

Hermeneutik - die Lehre vom Verstehen
Als einflussreiche Theorie des Verstehens entstand - ausgehend von FRIEDRICH DANIEL ERNST SCHLEIERMACHER (1768-1834) - im 19. Jahrhundert
die Hermeneutik (gr. hermeneúein
= erklären). Auch sie widmet sich der Frage, unter welchen Voraussetzungen
bisher Unbekanntes verstanden werden kann. SCHLEIERMACHER bestimmte die
Hermeneutik als "Kunstlehre des Verstehens". Vom Philosophen
WILHELM DILTHEY (1833-1911) wurde sie zur methodologischen Grundlegung
der Geisteswissenschaften ausgebaut. Die hermeneutische
Methode will - im Gegensatz zur erklärenden Methodik
der Naturwissenschaften - Bedeutung und Sinn von Äußerungen
und Werken aus diesen selbst und aus deren Zusammenhang (Kontext) verstehen.
In der philosophischen Hermeneutik MARTIN HEIDEGGERS und HANS-GEORG GADAMERS
wurde das Verstehen als Grundzug der menschlichen Existenz überhaupt
ausgezeichnet. Der Verstehende muss immer schon ein Vorverständnis
von dem haben, was er zu verstehen sucht (hermeneutischer
Zirkel).
Kognitionswissenschaft - Der
Aufbau des Gehirns
In der heutigen Forschung werden Lernen und Verstehen bevorzugt auf der
Grundlage von Gehirnprozessen (den Modellen der Neurophysiologie und Kognitionswissenschaft)
erklärt. Die aktuellen Forschungsergebnisse lassen auf einen dreistöckigen
Aufbau des Gehirns schließen. Interessant für den Spracherwerb
ist insbesondere der aus einer linken und rechten Hälfte bestehende
Neokortex. In ihm vollziehen sich die höheren kognitiven
Funktionen. Die rechte Hemisphäre des Neokortex', in der beispielsweise
visuelle, auditive und motorische Daten verarbeitet werden, kommuniziert
über die Hirnmitte mit der linken. Dies gilt als Grund dafür,
warum wir uns visuell geordnete sprachliche Information oder Liedtexte
besser merken können, als einzelne Wörter ohne Zusammenhang.
Außerdem hat auch das Emotionen und Empfindungen steuernde limbische
System einen großen Anteil an der Informationsverarbeitung. Hier
wird entschieden, ob eine Information für das Individuum relevant
ist. So können wir uns z. B. den den Inhalt eines interessanten Films
leichter merken als einen Lehrbuchtext. Die Erinnerungsfähigkeit
hängt also auch von unserer emotionalen Einstellung ab.
Das sprachliche Verstehen
Schon PLATON hat dargelegt, dass zur Verarbeitung von Information nicht
nur das Speichern, sondern auch das Vergleichen der Eindrücke und
Erfahrungen gehört. Bei der Sprachverarbeitung, also beim Wahrnehmen
lautlicher oder Schriftzeichen, wirken diese mit schon gebildetem Vorwissen
zusammen. Das bereits vorhandene Vorwissen ist in Schemata
im Gedächtnis gespeichert. Diese
haben verschiedene Funktionen. Einerseits stellen sie das Hintergrundwissen
bereit, vor dem die Verarbeitung von Informationen stattfindet. Andererseits
erzeugen diese Schemata eine Erwartungshaltung im Hinblick auf neu eintreffende
Informationen und führen so zu einem schnelleren Verarbeitungsergebnis.
Die Stufen der Sprachverarbeitung
Die Verarbeitung im Gedächtnis wird in drei interagierende Stufen
eingeteilt:
Interessant ist, dass es sich bei diesen drei Gedächtnisarten jedoch nicht um bestimmte Teile oder Regionen im Gehirn handelt. Vielmehr sind sie lediglich die jeweils im Moment der Sprachverarbeitung aktivierten Teile des Langzeitgedächtnisses.
Die Struktur des Langzeitgedächtnisses
Man geht von einer weiteren Unterteilung in verschiedene Wissensbereiche
aus.
Unterteilung der Wissensschemata
Die Erkenntnisse über die Sprachverarbeitung lassen sich selbstverständlich auch auf das fremdsprachliche Verstehen anwenden. Zu beachten sind jedoch einige Unterschiede bezüglich des Vorwissens.