

Bei der praktischen
Anwendung der Binomialverteilung
treten nicht selten große oder sogar sehr große Werte von n
(etwa
)
auf, wodurch das Berechnen der Wahrscheinlichkeiten aufgrund der dabei zu
ermittelnden Fakultäten und Potenzen sehr zeitaufwendig wird.
Schon frühzeitig versuchte man deshalb, Näherungsformeln
für die Binomialverteilung zu finden.
Approximation durch eine POISSON-Verteilung
Der französische Mathematiker und Physiker SIMÉON DENIS POISSON
(1781 bis 1840; Bild 1) untersuchte das Verhalten von
speziell für wachsendes n, wobei er aber das Parameterprodukt
,
d.h. den Erwartungswert EX der
-verteilten
Zufallsgröße X, konstant hielt.
für größer werdendes n mit
berechnet werden.Für ,
und
erhält man zum Beispiel nebenstehende Tabelle. |
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Die gewonnenen Resultate legen die Vermutung nahe, dass sich die Wahrscheinlichkeiten
der Binomialverteilung für wachsendes n und konstantes
einem endlichen und von null verschiedenen Grenzwert nähern.
Diese Erfahrung führte zu dem folgenden Grenzwertsatz
von POISSON:

Das bedeutet: Bei kleiner Erfolgswahrscheinlichkeit p kann die Binomialverteilung
durch
die (später nach POISSON benannte) POISSON-Verteilung
approximiert
werden.
Die Anwendung der poissonschen Näherung für die Binomialverteilung
ist sinnvoll für
(als Faustregel), d.h., für
gilt:

Durch den Vergleich von zwei verschiedenartigen Fällen von Näherungen
der Binomialverteilung durch die POISSON-Verteilung kann man (interaktives
Beispiel) verdeutlichen, dass die Anwendung der Faustregel sinnvoll ist
(s. auch Histogramm von
und Punktdiagramm von
in Bild 2 bzw. nachstehender Abbildung).

Die Approximation der Binomialverteilung durch eine POISSON-Verteilung
gestattet es, die Wahrscheinlichkeiten der Binomialverteilung relativ
bequem zu berechnen (dies allerdings nur für kleine p).
Approximation
durch eine Normalverteilung
Eine weitere Approximation der Binomialverteilung
,
und zwar durch eine Normalverteilung
,
ermöglicht der Grenzwertsatz
von MOIVRE-LAPLACE.
Er führt zu den folgenden Näherungsformeln :
(als Faustregel) gilt:
als Funktion der gaußschen Glockenkurve und Dichtefunktion der
)
als Stammfunktion von
,
wobei
und
gewählt wurden) Durch den Vergleich von zwei verschiedenartigen Fällen von Näherungen
der Binomialverteilung durch die Normalverteilung kann man (interaktiv)
verdeutlichen, dass die Anwendung der Faustregel
sinnvoll ist (s. auch Histogramm von
und Graph der Dichtefunktion in Bild 3 bzw. nachstehender Abbildung)
Im Gegensatz zur Approximation der Binomialverteilung durch die POISSON-Verteilung,
die nur für kleine Wahrscheinlichkeiten p eine gute Näherung
liefert, kann man die Approximation durch die Normalverteilung für
jedes p mit
anwenden, wenn n nur hinreichend groß ist.
Wir betrachten dazu ein
Beispiel.
erfüllt ist? Lösung: Die Aufgabe könnte durch
"wildes" Probieren bearbeitet werden. Eine analytische Lösung
ist jedoch z.B. dadurch möglich, dass die Faustregel umgeformt wird
zu
.
Die wenigsten n werden dann benötigt, wenn der Funktionswert
maximal wird. Der Graph (eine quadratische Parabel) von f hat an der Stelle
0,5 einen Hochpunkt.
Die herausgehobene Stellung des Wertes
wird auch dadurch bestätigt, dass für
der maximal mögliche Fehler, der bei der Approximation der Binomialverteilung
durch die Normalverteilung begangen wird, am kleinsten ist. In dem Maße,
wie sich p von 0,5 entfernt, wird die Fehlerschranke immer größer.
Das linke der obigen Schirmbilder legt die Vermutung nahe, dass man durchaus
noch "brauchbare" Näherungen der Binomialverteilung durch
die Normalverteilung erhalten kann, wenn man die angegebene Faustregel
abschwächst. Dies ist in der Tat der Fall. Wenn nur "grobe"
Näherungen erforderlich sind, verwendet man auch die folgende Faustregel: