Das Verfahren der vollständigen Induktion hängt eng zusammen mit der Menge der natürlichen Zahlen bzw. mit Teilmengen natürlicher Zahlen. Es ist immer dann anwendbar, wenn man auf Aussagen trifft, die für alle natürlichen Zahlen gelten, also die die folgende Struktur aufweisen:
gilt
.
Das Verfahren beruht auf der sogenannten Induktionseigenschaft der natürlichen Zahlen. Diese ist Bestandteil des peanoschen Axiomensystems und lautet:
und gilt
. Es sei
die Menge aller natürlichen Zahlen, für die eine Aussage
wahr ist.
Anwenden der Induktionseigenschaft besagt dann das Folgende.
Wenn man zeigen kann

dann gilt (aufgrund der als Axiom angenommenen Induktionseigenschaft)
, was
wiederum bedeutet
ist für alle
gültig.
Um die Allgemeingültigkeit einer Aussage
über
nachzuweisen,
hat man also beim Beweis durch vollständige Induktion zwei Schritte
zu vollziehen:
wahr ist.
gilt: Aus der Annahme,
sei richtig, kann auf die Gültigkeit von
geschlossen werden, d.h.:
.
Das Vorderglied heißt Induktionsvoraussetzung
und das Hinterglied dieser Implikation ist die Induktionsbehauptung.) Wichtig ist, dass beide Schritte verifiziert werden müssen, d.h.
als wahr nachzuweisen sind:
sowohl der Induktionsanfang (es muss erst
einmal eine natürliche Zahl geben, für
die
gilt)
als auch der Induktionsschritt oder Induktionsschluss (Nachweis
der obigen Implikation).
Erst dann gilt, dass
für alle wahr
ist.
Die Struktur des
Beweises durch vollständige Induktion sieht formal also folgendermaßen
aus:



.
.
gilt
.
Induktionsschritt
Induktionsvoraussetzung (n = k):
Es gelte
.
Induktionsbehauptung (n = k + 1):
Es sei auch
.
Induktionsbeweis:

Folglich gilt
.