Aussagen
sind sinnvolle sprachliche Äußerungen bzw. entsprechenden Zeichenreihen,
die entweder wahr oder falsch sind.
Betrachtet man im Vergleich hierzu sprachliche Gebilde wie
so stellt man fest, dass diese zwar im grammatikalischen Sinne Sätze
sind und eine gewisse "äußerliche" Ähnlichkeit
mit Aussagen besitzen, aber nicht als wahr oder falsch bezeichnet werden
können und deshalb eben keine Aussagen
sind.
Der Grund hierfür ist: Jeder dieser Sätze enthält "freie"
Variable und muss daher - wie der bedeutende englische Mathematiker
und Philosoph BERTRAND RUSSELL (1872 bis 1969) einmal bemerkte -
als bloßes Schema aufgefasst werden, nur als
Schale, als leeres Gefäß für eine Bedeutung, nicht als
etwas an sich Sinnvolles (B. RUSSELL in "Einführung in
die mathematische Philosophie").
Aussagen entstehen aus den obigen Sätzen offenbar erst dann, wenn
man den in ihnen auftretenden freien Variablen eine bestimmte Bedeutung
gibt, d.h., wenn man diesen Variablen ein Objekt aus einem geeigneten
Grundbereich G zuordnet (man
sagt auch: die Variablen belegt)
bzw. - auf der "Zeichenebene" gesprochen - wenn man
anstelle der Zeichen für die (freien) Variablen die Namen oder Zeichen
von bestimmten Objekten aus G einsetzt.
Anmerkung: Handelt es sich bei G um eine Menge
(wovon nachfolgend ausgegangen werden soll), so können wir auch gleich
von den Elementen aus G sprechen.
Durch diese Variablenbelegung
entstehen aus obigen Sätzen (sprachlichen Gebilden) beispielsweise
die folgenden Aussagen:
).
).
Eine zweite Möglichkeit der Überführung obiger Sätze
(sprachlicher Gebilde) in Aussagen besteht darin, die "freien"
(also mit beliebigen Objekten aus dem jeweiligen Grundbereich belegbaren)
Variablen durch bestimmte generalisierende Formulierungen an einen bestimmten
Grundbereich zu binden, eine Variablenbindung
vorzunehmen. Solche Formulierungen sind z.B. (nicht)
für alle Elemente aus G gilt ..., es gibt ein Element (keine Elemente)
aus G, für das (die) gilt ... o.Ä.
Auf die einleitend angegebenen sprachlichen Gebilde bezogen ließen
sich so z.B. folgende Aussagen formulieren:
Natürlich wäre beispielsweise auch der Satz Für
alle Elemente x aus
gilt: x ist größer als 2 eine Aussage, allerdings eine
falsche.
Ausgehend von obigen Überlegungen wird vereinbart:
Unter einer Aussageform versteht man
eine sinnvolle sprachliche Äußerung mit mindestens einer freien
Variablen, die zur Aussage wird, wenn man
Als Kurzschreibweise für eine Aussageform mit der (den) freien
Variablen x oder x und y usw. wird häufig
verwendet.
Aussagen, die durch Variablenbindung mittels für
alle ... oder es gibt ... aus Aussageformen
entstehen, werden All-
bzw. Existenzialaussagen genannt.
Den Alloperator "für
alle ..." bzw. den Existenzialoperator
"es gibt ..." kennzeichnet man häufig
durch abkürzende Symbole: Anstatt für alle
x schreibt man
und für es gibt ein x dann
.
Beide Operatoren können auch gekoppelt auftreten, z.B.:

Diese Zeichenreihe ließe sich dann in ausführlicher Sprechweise
etwa folgendermaßen formulieren: Für alle
natürlichen Zahlen x gibt es eine natürliche Zahl y, die größer
als x ist.
Geht durch Einsetzen von Namen von Objekten (Elementen) aus dem Grundbereich
G für die Variable(n) eine Aussageform in eine wahre Aussage über,
so sagt man, dass diese Elemente die Aussageform erfüllen.
Anmerkung: Zur Vereinfachung sagt man auch:
Für die Variablen werden Objekte (Elemente) aus G eingesetzt.
Hinsichtlich der Beziehungen zwischen einer Aussageform und den Elementen ihres Grundbereichs G sind drei Fälle zu unterscheiden:
oder
sind über
unerfüllbar.
oder
sind über
erfüllbar.
oder
sind über
allgemeingültig.Bereits die obigen Beispiele zeigen, dass es nur bei Angabe des jeweiligen
Grundbereichs sinnvoll ist, eine Aussageform als erfüllbar (eb),
allgemeingültig (ag) bzw. unerfüllbar
(ub) zu bezeichnen. Dies verdeutlichen auch
noch einmal die auf verschiedene Zahlenmengen als Grundbereiche (natürliche
Zahlen
,
ganze Zahlen
,
rationale Zahlen
,
reelle Zahlen
)
bezogenen nachfolgenden Beispiele.
| Aussageform |
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![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
ag
|
eb
|
eb
|
eb
|
![]() |
ag
|
ag
|
eb
|
eb
|
![]() |
ub
|
ub
|
eb
|
eb
|
![]() |
ub
|
eb
|
eb
|
eb
|
![]() |
ub
|
ub
|
ub
|
ub
|