Unsere Erde hat
annähernd Kugelgestalt, sie wird in der Regel als Kugel betrachtet.
Will man geometrische Probleme lösen, welche die Erdoberfläche
betreffen, also die Kugelgestalt der Erde berücksichtigen, muss man
eine spezielle Geometrie und Trigonometrie haben. Denn schon die Entfernung
zweier Orte auf der Erdkugel, die nicht nahe beieinander liegen, ist mit
den Mitteln der ebenen Geometrie nicht mehr exakt zu bestimmen.
Die mathematische Geografie gehört deshalb zu den wichtigsten Anwendungsbereichen
der sphärischen Trigonometrie, der Trigonometrie der Kugeloberfläche.
Die Erdoberfläche wird dabei hinreichend genau als Oberfläche
einer Kugelmit dem Radius 6370 km angenommen.
Ein Ort D auf der Erde wird durch seine geografischen Koordinaten Länge
und Breite beschrieben (Bild 1). Die geografische
Länge von D wird durch den Winkel
gemessen, den der Meridian durch D mit dem Meridian durch Greenwich, dem
sogenannten Nullmeridian bildet. Sie wird von
nach Osten mit dem Vorzeichen "+" und nach Westen und mit dem
Vorzeichen "-" bezeichnet.
Die geografische Breite
von D wird durch den Winkel
gemessen, den der durch D gelegte Radius mit der Äquatorebene bildet.
Sie wird von
mit dem Vorzeichen "+" nach Norden und mit dem Vorzeichen "-"
nach Süden bezeichnet.
Die Länge u eines Großkreises entspricht dem Umfang der Erdkugel.
Es ist
,
wenn r für den Radius der Kugel steht.
Bei einem mittleren Erdradius von
begrenzt ein Mittelpunktswinkel von
auf einem Großkreis ein Bogenstück von
,
ein Bogenstück von
ein Stück von
.
Das ist eine sogenannte Seemeile.
4 Seemeilen sind 1 geografische
Meile.
Mithilfe des Seitenkosinussatzes kann die kürzeste Entfernung zweier Orte auf der Erde berechnet werden. Die kürzeste Entfernung zweier Orte ist bestimmt durch den kürzeren Abschnitt des durch die Orte bestimmten Großkreises.
Beispiele:
,
Tokio hat die Koordinaten
.

,
das sind
.
und
.

und
.
,
das sind
.
.
,
das sind
.Da in den vorangestellten Beispielen jeweils die Längen aller drei
Seiten der betrachteten sphärischen Dreiecke und der Winkel am Pol
bekannt sind, können auch die beiden anderen Winkel – etwa
genannt – mithilfe des Seitenkosinussatzes oder des Sinussatzes berechnet
werden. Damit kann der Kurs eines Flugzeugs,
das z.B. von Buenos Aires nach Berlin auf einem Großkreis fliegen
würde, beschrieben werden, wobei man zwischen Abflugkurs und Ankunftskurs
unterscheiden muss. Beide sind durch die Größe der beiden Winkel
bestimmt.
Im Beispiel Buenos Aires - Berlin erhält man mithilfe des Seitenkosinussatzes:
Kurse werden durch die Abweichung der Flug- bzw. Fahrtrichtung von der
Nord-Süd-Richtung angegeben. Demzufolge beträgt der Abflugswinkel
in Buenos Aires
,
der Ankunftswinkel des Flugzeugs in Berlin wegen
.
Fliegt ein Flugzeug von Berlin nach Buenos Aires, hat es einen Abflugswinkel
und
einen Ankunftswinkel von
.
An der Unterschiedlichkeit von Abflugs- und Ankunftskurs sieht man anschaulich, dass ein Flugzeug oder Schiff, das auf einem Großkreis fliegt oder fährt, sich nicht mit konstantem Kurs bewegen kann, sondern in jedem Moment seinen Kurs ändern muss, soll es auf dem Großkreis, also der Strecke kürzester Entfernung bleiben. In der Praxis fliegen Flugzeuge oder Schiffe auf einer Linie konstanten Kurses, einer sogenannten Loxodrome, oder auf einer geeigneten Zusammensetzung günstiger Abschnitte von Loxodromen, die das Navigieren erleichtern oder erst möglich machen, wenn dadurch auch der zurückzulegende Weg länger wird als er auf dem Großkreis wäre.
Die Zeitzonen betragen 15 Längengrade. Der Zeitunterschied zwischen Tokio, Sydney, Buenos Aires und Berlin errechnet sich aus der Differenz bzw. der Summe der zu den Städten gehörenden Längengrade. Er beträgt gegenüber der mitteleuropäischen Zeit zwischen Tokio und Berlin acht Stunden, zwischen Sydney und Berlin neun Stunden und zwischen Berlin und Buenos Aires fünf Stunden.