am Export. Immer größere wirtschaftliche Bedeutung gewinnt
der Tourismus. Jährlich verbringen
rund 1,4 Mio. Menschen ihren Urlaub in Neuseeland. Hauptwirtschaftspartner
ist Australien. Durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie
den America's Cup 2000, und große Wirtschaftskongresse
wie die Asia Pacific Economic
Cooperation 1999 wird Neuseeland als attraktiver Standort beworben,
der ausländische Investoren anlocken soll.
Ende der achtziger Jahre fanden umfangreiche Reformen im Wirtschafts-
und Sozialwesen statt. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde die bis dato
kostenlose ärztliche Versorgung der Bürger abgeschafft und die
Mehrwertsteuer eingeführt.
Die neuseeländische
Gesellschaft
In der neuseeländischen Gesellschaft
lassen sich zwei Bevölkerungsgruppen klar unterscheiden. Während
die Maori eine sozial benachteiligte Minderheit bilden, bestimmen die
Nachfahren der europäischen Einwanderer das gesellschaftliche Leben.
Auch hinsichtlich der Lebensweise zeigen sich markante Unterschiede. Bei
den Maori ist die Großfamilie nach wie vor die vorherrschende Form
des Zusammenlebens, während in der weißen Bevölkerungsmehrheit
- den auf Maori Pakehas genannten Neuseeländern
- die Anzahl von Singlehaushalten und allein erziehenden Müttern
zunimmt.
Im internationalen Vergleich gehören die Neuseeländer zur Spitzengruppe was die Nutzung von Internet und Fernsehen betrifft. Durch die Medienreform wurden 1991 die vormals öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten privatisiert. Zudem erhielten die Maori Sendefrequenzen zum Aufbau eigener Programme. In Neuseeland gibt es momentan 23 Tageszeitungen, von denen der New Zealand Herold die auflagenstärkste ist.
Die schulische Ausbildung
ist in Neuseeland kostenlos. Entsprechend der Ausrichtung nach Südostasien
wird das Japanische als erste Fremdsprache an den Schulen unterrichtet.
Danach folgen Französisch und Chinesisch. Während der Grundschulzeit
können Maori-Kinder Unterricht in ihrer Sprache erhalten, ab der
Sekundarstufe ist Maori ein eigenständiges Unterrichtsfach.
Die Neuseeländer gelten als sportbegeisterte Nation. Vor allem Rugby
steht hoch im Kurs. Neuseelands Rugbymannschaft, die "All
Blacks", hat auch außerhalb nationaler Grenzen
Kultstatus. Berühmt geworden ist die Mannschaft nicht nur aufgrund
ihrer Erfolge, sondern auch, weil sie vor jedem Spiel den Haka,
den Kriegstanz der Maori, aufführt, um ihre Gegner einzuschüchtern.
Die Maori als gesellschaftliche Minderheit
Ein zentrales innenpolitisches Thema der letzten Jahrzehnte ist die Anerkennung
der Rechte der Maori.
Deren dringlichste Forderung betrifft die Entschädigung für
bzw. Rückgabe von Land, das ihnen während der britischen Kolonialherrschaft
gestohlen wurde.
Als am 6. Februar 1840 der Waitangi
Vertrag unterzeichnet wurde, erkannten die Maori die britische Oberhoheit
an. Im Gegenzug erhielten die Maori die Garantie, ihr Land nur gegen eine
entsprechende Vergütung abgeben zu müssen. In der Praxis haben
die britischen Kolonialisten ihren Teil der Abmachung nicht immer eingehalten.
Jahrzehntelang war der Vertrag von Waitangi in Vergessenheit geraten,
bis er Anfang des 20. Jahrhundert wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit
geriet, als die Maori eine Überprüfung der kolonialistischen
Landnahme einklagten.
1975 wurde der Waitangi Ausschuss gegründet, der die Ansprüche
der Maori untersuchte.
Schließlich unterzeichneten am 22. Mai 1995 der damalige Ministerpräsident JIM BOLGER und ARKINUI TE ATAIRANGIKAAH, Königin der größten Stammesvereinigung der Maori, ein Abkommen, das den Maori das Recht auf 50.000 Hektar Land zuerkennt. Heute ist der Tag der Unterzeichnung ein nationaler Feiertag.
Nicht nur Touristen zeigen ein besonders großes Interesse an der Kunst und Kultur der Maori. Vielmehr liegt die Bewahrung dieses Brauchtums im nationalen Interesse. 1998 wurde in Wellington das Nationalmuseum Te Papa Tongarewa eröffnet. Hier werden erstmals die Traditionen der weißen Neuseeländer und der Maori als gleichberechtigte Bestandteile der neuseeländischen Kultur präsentiert.
Berühmte Neuseeländer
Zu den berühmten Neuseeländern der Gegenwart zählen
In jüngster Zeit findet die Landschaft Neuseelands als Schauplatz
der preisgekrönten Trilogie The Lord of the Rings
weltweite Beachtung.