


Der Vertrag von Paris fiel für Amerika wesentlich günstiger
aus als die Mitglieder des Kontinentalkongresses zu hoffen gewagt hatten.
England erkannte nicht nur die Unabhängigkeit Amerikas an, sondern
sicherte ihm auch alle Gebiete östlich des Mississippi zu. Einzige
Ausnahme: Florida, das zu dieser Zeit
noch spanisch war. Großzügige Fischfangrechte im Nord-Atlantik
wurden außerdem gewährt.
Der Treaty of Paris war diplomatisch hart erarbeitet.
Die amerikanischen Gesandten BENJAMIN FRANKLIN, JOHN JAY und JOHN ADAMS
mussten zeitweise um den grundsätzlichen Erfolg ihrer Mission bangen.
Der Grund: Frankreich und Spanien
mauerten.
Frankreich war einer der wichtigsten
Verbündeten der Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg. Das erklärt
sich aus der traditionellen Feindschaft zwischen Frankreich und England.
Zahlreiche Kriege lagen 1783 hinter den beiden Ländern. Auf dem amerikanischen
Kontinent hatten sie einen ehrgeizigen Kolonialisierungswettbewerb,
der Frankreich als Verlierer sah, hinter sich. Frankreich verübelte
England diesen Vorsprung in der Erschließung Amerikas und war deshalb
ein umso bereitwilligerer Verbündeter gewesen, als die amerikanischen
Siedler gegen das Mutterland England mobil machten.
Spanien,
das vor allem in Mexico und im Süden Nordamerikas Land besetzt hatte,
befand sich ebenfalls im Wettbewerb mit England und deshalb auf Seiten
Frankreichs.
Als es nun also zu Verhandlungen zwischen Amerika und England kam, witterten
die beiden anderen europäischen Großmächte ihre Chance
auf eigene Ansprüche. Frankreich verwies auf seine tatkräftige
Unterstützung der amerikanischen Siedler und forderte, dass Amerika
gemeinsam mit der eigenen Unabhängigkeit auch die Rückgabe Gibraltars
an Spanien verlangen solle. Gibraltar war zunächst von Spanien erobert
worden, bevor Großbritannien es annektierte.
Großbritannien weigerte sich, Gibraltar zurück zu geben. Frankreich,
von Spanien gedrängt, bestand auf seiner Bedingung. Amerika war in
der Falle. Es war eine schwierige Situation für die amerikanischen
Unterhändler, deren größtes Interesse verständlicherweise
war, dem seit über sieben Jahren tobenden Krieg
zu Hause ein Ende zu setzen. Dieses dringende Anliegen war nun von der
Starrhalsigkeit der drei Großmächte im Kampf um Besitzansprüche
gefährdet. Die Verhandlungen zogen sich hin und drohten, in einen
mehrjährigen Streit auszuarten.
Amerika aber hatte keine Zeit, auf eine langfristige Lösung zu warten.
JAY, ADAMS und FRANKLIN begannen behutsam und ohne Beteiligung Frankreichs,
Verbindung mit dem britischen Unterhändler auf zu nehmen.
Die drei Amerikaner waren erfolgreich. Sie erreichten nicht nur eine Einigung
mit England, sondern wahrten auch die freundschaftlichen Beziehungen zu
Frankreich, obwohl dessen Forderung an England unerfüllt blieb.
Nicht umsonst waren sie als Unterhändler vom Kontinentalkongress
(Continental Congress), der damals alle wichtigen
Politiker und Vertreter der dreizehn Kolonien vereinte, für diese
heikle Aufgabe gewählt worden. FRANKLIN, ADAMS und JAY die zu den
Gründervätern (Founding
Fathers) Amerika gezählt werden, verfügten über
diplomatische Erfahrungen und hatten sich als treue Kämpfer um ein
unabhängiges Amerika verdient gemacht.
