
RAPHAEL
HOLINSHED wurde vermutlich 1529 in Cheshire geboren. Seit ungefähr
1560 lebte er in London, wo er als Übersetzter bei REGINALD WOLFE beschäftigt
war, der an der Herausgabe eines universalgeschichtlichen
Werkes arbeitete. Der Tod WOLFES führte zum Abbruch dieses Vorhabens.
Die bis dahin gesammelten Ergebnisse wurden 1577 in einer zweibändigen
illustrierten Ausgabe als Chronicles
of England, Scotlande, and Ireland herausgegeben.
Die Darstellung reicht von der Sintflut bis zur Herrschaftszeit von Queen
ELIZABETH I. und hat innerhalb der elisabethanischen
Chronographie einen besonderen Bekanntheitsgrad erreicht.
HOLINSHED starb um 1580.
Die Chroniken des 16. Jahrhunderts
HOLINSHEDS Chronicles stellen ein Beispiel
für eine Reihe von Chroniken
des 16. Jh. dar:
Die große Anzahl populärwissenschaftlicher Geschichtserzählungen deutet einerseits auf ein wachsendes Geschichtsinteresse der lesenden Bevölkerung hin. Andererseits sind diese Geschichtswerke, die von Tudorkönigen in Auftrag gegeben oder protegiert wurden, als Instrumente der Herrschaftslegitimation zu sehen. Der Bedarf nach einer Begründung der Herrschaft hatte geschichtliche Ursachen.
HENRY VII. (1485-1509), der erste
König aus dem Hause Tudor, erwarb
den Königstitel 1485 durch seinen Sieg über den Thronusurpator
RICHARD III. in der Schlacht bei Bosworth. Zwar setzte diese Entscheidung
dem dreißig Jahre andauernden "Rosenkrieg"
der Häuser Lancaster und York um den Thron ein Ende und ermöglichte
die Wiederherstellung eines funktionierenden Staatswesens. Doch haftete
dieser Form der Thronbesteigung ein Makel an. Legitimationsbedarf erwuchs
auch aus der protestantischen Reform.
Auf diese Weise entstand ein heilsgeschichtlicher Mythos des Hauses Tudor,
das als Erneuerer staatlicher Ordnung und nationaler Größe
sowie als Höhepunkt der geschichtlichen Entwicklung verklärt
wurde. Geschichtswissenschaftler sprechen bei dieser Erscheinung von dem
"Tudor Myth".
Merkmale der Chroniken des 16. Jahrhunderts
Die beliebten Chroniken des 16. Jahrhunderts
stellen keinesfalls Werke einer kritischen Geschichtsschreibung dar. Vielmehr
bilden sie ein Konglomerat aus Beiträgen verschiedener Autoren und
aus unkritisch wiedergegebenen Darstellungen früherer Chronisten.
Obwohl unter HOLINSHEDS Namen veröffentlicht, weisen auch die Chronicles
Merkmale einer Zusammenstellung auf.
Quellen HOLINSHEDS
HOLINSHED und andere Autoren der Geschichtsdarstellungen des 16.
Jahrhunderts greifen zurück auf:
Bedeutung der HOLINSHED-Chronicles
für Shakespeare
SHAKESPEARE benutzte die Geschichtschroniken
seiner Zeit als Quellen für seine historischen Dramen z. B. Henry
VI, Macbeth, Richard II., Richard III.,King Lear, Cymbeline. Vor
allem stützte er sich auf die Chroniken HALLS und HOLINSHEDS. Die
SHAKESPEARE-Forschung hat diese Verbindung zurückverfolgt und in
Textausgaben zusammengestellt: