Lebensgeschichte
VIRGINIA WOOLF wurde 1882
als Tochter des Biografen und Kritikers SIR
LESLIE STEPHEN geboren. 1912 heiratete sie den Schriftsteller und
Verleger LEONARD WOOLF, mit dem sie 1917 den Verlag Hogarth
Press gründete. Ihr Haus war einer der Treffpunkte der Bloomsbury
Group. Dabei handelte es sich um einen Freundeskreis englischer Verleger,
Schriftsteller, Maler und Wissenschaftler, der sich vor allem neuen Bewegungen
in Kunst, Literatur, Psychologie und Philosophie widmete. Zu der Gruppe,
die sich nach dem Londoner Stadtteil Bloomsbury benannte, gehörten
unter anderem der Schriftsteller EDWARD
MORGAN FORSTER, die Malerin VANESSA
BELL und der Wissenschaftler JOHN MAYNARD KEYNES.
Literarisches Schaffen
WOOLFS experimentelle
Romane versuchen, der inneren Realität des menschlichen Bewusstseins
gerecht zu werden. Die Handlung verliert gegenüber der Vielfalt subjektiver
Sinneseindrücke an Gewicht. Neben die Fülle der vom Bewusstsein
aufgenommenen Eindrücke ("Nicht Sein") treten die subjektiv
bedeutsamen Momente intensiven Erlebens ("Seinsmomente"). Anhand
innerer Monologe von Charakteren, die entweder skizziert (Jacob's
Room, 1922) oder nur noch als Stimmen präsent sind (The
Waves, 1931), werden die Gleichzeitigkeit von Erleben, Erinnern
und Phantasieren sowie die Diskrepanz zwischen subjektivem Zeiterleben
und objektivem Zeitverlauf dargestellt. Die Erzähltechnik
des Stream of consciousness,
in dem die Romanfiguren unmittelbar und assoziativ Bewusstseinsvorgänge
wiedergeben, ohne dass diese auf einen bestimmten Handlungszusammenhang
ausgerichtet sind, wird dadurch noch erweitert. Beispielhaft dafür
ist der Roman Mrs Dalloway
(1925):
"Mrs. Dalloway said she would buy the flowers herself.
For Lucy had her work cut out for her. The doors would be taken off their hinges; Rumpelmayer's men were coming. And then, thought Clarissa Dalloway, what a morning - fresh as if issued to children on a beach.
What a lark! What a plunge! For so it had always
seemed to her, when, with a little squeak of the hinges, which she could
hear now, she had burst open the French windows and plunged at Bourton
into the open air. How fresh, how calm, stiller than this of course, the
air was in the early morning; like the flap of a wave; the kiss of a wave;
chill and sharp and yet (for a girl of eighteen as she then was) solemn,
feeling as she did, standing there at the open window, that something
awful was about to happen; looking at the flowers, at the trees with the
smoke winding off them and the rooks rising, falling; standing and looking
until Peter Walsh said, "Musing among the vegetables?" - was
that it? - "I prefer men to cauliflowers" - was that it? He
must have said it at breakfast one morning when she had gone out on to
the terrace - Peter Walsh."
(Virginia Woolf: Mrs Dalloway, 1925)
Die Romanstruktur bildet sich aus einer lyrisch-bildhaften Sprache, symbolischer Verdichtung, Leitmotivik und einer komplexen Zeitbehandlung. Dabei überschreitet WOOLF die Gattungsgrenzen und verwendet souverän verschiedene Erzähltechniken.
Neben ihrem Romanwerk, das WOOLF als Hauptvertreterin der literarischen Moderne neben James Joyce und Marcel Proust ausweist, fanden ihre literaturtheoretischen und -kritischen Arbeiten, darunter Rezensionen für das Times Literary Supplement, seit jeher Beachtung. Ihr feministisches Engagement, vor allem in den Werken Room of One's Own (1929) und Three Guineas (1938), wurde erst von der Frauenbewegung der 1960er Jahre gewürdigt. Ihre umfangreichen, postum veröffentlichen Tagebücher zeigen ihre sensible Psyche sowie einen stets kritischen Blick auf die Zeitgenossen. Erschöpft von der Arbeit an ihrem letzten Roman Between the Acts (1941) sowie unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, nahm sich die zeitlebens psychisch labile Autorin 1941 das Leben.
Werke
Zum Werk VIRGINIA WOOLFS
gehören unter anderem die
Romane
The Voyage Out (1915)
Night and Day (1919)
To the Lighthouse (1927)
Orlando (1928)
Erzählungen
A Haunted House and Other Stories (1943)
Essays
The Common Reader (1925-32)