
Eine erste mathematische Definition (häufig als klassische
Definition bezeichnet) des Begriffs Wahrscheinlichkeit
geht auf den französischen Mathematiker PIERRE SIMON DE LAPLACE (1749
bis 1827; Bild 1) zurück. Er untersuchte vor allem solche Zufallsexperimente,
bei denen es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass die Chance für
das Eintreten irgendeines seiner Ergebnisse größer ist als
eines der anderen Ergebnisse.
Für diesen Fall definierte LAPLACE die Wahrscheinlichkeit
eines Ereignisses A folgendermaßen:

Für den Aufbau einer umfassenden Wahrscheinlichkeitstheorie erweist
sich ein solches Herangehen allerdings als zu eng. Heute wird die Wahrscheinlichkeit
axiomatisch definiert.
Axiomatische Definition der Wahrscheinlichkeit
Eine Funktion P, die jeder Teilmenge A einer endlichen
(Ergebnis-)Menge
eine reelle Zahl
zuordnet, heißt Wahrscheinlichkeitsverteilung
(Wahrscheinlichkeitsfunktion oder auch
Wahrscheinlichkeitsmaß), wenn
sie folgenden drei Bedingungen genügt:


,
falls 
Hat man es mit einer Ergebnismenge
zu tun, die nicht endlich ist, so muss das Axiom 3
folgendermaßen erweitert werden:


paarweise unvereinbar sind, d.h., falls
ist)Diese axiomatische Definition geht auf den russischen Mathematiker ANDREJ NIKOLAJEWITSCH KOLMOGOROW (1903 bis 1987; Bild 2) zurück. Er veröffentlichte sie im Jahre 1933. Die sich darauf gründende Wahrscheinlichkeitstheorie ist daher noch ein sehr junger Zweig der Mathematik.
Für die praktische Handhabung dieser abstrakten axiomatischen Definition der Wahrscheinlichkeit ist es sinnvoll, sich folgende Interpretationen zu vergegenwärtigen:
Aufgrund der Interpretation 2 erwartet man, dass die durch das kolmogorowsche Axiomensystem definierte Wahrscheinlichkeitsverteilung P die gleichen grundlegenden Eigenschaften wie die relativen Häufigkeiten besitzt. Dies trifft in der Tat zu, denn man kann die folgenden Rechenregeln für Wahrscheinlichkeiten aus dem kolmogorowschen Axiomensystem herleiten, was für die Güte dieses Axiomensystems spricht.
beträgt 0, d.h., es gilt:

,
so gilt
und stets
.
beträgt
stets 1, d.h., es gilt:

Auch in Situationen, in denen man die Wahrscheinlichkeiten weder durch
lange Versuchsreihen noch durch logische Überlegungen bestimmen kann,
werden neben qualitativen Bewertungen von Chancen wie "Höchstwahrscheinlich
wird die Hofpause heute abgeklingelt" oder "Es ist fast unmöglich,
dass wir für dieses Projekt noch kurzfristig einen Sponsor finden
werden" ebenso quantitative, also zahlenmäßige Bewertungen
vorgenommen. Jedoch tragen diese Bewertungen stark subjektiven Charakter.
Man nennt sie deshalb subjektive
Wahrscheinlichkeiten.