
Eine Kurve hat nicht immer nur eine rein geometrische Bedeutung. Oft beschreibt man damit die Abhängigkeit zweier (etwa physikalischer) Größen. Ein Beispiel dafür ist das im Folgenden (sowie auch in Bild 1) dargestellte Geschwindigkeit-Zeit-Diagrammm einer beschleunigten Bewegung.

Der Kurvensteigung (im
Punkt
)
entspricht physikalisch die Zunahme der Geschwindigkeit
(in
),
also die Beschleunigung.
Wenn wir die Kurvensteigung ermitteln, so berechnen wir in Wirklichkeit
die physikalische Größe Beschleunigung.
Deshalb ist es notwendig, dem Begriff der Kurvensteigung einen
allgemeineren Namen zu geben. Anstatt Kurvensteigung in
sagt man Ableitung in
oder Differenzialquotient in
.
Der Begriff Ableitung
Existiert an der Stelle
des Definitionsbereiches einer reellen Funktion f der Grenzwert des Differenzenquotientens

für x gegen
,
so wird dieser als Ableitung oder Differenzialquotient
der Funktion f an der Stelle
bezeichnet. Die Funktion f heißt dann an der Stelle
differenzierbar.
Die Ableitung von f an der Stelle
bezeichnet man mit
und schreibt folgendermaßen:

Andere Bezeichnungen sind
.
Geometrisch gesehen gibt die Ableitung einer Funktion die Steigung
(der Anstieg) der Tangente (bzw. des
Funktionsgraphen) an der Stelle
an, da der Differenzenquotient die Steigung der Sekante durch die Punkte
und
angibt.
(interaktives Beispiel)
erhält man an einer beliebigen Stelle
:
erhält man für die Tangente im Punkt
den Anstieg
und damit die Tangentengleichung
,
also
.
gilt:
existiert nicht. Die Betragsfunktion ist an der Stelle
nicht differenzierbar.Anmerkung: Bei komplizierten Termstrukturen verwendet man zum Bilden der Ableitung zweckmäßigerweise einen GTA.
Praktische Anwendungen
Bei praktischen Anwendungen des Differenzialquotienten bedeutet die Ableitung
oft
die lokale oder punktuelle Änderungsrate.
beschreiben. Der Differenzenquotient
an.
Der Grenzwert 
),
heißt Momentangeschwindigkeit
zum Zeitpunkt
,
sie beschreibt die lokale oder punktuelle Änderungsrate der Weglänge
bezüglich der Zeit.
die Ableitung von
nach der Zeit.Weitere Anwendungsbeispiele für Änderungsraten sind mit der
Steuerfunktion, der Kostenfunktion
sowie in vielfältigen naturwissenschaftlichen Zusammenhängen
(z.B. radioaktiver Zerfall, chemische Reaktionen, Temperaturgefälle,
Luftdruckgefälle) gegeben.