

In den Jahren 1798 und 1799 unternahmen die Geschwister WORDSWORTH gemeinsam mit COLERIDGE eine Deutschlandreise. Schließlich ließ WORDSWORTH sich in Grasmere im Lake District im Nordwesten Englands nieder und heiratete 1802 seine Cousine MARY HUTCHINSON. Weitere Reisen führten ihn unter anderem nach Schottland. Er erhielt Ehrungen mehrerer Universitäten und wurde 1843 zum Poet laureate ernannt. Nach seinem im Jahr Tod 1850 wurde er in der Westminster Abbey in London beigesetzt.
Literarische Werke
In seinen Frühwerken
An Evening Walk (1793) und Descriptive
Sketches (1793) zeigt sich WORDSWORTH noch als konventioneller,
in klassizistischer Tradition stehender
Naturdichter, der seine Heimat und die Schweizer Alpen in stimmungsvollen
Bildern einfängt. Typisch für den Klassizismus,
deren wichtigster Vertreter in England ALEXANDER POPE war, ist der Rückgriff
auf die Antike, auf deren Sprache und klare Formen.
Zwischen 1796 und 1806 arbeitete WORDSWORTH besonders intensiv als Dichter: In dieser Zeit entstanden zahlreiche lyrische Gedichte, Oden und die besten seiner insgesamt über 500 Sonette. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls die zusammen mit COLERIDGE herausgegebenen Lyrical Ballads (1798). Sie brechen radikal mit den klassizistischen Konventionen. WORDSWORTH findet hier zu einer stilistisch schlichten Verssprache. Die zweite Ausgabe (1800) der Lyrical Ballads versah WORDSWORTH mit einem programmatischen Vorwort und begründete so seinen Ruf als Pionier der Romantik.
Romantische Dichtung
Der romantische Dichter verkörperte
all jene Ideale, Werte und Fähigkeiten, die in der industrialisierten
Welt durch ein ökonomisch und naturwissenschaftlich geprägtes
Denken verloren zu gehen drohten. Im Mittelpunkt steht die Imagination,
die sich von der zweckbeherrschenden Rationalität absetzt. WORDSWORTH
wollte mittels einfacher Themen und einer volkstümlichen Sprache,
die in ihrer Schlichtheit dem innigen Empfinden der pantheistisch aufgefassten
Natur angemessen sein sollte, das Göttliche
im Alltäglichen darstellen.
Sein Interesse galt der Landbevölkerung,
die von modernen Zivilisationserscheinungen - etwa der monotonen
und entfremdenden Industriearbeit und dem städtischen Leben -
noch unberührt geblieben war. Um deren Gefühls-
und Wahrnehmungswelten angemessen wiederzugeben, wählte er
eine ungekünstelte, von der klassischen
Regelpoetik abweichende Sprache. Ganz
in diesem Sinne stehen in WORDSWORTHS Gedichten wiederholt ungebildete
Landarbeiter oder Kinder im Mittelpunkt, die ein Wissen vermitteln sollen,
das dem gebildeten Stadtbewohner verloren gegangen ist. Verschiedene Gedichte
werden an die dramatische Form des Dialogs
angelehnt, um menschliche Nähe zu suggerieren. In einigen seiner
bekanntesten Gedichte stellt WORDSWORTH aus der erinnernden Perspektive
des Erwachsenen imaginativ das Lebensgefühl des Kindes dar. Der Prozess
des Erwachsenenwerdens wird von ihm
als Verlustgeschichte illustriert:
"Our birth is but a sleep and a forgetting:
The Soul that rises with us, our life's Star,
Hath had elsewhere its setting,
And cometh from afar:
Not in entire forgetfulness,
And not in utter nakedness,
But trailing clouds of glory do we come
From God, who is our home:
Heaven lies about us in our infancy!
Shades of the prison-house begin to close
Upon the growing Boy,
But he beholds the light, and whence it flows,
He sees it in his joy;
The Youth, who daily farther from the east
Must travel, still is Nature's Priest,
And by the vision splendid
Is on his way attended;
At length the Man perceives it die away,
And fade into the light of common day."
(William Wordsworth, aus: Ode: Intimations of Immortality
from Recollections of Early Childhood, Verses 58-76)
Lake School
Die Landschaft des Lake District
im Nordwesten Englands, wo sich WORDSWORTH niedergelassen hatte, wurde
zu einem Anziehungspunkt für die Dichter der ersten
Generation der Romantik. Sie versuchten hier, in bewusster Abkehr
zur Großstadt ihre Vorstellungen von Ursprünglichkeit und Naturnähe
zu verwirklichen.
In dieser ländlichen Zurückgezogenheit vollendete WORDSWORTH
1805 den ersten Entwurf der COLERIDGE gewidmeten bekenntnishaft-autobiografischen
Dichtung The Prelude, or, Growth of a Poet's Mind,
in der er die Entwicklung seiner dichterischen Imagination behandelt.
The Prelude sollte den ersten von drei Teilen
des philosophischen Hauptwerkes The Recluse
bilden, eines unvollendet gebliebenen Epos über Mensch, Natur und
Gesellschaft. Nur der zweite Teil, ein philosophisches Lehrgedicht, erschien
zu WORDSWORTHS Lebzeiten unter dem Titel The Excursion
(1814).
Mit der zweibändigen Ausgabe Poems (1807), die WORDSWORTH nochmals als Dichter der kleinen Dinge zeigt, endete seine große Schaffensperiode. Seine jugendliche Begeisterung für die Ideale der Französischen Revolution wich einem auf Kirche und Staat bedachten Konservatismus, der auch die zahlreichen Sonette und anderen Gedichte der Spätphase prägte.
Werke
Weitere Werke WORDSWORTHS
sind:
Die Verstragödie The Borderers (1842)
und die Briefe The Letters of William and Dorothy
Wordsworth (hg. 1967-1982).