GEORG FRIEDRICH
BERNHARD RIEMANN entstammte einer Pfarrersfamilie und wurde am 17. September
1826 als zweites von sechs Kindern in Breselenz im Wendland geboren.
Bis zu seinem 13. Lebensjahr unterrichteten ihn sein Vater und der Dorflehrer.
Schon früh zeigte sich dabei die Begabung des Jungen im Rechnen sowie
in der Geometrie. Von 1840 bis 1842 besuchte BERNHARD RIEMANN das Gymnasium
in Hannover, wo er bei seiner Großmutter wohnte. Nach deren Tod wechselte
er zum
Johanneum in Lüneburg und legte dort im Jahre 1846 das Abitur
ab. Schon in Lüneburg studierte der junge RIEMANN mathematische Bücher,
die weit über den Schulstoff hinausgingen. So beschäftige er sich
beispielsweise intensiv mit Problemen der Höheren Analysis, indem er
Werke von LEONHARD EULER und A. M. LEGENDRE studierte.
Nach dem Abitur nahm BERNHARD RIEMANN auf Wunsch des Vaters zunächst
ein Studium der Philosophie und Theologie auf, hörte allerdings nebenbei
bereits mathematische Vorlesungen, u.a. bei CARL FRIEDRICH GAUSS, um schließlich
gänzlich zur Mathematik zu wechseln. Da ihn die Quantität der
mathematischen Veranstaltungen nicht auslastete, entschloss sich RIEMANN,
sein Studium zwischenzeitlich in Berlin fortzusetzen. Ab 1847 hörte
er hier speziell Vorlesungen über Zahlentheorie, bestimmte Integrale
und Differenzialgleichungen bei DIRICHLET bzw. über höhere Algebra
bei JACOBI.
Im Frühjahr 1849 kehrte RIEMANN nach Göttingen zurück und
widmete sich verstärkt naturphilosophischen und physikalischen Problemen.
Unter anderem besuchte er die ausgezeichneten Vorlesungen zur Experimentalphysik
von W. E. WEBER (1804 bis 1891), mit dem er später freundschaftlich
verbunden war.
Ende 1851 promovierte RIEMANN zu Fragen der
Funktionentheorie,
wobei die Ergebnisse der Dissertation durch GAUSS besonders gewürdigt
wurden. Ab 1853 war RIEMANN Assistent im mathematisch-physikalischen Seminar
und bereitete sich auf seine Habilitation vor. Im Dezember 1853 reichte
er seine Habilitationsschrift "Über die Darstellbarkeit einer
Funktion durch willkürliche Funktionen" ein. Hierin stellte er
u.a. Sätze über die
Darstellung von
Funktionen durch trigonometrische Reihen auf und befasste sich mit
der
Definition bestimmter Integrale.
Das nach ihm benannte riemannsche Integral ist heute ein fundamentaler Begriff
der höheren Analysis. Von den drei zum Habilitationskolloquium eingereichten
Themen RIEMANNS entschied sich GAUSS für das Thema "Über
die Hypothesen, welche der Geometrie zugrunde liegen" – und GAUSS war
wohl auch der einzige, der die Tragweite der darin enthaltenen Gedanken
schon voll erfassen konnte. RIEMANNS Überlegungen zum Raumproblem wurden
beispielgebend sowohl für mathematisch-naturwissenschaftliche als auch
für philosophische Forschungen. Unter anderem beeinflusste die
riemannsche
Geometrie HEINRICH HERTZ bei seinen Arbeiten zu Grundlagen der Mechanik
bzw. der Elektrodynamik und fanden Eingang in ALBERT EINSTEINS Relativitätstheorie.
Ab Herbst 1854 hielt RIEMANN Vorlesungen in Göttingen, insbesondere
über partielle
Differenzialgleichungen
und ihre
Anwendung auf physikalische Probleme,
1857 wurde er zum außerordentlichen und 1859 zum ordentlichen Professor
ernannt. Er wurde Nachfolger auf dem Lehrstuhl, den zuvor DIRICHLET und
GAUSS innegehabt hatten. RIEMANN wurde zudem korrespondierendes Mitglied
der Berliner Akademie der Wissenschaften und erhielt in den Folgejahren
für seine Forschungen Ehrungen durch die Londoner
Royal Society und
die Pariser Akademie.
Das Jahr 1862 gilt als Höhepunkt in RIEMANNS Schaffen, doch schon zu
diesem Zeitpunkt verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends,
da er an Tuberkulose litt. Mehrfach reiste RIEMANN (teilweise gemeinsam
mit seiner Frau, die er 1862 geehelicht hatte) deshalb in den Folgejahren
nach Italien, um die Krankheit zu kurieren. Von August 1863 bis Oktober
1865 blieb er sogar über einen längeren Zeitraum dort, hatte auch
Kontakte zu italienischen Gelehrten, musste aber eine ihm angebotene Berufung
nach Pisa aus gesundheitlichen Gründen ablehnen.
Noch einmal kehrte RIEMANN nach Göttingen zurück und arbeitete
trotz fortgeschrittener Krankheit weiter an mathematischen Problem. Kurz
nach Beginn seines dritten Aufenthalts in Italien verschlechterte sich sein
Gesundheitszustand rapide und er verstarb am 20. Juli (noch nicht einmal
40 Jahre alt geworden) am 20. Juli 1866 in Selasca am Lago Maggiore.