
Der Grad der Gewissheit über das Eintreten eines zufälligen
Ereignisses A wird durch seine Wahrscheinlichkeit
angegeben.
Liegt jedoch die Information über das Eintreten eines Ereignisses
B vor, so kann diese die Bewertung der Eintrittschancen von A verändern,
was durch die bedingte Wahrscheinlichkeit
beschrieben wird.
,
falls
gilt. Anmerkung: Für die bedingte Wahrscheinlichkeit
ist
auch die Schreibweise
üblich. Diese ältere einzeilige Schreibweise
ist schreibtechnisch zwar vorteilhafter als
,
aber bei der Schreibweise
wird die im Vergleich zu P veränderte Wahrscheinlichkeitsfunktion
stärker
hervorgehoben.
Beispiel: Zweimaliges Werfen eines
fairen Tetraeders (Bild 2)
Das Ereignis

hat die Wahrscheinlichkeit
.
Sei B nun das Ereignis

so gilt
.
Folglich ergibt sich:
Jede bedingte
Wahrscheinlichkeitsverteilung
ist wie P eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, die auch den drei kolmogorowschen
Axiomen genügt. Folglich gelten für
dieselben Rechenregeln wie für
P, z.B.
und
.
Jede "unbedingte" Wahrscheinlichkeit
kann als bedingte Wahrscheinlichkeit aufgefasst werden, nämlich als
Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A unter der Bedingung des sicheren
Ereignisses
,
d.h.
,
weil
gilt.
Um bedingte Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, verwendet man außer
ihrer Definition und ihren Rechenregeln häufig als praktische Hilfsmittel
Baumdiagramme oder Vierfeldertafeln.
Im Baumdiagramm stellen sich
die bedingten Wahrscheinlichkeiten
entsprechend der ersten Pfadregel als Übergangswahrscheinlichkeiten
dar (Bild 1 bzw. Bild unten links). Um auch die "umgekehrte"
bedingte Wahrscheinlichkeit
als Übergangswahrscheinlichkeit aus einem Baumdiagramm direkt abzulesen,
benötigt man das "umgekehrte" Baumdiagramm (im folgenden
Bild rechts).

In den Mengendiagrammen Vierfeldertafel
und VENN-Diagramm ist
als der Anteil von A zu interpretieren, der in B liegt, d.h. als das Verhältnis
des Flächenmaßes von
zum Flächenmaß von B, also
.

lässt
sich auf diese Weise als der Anteil von A interpretieren, der in
liegt. Da dies jedoch das gesamte A ist (es gilt
),
erhält man
.
Stimmt für zwei Ereignisse A und B die bedingte Wahrscheinlichkeit
mit
der (unbedingten) Wahrscheinlichkeit
überein, so sind A und B unabhängig
voneinander.