Lebensgeschichte
ROBERT LOWELL wurde 1917 in
Boston als Kind einer alteingesessenen Neuengland-Familie geboren. Er studierte
unter anderem am Harvard College Literatur
und am Kenyon College Lyrik
bei JOHN CROWE RANSOM. Ab 1940 bekannte er sich für einige Jahre zum
Katholizismus. Als überzeugter Pazifist
verweigerte er den Kriegsdienst und musste deshalb 1943 eine Haftstrafe
verbüßen. Aufsehen erregte er als scharfer Kritiker
der amerikanischen Vietnampolitik. Sein
Privatleben wurde überschattet von zwei gescheiterten Ehen, Alkoholsucht
und Depressionen. LOWELL starb im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt.
LOWELLS Lyrik
Sein lyrisches Frühwerk
zeichnet sich durch eine streng formale und symbolträchtige Sprache
aus. Es thematisiert überwiegend die Geschichte Neuenglands und ihren
Einfluss auf seine Familie. Im Zentrum seiner Gedichte steht der Konflikt
zwischen der puritanischen Familientradition
und seinem Übertritt zum Katholizismus. Für die Dichtung Lord
Weary's Castle (1944) erhielt LOWELL 1946 den Pulitzer
Preis.
Nach seiner Abkehr vom Katholizismus änderte sich auch der Stil seiner Lyrik. Sie nahm die bekenntnishaften Züge einer poetry of confession an, die mit ihrer Hinwendung zum eigenen Ich eine ironisch gebrochene Erkenntnislyrik in prosahafter Sprache zum Ausdruck bringt. Wie an seinen Dichtungen Life Studies (1959) und For the Union Dead (1964) ablesbar ist, löste sich LOWELL von der strengen Metrik seiner frühen Gedichte. Sein neuer Stil beeinflusste die amerikanischen Lyrikerinnen SYLVIA PLATH und ANNE SEXTON.
LOWELL entwickelte sich zum wichtigsten amerikanischen Dichter der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein sehr persönlicher Gedichtband The Dolphin (1973), der eheliche Misstände bloßlegt, löste einen Skandal aus:
To Speak of Woe That Is in Marriage
The hot night makes us keep our bedroom windows open.
Our magnolia blossoms. Life begins to happen.
My hopped up husband drops his home disputes,
and hits the streets to cruise for prostitutes,
free-lancing out along the razor's edge.
This screwball might kill his wife, then take the pledge.
Oh the monotonous meanness of his lust
It's the injustice . . . he is so unjust -
whiskey-blind, swaggering home at five.
My only thought is how to keep alive.
What makes him tick? Each night now I tie
ten dollars and his car key to my thigh
Gored by the climacteric of his want,
he stalls above me like an elephant.
(aus: Robert Lowell, Selected Poems)
In seiner letzten Schaffensphase versuchte LOWELL über seine eigene Person hinausgehend den Zeitgeist in historischen, teils elegischen Gedichtzyklen zu erfassen. Zudem verfertigte er Übersetzungen und Adaptionen aus dem Französischen und Griechischen.
Weitere Werke LOWELLS sind:
Lyrik
Lord Weary's Castle (1946)
The Mills of Kavanaughs (1951)
Life Studies (1959)
Imitations (1961)
Near the Ocean (1967)
Notebooks (1967-68)
The Voyage and Other Versions of Poems by Baudelaire
(1968)
Day by Day (1977)
Übersetzungen und Adaptionen
Phaedra (1961) von JEAN RACINE
Prometheus Bound (1969) von AISCHYLOS
Drama
The Old Glory (1965)