Mathematik Abitur
Anwendung transzendenter Funktionen bei der Zinseszinsrechnung
Tabelle zur Zinseszinsrechnung

Eine wichtige Anwendung transzendenter Funktionen ist die sogenannte Zinseszinsrechnung. Dabei wird davon ausgegangen, dass anfallende Zinsen in der Folgezeit mit verzinst werden.

Sind das Anfangskapital , der Zinssatz p und der Zeitraum n (in Jahren) bekannt, so führt die Frage nach dem Endkapital auf die folgende Exponentialfunktion:

Man setzt und nennt q den Zinsfaktor. Die Formel lautet dann:

Dabei wird davon ausgegangen, dass die Zinsen jährlich (p.a. – per annum) berechnet und jeweils am Endes des Jahres dem Kapital zugeschlagen werden.

Nach obiger Formel ergibt sich:

Anmerkung: Bei einer Bank würde man aber nur 355,37 Euro erhalten. Die Differenz resultiert daraus, dass im Bankwesen Cent-Beträge nicht verzinst und Zinsen zudem grundsätzlich abgerundet werden.

Nach obiger Formel erhält man:

Nimmt man beispielsweise 1 Cent als Einheit, so wäre das ein Betrag von etwa 472550 Trillionen Euro (so viel Geld gibt es auf der ganzen Welt nicht).
Diese Aufgabe verdeutlicht das schnelle Wachstum bei exponentiellen Zusammenhängen.

Interessant ist die Frage nach dem Endkapital bei einer halbjährlichen Verzinsung. Es gilt dann:

Nach obiger Formel ergibt sich

(also 1,38 EUR mehr als in Beispiel 1).

Geht man von einer monatlichen Verzinsung aus, gilt folgende Funktionsgleichung:

Nach obiger Formel ergibt sich

(also 2,57 EUR mehr als in Beispiel 1).

In Gedanken kann man dies fortsetzen und die Zeiten der Verzinsung immer kürzer, d.h. den Wert für a in folgender Formel immer größer, werden lassen:

Praktische Berechnungen werden nun schwierig, weil Taschenrechner und gängige Heimcomputer aufgrund ihrer eingeschränkten Genauigkeit beim Berechnen der Potenz keine vernünftigen Ergebnisse mehr liefern. Man erkennt indes, dass dem Problem der Grenzwert zugrunde liegt. Dieser liefert bekanntlich die eulersche Zahl e. Für eine ständige unmittelbare Verzinsung würde daher die folgende Funktionsgleichung anwendbar sein:

Will man bei bekanntem Anfangs- und Endkapital und einer vorgegebenen Laufzeit den Zinssatz berechnen, ist die eingangs gegebene Formel nach q bzw. p umzustellen. Es ergibt sich die folgende Wurzelfunktion:

Hieraus lässt sich p folgendermaßen berechnen:

Man rechnet
,
woraus folgt. Der Zinssatz beträgt also rund 5,2%.

Ist im Zusammenhang mit der Zinseszinsrechnung nach der Zeit (der Anzahl der Jahre) gefragt, so muss man mit Logarithmusfunktionen arbeiten. Umstellen der eingangs gegebenen Formel ergibt:

Anmerkung: Die Basis a ist beliebig wählbar. Im Folgenden wird mit dem natürlichen Logarithmus gerechnet.

Die Rechnung liefert das folgende Ergebnis:

Im Allgemeinen wird man für n keine natürliche Zahl erhalten. Bei jährlicher Verzinsung muss man den Wert auf- bzw. abrunden und erhält dann mehr bzw. weniger als den für angesetzten Betrag. Im obigen Beispiel erhielte man für eine Endsumme von 820,50 Euro.

Mit erhält man
,
woraus sich für die Werte .
(Auch hier gilt, dass man bei jährlicher Verzinsung runden muss und sich im Beispiel nach 23 bzw. zehn Jahren das Anfangskapital noch nicht ganz verdoppelt hat.)

Oben ausgeführte Berechnungen lassen sich auch mithilfe einer Tabellenkalkulation ausführen. Ein entsprechendes Beispiel lässt sich mit MS Excel oder Open Office öffnen und bearbeiten.

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