BENJAMIN FRANKLIN
BENJAMIN FRANKLIN war
ein amerikanisches Multitalent und
nach Ansicht vieler die Verkörperung dessen, was man den American
Dream nennt, weil er sich aus kleinsten Verhältnissen zu einem
der prominentesten Denker und Staatsmänner seines Landes emporgearbeitet
hat. Als Jüngstes von 17 Kindern in Boston geboren, verließ
er die Schule bereits mit zehn Jahren. Mit zwölf begann er bei seinem
Bruder JAMES eine Lehre als Buchdrucker.
Später ging er nach Philadelphia
und schließlich für ein Jahr nach England. Er machte als Drucker
Karriere. 1731 gründete FRANKLIN mit anderen die erste öffentliche
Bücherei Philadelphias und engagierte sich für die Universität
Pennsylvania. Aufsehen erregten neben den Zeitungen und Zeitschriften
bald auch FRANKLINs Experimente mit
Elektrizität.
"Nebenbei" begann er, sich politisch zu engagieren.1757 schickten
ihn die amerikanischen Siedler als Unterhändler
nach England, um für bessere Bedingungen in den Kolonien vorzusprechen.
Während seines Aufenthaltes bekam er den Ehrendoktortitel
der Universität Oxford verliehen.
1764 reiste er wieder nach England, 1767 von dort aus nach Frankreich.
In Amerika war er Mitglied des Continental Congress,
der in Philadelphia zusammen kam und das erste politische Gremium Amerikas
darstellte. Der Continental Congress schickte
FRANKLIN 1776 als Commissioner nach Frankreich,
das im Unabhängigkeitskrieg zum wichtigen Alliierten der Siedler
gegen England wurde. 1778 wurde FRANKLIN zum ersten bevollmächtigten
Gesandten der USA in Frankreich erklärt. FRANKLIN stieg in Frankreich
schnell zum Liebling der Gesellschaft auf. Die Franzosen schätzten
seinen Charme und seine vorzügliche Bildung. Tatsächlich war
er so beliebt, dass sich viele Franzosen sein Porträt in die Wohnungen
hängten.
BENJAMIN FRANKLIN war die Hauptfigur in den Friedensverhandlungen
mit England, war er doch ein Frankreichkenner und mit den Sitten im alten
Europa wohl vertraut. Nach Unterzeichnung des Treaty
of Paris blieb er noch einige Zeit in Frankreich, wo er, der Mitglied
der Freimaurer war, auch Umgang mit
jenen führenden Intellektuellen pflegte, die später die Französische
Revolution initiierten. Später kehrte er nach Amerika zurück,
wo er weiter als erfolgreicher Politiker tätig war. Seine Autobiografie
ist bis heute ein Bestseller in den USA.
JOHN ADAMS
JOHN ADAMS war ein Bauernsohn
aus Massachusetts, der in Harvard Jura studierte und gemeinsam mit seinem
Cousin SAMUEL ADAMS ein leidenschaftlicher Verfechter der amerikanischen
Unabhängigkeit wurde. JOHN ADAMS
war Mitglied des Continental Congress und Mitglied
jener Gruppe von Männern um THOMAS JEFFERSON, die die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung verfasste. Seine ersten diplomatischen
Erfahrungen sammelte er, als der Congress ihn
nach Holland schickte, um von dort
aus Friedensverhandlungen mit Großbritannien zu starten.
Nach Unterzeichnung des Treaty of Paris kehrte
ADAMS nach Amerika zurück. Dort erwartete ihn eine große politische
Karriere. Er wurde zunächst Vizepräsident
und dann, als Nachfolger GEORGE WASHINGTONs zweiter Präsident
der Vereinigten Staaten. Ein Amt, in dem ihm sein Sohn JOHN QUINCY ADAMS
im Jahr 1825 als sechster Präsident folgen sollte. JOHN ADAMS war
verheiratet mit ABIGAIL ADAMS, die ihn politisch sehr unterstützte.
Berühmt geworden ist das Ehepaar für seine Briefwechsel, insbesondere,
weil ABIGAIL sich nicht scheute, ihre Meinungen zur Politik kund zu tun
und ihren Mann auch ermahnte, die Frauen in ihrer politischen Mitsprache
ernst zu nehmen.